Kampf gegen Ausbreitung

Coronavirus: Was Berlin von Bangkok lernen kann

| Lesedauer: 5 Minuten
Andreas Gandzior
Eine Gesundheitsbeamtin misst einem Touristen bei dessen Ankunft in Bangkok die Temperatur.

Eine Gesundheitsbeamtin misst einem Touristen bei dessen Ankunft in Bangkok die Temperatur.

Foto: Sakchai Lalit / dpa

In Bangkok gehen die Behörden konsequent gegen das Coronavirus vor. An Desinfektionsmitteln und Gesichtsmasken kommt man nicht vorbei.

Berlin.  Wer regelmäßig die thailändische Hauptstadt besucht, merkt in diesen Tagen den Unterschied zu den Vorjahren deutlich. Bangkok ist merklich leerer als sonst. Schuld daran ist das Coronavirus. In Thailand werden aktuell auch Großveranstaltungen abgesagt, die tägliche Vorgehensweise im Kampf um die Ausbreitung des Coronavirus wird aber deutlich konsequenter angegangen als in Berlin.

Egal, wo man unterwegs ist: Die Straßen und Restaurants sind leerer als gewohnt, auf den Gängen in den Einkaufscentern fühlt man sich fast schon einsam. Besucher Bangkoks sind den Anblick gewohnt, dass viele Bewohner ihr Gesicht hinter einer Schutzmaske verbergen, das liegt aber eher an der schlechten Luft in der Hauptstadt. In diesen Tagen aber tragen deutlich mehr Menschen Schutzmasken, und auch ein großer Teil der Touristen schützt sich damit. Es gibt kaum einen Polizisten oder Hotelmitarbeiter, der keine Maske trägt. Auf jedem Rezeptionstresen stehen Schilder mit Hygienehinweisen und Plastikspender mit Desinfektionsmitteln. Auch die Bestellungen in den Hotelrestaurants und an vielen Straßenständen werden vermummt entgegen genommen. An großen Bahnhöfen des Skytrains in Bangkok stehen Flaschen mit Reinigungsmittel hinter den Zugangssperren für jedermann griffbereit.

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1,35 Millionen Gesichtsmasken werden täglich produziert

Nach Angaben des thailändischen Wirtschaftsministeriums werden in elf Fabriken täglich 1,35 Millionen Masken produziert, davon gehen mehr als 200.000 Masken täglich an die Mitarbeiter von Supermärkten und 18.000 Stück an die staatliche Airline Thai Airways. Die Regierung erwartet aber in naher Zukunft einen Anstieg auf fünf Millionen Masken, die täglich produziert werden müssen.

Was möglicherweise für den Besucher als übertrieben gilt, kann aber als konsequent beschrieben werden. Großveranstaltungen werden abgesagt, aber Aufklärung und Desinfektion werden auch groß geschrieben. Wer in einem der großen Shopping-Center unterwegs ist, wird gleich an den Eingängen mit Hinweisschildern und Flaschen mit Desinfektionsmittel begrüßt. Auch an den Rolltreppen stehen auf jeder Etage Tische mit Infotafeln und Desinfektionsmitteln. Kaum ein Besucher, der dieses kostenlose Angebot nicht nutzt. Vor Einkaufscentern messen Sicherheitsmitarbeiter bei Besuchern die Körpertemperatur mit Infrarot-Messgeräten. Eine Vorgehensweise, die auch in Myanmars Millionenmetropole Yangon durchgeführt wird.

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Ein Angebot, das sich viele deutsche Touristen auch in ihren Heimatstädten wünschen würden. Dazu sagt Phillip Haverkamp vom Handelsverband Berlin-Brandenburg: „Wir beobachten die aktuelle Entwicklung zum Umgang mit dem neuartigen Coronavirus sehr genau. Dazu stehen wir in enger Abstimmung mit zuständigen Institutionen und Experten.“ Personenbezogene Kontrollen, also etwa das Messen der Temperatur mit Infrarotgeräten, seien in Deutschland glücklicherweise nicht üblich und nach Experteneinschätzung auch nicht sinnvoll, sagte der Referent des Handelsverbandes. „Sie suggerieren eine Scheinsicherheit. Wir schließen uns den bekannten Empfehlungen an. Regelmäßiges gründliches Händewaschen, nicht ins Gesicht fassen und in die Armbeuge niesen.“

Auch auf den Flughäfen in Thailand gehen die Verantwortlichen konsequent gegen das Virus vor. Auf dem Flughafen der Region Ranong beispielsweise müssen die Passagiere zu Fuß von der Maschine über das Rollfeld zum Terminal laufen. Dort angekommen müssen die Fluggäste durch ein Spalier von Sicherheitskräften und medizinischem Personal. Bei jedem Passagier wird dann die Körpertemperatur gemessen. Auf den Hauptstadtflughäfen werden die Passagiere ebenfalls unter die Lupe genommen. Einige Airlines lassen durch Mitarbeiter die Temperatur der Passagiere messen, bevor sie den Sicherheitscheck passieren dürfen. In Frankfurt und auf dem Flughafen in Tegel könnte man den Eindruck gewinnen, der Virus hätte Deutschland noch nicht erreicht. Kaum Informationen, keine Kontrollen.

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„Wir stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden und beobachten die Situation“, sagte Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, der Berliner Morgenpost. „Sollte sich die Situation verändern werden wir in Zusammenarbeit und auf Anordnung der Gesundheitsämter reagieren.“

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