Taxifahrer-Protest

Ein Tag im Leben eines Berliner Taxifahrers

Erkan Özmen gehört zu den Taxifahrern, die am Mittwoch in der City West demonstrierten. Hier schildert er seinen Arbeitsalltag.

Erkan Özmen vor seinem Taxi

Erkan Özmen vor seinem Taxi

Foto: Privat

Berlin. Der Protest von mehr als 1000 Taxifahrern in der City West sorgte für Verkehrschaos auf Straßenabschnitten zwischen dem Olympiastadion und dem Flughafen Tegel. Die Fahrer demonstrierten gegen gesetzliche Privilegien für App-Fahrdienste wie Uber und Free Now, die das Taxigewerbe ihrer Meinung nach in den Ruin trieben.

Lohnt es sich überhaupt noch, Taxi zu fahren? Unsere Redaktion hat Erkan Özmen gefragt, wie sein Arbeitsalltag aussieht. Er fährt seit 25 Jahren Taxi in Berlin. Nach eigenen Angaben arbeitet Özmen sieben Tage in der Woche, circa acht bis zehn Stunden am Tag. Dabei verdiene er im Schnitt 4000 Euro brutto im Monat. Nach Abzug von Steuern, Funkgebühren, Kranken- und Kfz-Versicherung blieben ihm davon circa 1800 Euro zum Leben. Der 53-Jährige ist selbstständig, hat ein Unternehmen auf sein Taxi angemeldet. So sieht einer seiner Arbeitstage aus:

5.30 Uhr: Özmen steigt in seinen Wagen ein. Er fährt zum Bahnhof Südkreuz, der in der Nähe seines Wohnhauses liegt. Er meldet per Funk seinen Wegstreckenzähler an. Der Zähler speichert von nun an, welche Strecke er an diesem Tag fahren wird. Diese Daten werden in einen zentralen Speicher aufgenommen, auf den das Finanzamt Zugriff hat.

5.45 Uhr: Özmen ist am Südkreuz angekommen. Insbesondere seit Anfang dieses Jahres wartet er morgens bis zu einer Stunde auf seinen ersten Auftrag.

6.45 Uhr: Ein Geschäftsmann kommt auf das Taxi zu, steigt ein. Er möchte, dass Özmen ihn zur Messe fährt. Die Strecke beträgt elf Kilometer.

7.05 Uhr: Özmen setzt den Geschäftsmann an einem Messegebäude ab. Er kassiert von ihm 26,60 Euro brutto für die Fahrt. Nun wartet er wieder auf Kundschaft.

7.40 Uhr: Am Messegebäude steigen weitere Geschäftsleute ein. Sie möchten zu ihrem Hotel in Westend gefahren werden. Özmen kassiert für die Kurzstrecke insgesamt acht Euro.

7.50 Uhr: Nachdem er die Geschäftsleute abgesetzt hat, wartet Özmen vor dem Hotel - insgesamt fast eine Stunde.

8.45 Uhr: Drei Frauen steigen ein. Sie wollen zu einem Wohnhaus in der Nähe gefahren werden. Auch dieses Mal fährt Özmen eine Kurzstrecke und kassiert acht Euro.

9.05 Uhr: Özmen ist zu einem Taxistand in Charlottenburg gefahren und hofft, dort Kunden zu finden. Leider steigt über eine Stunde lang niemand ein. Auch per Telefon geht keine Bestellung ein.

10.10 Uhr: Endlich ein Auftrag: Özmen fährt ein Pärchen zu einem Wohnhaus in der Nähe der Deutschen Oper. Diese Strecke ist ebenfalls kurz, er verbucht insgesamt sieben Euro.

10.35 Uhr: Özmen ist zum Flughafen Tegel gefahren. Insbesondere Geschäftsleute könnten um diese Zeit dort landen. Das könnten potenzielle Kunden sein, die ein Taxi in die Stadt benötigen.

11.30 Uhr: Leider hat Özmen auch am Flughafen kein Glück. Er muss fast eine Stunde warten, bis eine Geschäftsfrau einsteigt, die zu einem Hotel in Friedrichshain gefahren werden möchte.

12.10 Uhr: Özmen setzt die Frau am Hotel ab. Für die Strecke von 16 Kilometern bekommt er 34,85 Euro.

12.50 Uhr: Özmen erreicht ein Anruf. Eine seiner Stammkundinnen möchte von ihrem Haus in Steglitz in die Pankstraße in Wedding gefahren werden.

13.05 Uhr: Özmen kommt bei seiner Stammkundin an.

13.45 Uhr: Nach 17 Kilometern setzt er die Kundin an der Pankstraße ab. Preis: 36,50 Euro.

13.50 Uhr: Am U-Bahnhof Pankstraße steigen drei Männer ein. Özmen fährt sie zu einem Restaurant um die Ecke.

14.00 Uhr: Nachdem Özmen für diese Kurzstrecke wieder sieben Euro kassiert hat, wartet er an einer Taxi-Station.

14.30 Uhr: Özmen wartet vergeblich auf Kundschaft. Er fährt nach Hause. Hier kommt er um 15 Uhr an.

In neuneinhalb Stunden hat Özmen an diesem Tag 127,95 Euro brutto verdient. „Bis vor einigen Jahren konnte ich mir noch einen Tag pro Woche freinehmen, um auf 4000 Euro im Monat zu kommen. Nun muss ich durcharbeiten,“ sagt er.

Bereits im vergangenen Jahr habe er deutlich zu spüren bekommen, dass Kunden ausbleiben. Vermutlich nutzten sie nun Apps wie Uber und Free Now für den Transport. Seit Anfang dieses Jahres habe sich diese Tendenz verstärkt.