Neuplanung

Nach Kritik: Oberbaumbrücke bekommt breitere Radwege

Nach massiver Kritik plant die Verkehrsverwaltung den Radweg auf der Oberbaumbrücke neu. Radfahrer bekommen einen Meter mehr Platz.

Auf der Oberbaumbrücke gibt es künftig Platz für breite Radwege.

Auf der Oberbaumbrücke gibt es künftig Platz für breite Radwege.

Foto: FUNKE Foto Services / Jörg Krauthöfer (Krauthoefer)

Der Ärger über die neuen Fahrradwege auf der Oberbaumbrücke in Friedrichshain-Kreuzberg war groß. Nach der anhaltenden Kritik will die Senatsverkehrsverwaltung die Radstreifen auf der Oberbaumbrücke deutlich verbreitern. Künftig steht Radfahrern je Richtung ein drei Meter breiter Weg zur Verfügung, teilte das Haus von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Montag mit. Ein Sicherheitsstreifen von einem Meter solle den Radverkehr zudem vor den daneben fahrenden Autos schützen. Schmaler wird dafür die Autospur.

Markierungen auf der Oberbaumbrücke wurden erst im Oktober aufgetragen

Die Verkehrsverwaltung reagiert damit auf die massive Kritik von Radfahrern an der aktuellen Situation auf der Brücke. Die derzeitigen Markierungen waren erst im Oktober auf der Fahrbahn aufgetragen worden. Der Radstreifen wurde damit auf offiziell zwei Meter verbreitert zuzüglich einer 80 Zentimeter breiten Schutzfläche. Gleichzeitig wurden die zwei Fahrspuren für den Kfz-Verkehr auf einen überbreiten Streifen reduziert.

Verkehrsaktivisten bemängelten jedoch vom ersten Tag an, dass die effektiv nutzbare Fläche schmaler sei als angekündigt. Autofahrer nutzten zudem immer wieder auch den Schutz- und Radstreifen, um weiterhin in zwei Spuren über die Brücke fahren zu können. Mit der nun getroffenen Anordnung trage sie diesen Problemen Rechnung, teilte die Verkehrsverwaltung mit. „Die bisherige Lösung mit einer überbreiten Kfz-Spur wird daher vollständig ersetzt.“ Womöglich umgeht sie damit auch ein Gerichtsverfahren.

Widerspruch eingelegt: Verkehrsführung auf Oberbaumbrücke entspreche nicht Mobilitätsgesetz

Kurz nachdem die neue Markierung im Oktober galt, legte Jens Blume offiziell Widerspruch gegen die Verkehrsführung ein, da sie nicht den Vorgaben des Mobilitätsgesetzes entspreche. „Es ist so schmal, dass man sich nicht sicher mit dem Rad überholen kann“, klagt Blume, der hauptberuflich Ingenieur im technischen Umweltschutz ist und sich privat bei der Verkehrsinitiative Changing Cities engagiert.

Kurz darauf gab die Verkehrsverwaltung bekannt, die Planungen überprüfen zu wollen. Nachdem zunächst nichts geschah, reichte Blume am Freitag Klage gegen das Land Berlin ein. Am Montag fand er plötzlich gute Nachrichten im E-Mail-Postfach. Die Verkehrsverwaltung teilte ihm vorab mit, dass seinem Widerspruch in Teilen stattgegeben wurde, mit der beschriebenen Folge, dass der Radweg breiter wird.

Blume spricht von einem Teilerfolg. „Ich bin mit der Breite zufrieden, bei drei Metern kann man auch ein Lastenrad überholen.“ Seiner Forderung, auch Poller zum Schutz der Radfahrer aufzustellen, kam die Verkehrsverwaltung bislang jedoch nicht nach. Blume denkt deshalb darüber nach, seine Klage vorerst aufrecht zu erhalten. Über Poller werde die Verkehrsverwaltung in Abstimmung mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erst noch entscheiden, teilte Günthers Haus mit.

„Dazu ist zunächst die Verkehrslösung während der Bauarbeiten zu definieren.“ Ein Sprecher betonte, dass die nun vorgelegte Neuplanung nicht im Zusammenhang mit Blumes Widerspruch und Klage stehe. Die Verkehrsverwaltung habe bereits zuvor intern eine Überprüfung veranlasst.

Oberbaumbrücke wird zur Baustelle

Bevor es zur kompletten Umsetzung der neuen Variante kommt, wird die Oberbaumbrücke Baustelle. Noch im Frühjahr wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit der Sanierung des historischen U-Bahnviadukts beginnen, die rund ein Jahr dauern sollen. Die Arbeiten „verkomplizieren die Verkehrssituation durch den Ausfall der U-Bahn über die Spree“, teilte die Verkehrsverwaltung mit. Über eine Zwischenlösung, die sowohl dem über die Brücke laufenden Schienenersatzverkehr zwischen Schlesischem Tor und Warschauer Straße als auch dem Radverkehr genügend Platz einräumt, werde derzeit noch beraten. Das Ergebnis wird zeitnah veröffentlicht.