Schutzausrüstung

Coronavirus: Berlins Feuerwehr gehen Atemschutzmasken aus

Die Vorräte an Schutzausrüstung sind begrenzt. Ärzte und Kliniken, aber auch die Berliner Feuerwehr leiden unter Lieferengpässen.

Coronavirus: Der Handel mit den Atemschutzmasken

Die Preise für Atemschutzmasken schießen in die Höhe. Die Bundesregierung hat jetzt den Export der Masken untersagt.

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Berlin. Die Feuerwehr hat angesichts der weiteren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus die Vorschriften für den Eigenschutz ihrer Mitarbeiter verschärft. In einer Anweisung, die als „verbindlich für den Einsatzdienst“ gekennzeichnet ist und die der Berliner Morgenpost vorliegt, werden Rettungskräfte angewiesen, bei Personen mit Erkältungssymptomen (Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, sowie Gliederschmerzen, Übelkeit oder Fieber) ihre besondere Schutzausrüstung anzulegen. Dazu gehören eine spezielle Atemschutzmaske (Schutzklasse mindestens „FFP2“), eine Schutzbrille, Handschuhe, sowie „geschlossene Rettungsdienst-Kleidung“. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus dem Umfeld der Feuerwehr warnt die Leitstelle der Feuerwehr Rettungskräfte bei Verdachtsfällen zudem mit einem Codewort, sodass sie besondere Vorsicht walten lassen können.

Bisher sollten Rettungskräfte die besondere Schutzausrüstung nur anlegen, wenn Patienten Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten oder in einem der ausländischen Risikogebiete unterwegs waren. Nun hat die „Ärztliche Leitung für den Rettungsdienst“ die Regeln verschärft.

Coronavirus: Vorräte an Schutzmasken sind begrenzt

Die Umsetzung dürfte die Feuerwehr allerdings vor Probleme stellen. Denn die Vorräte an Schutzmasken, wie auch an Desinfektionsmitteln, sind begrenzt. In einem internen Schreiben ist von einer „Verteilung von Mängelressourcen“ die Rede. Die Feuerwehr bestätigte, dass die Bestände an Schutzmaterial nun zentral verteilt würden. Dass die Mittel knapp seien, sei kein Geheimnis. „Wir gehen sorgsam damit um“, sagte eine Sprecherin der Berliner Morgenpost. Wie viele Atemschutzmasken zurzeit noch vorrätig seien, konnte sie nicht sagen. Die Bestände würden sich ständig verändern.

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Damit steht die Feuerwehr offenbar vor einem Szenario, vor dem Funktionäre der Behörde nach Informationen der Berliner Morgenpost bereits vor Tagen in Senatsrunden warnten. Kritisch könnte es vor allem dann werden, wenn die Corona-Welle anhält. Denn Teile der Sicherheitsausrüstung, etwa Handschuhe und Atemschutzmasken, müssen nach jedem Einsatz ersetzt werden. Wenn das Virus länger grassiert, dürfte der Feuerwehr der Nachschub ausgehen.

Bei einer Epidemie könnten die Folgen gravierend sein. Denn die Feuerwehr zählt zur kritischen Infrastruktur. Wenn viele Rettungskräfte erkranken oder wegen fehlender Möglichkeiten zum Eigenschutz nur noch begrenzt eingesetzt werden können, könnte die gesamte Notfall-Versorgung gefährdet sein.

Die auch für die Feuerwehr zuständige Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die neuen Regeln zur Verteilung der Schutzausrüstung daher. Die Feuerwehr treffe Vorkehrungen, um bestmöglich vorbereitet zu sein. „Bei einer möglichen Pandemie und einem notwendigen Dauertragen wären die Lager nach einer Woche leergefegt und wir sehen, dass es derzeit global Lieferengpässe gibt“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro.

Lage könnte auch bei Berliner Polizei kritisch werden

Kritisch könnte die Lage auch bei der Polizei werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost meldeten etliche Dienststellen der Behördenleitung hinsichtlich der Ausstattung mit der „Persönlichen Schutzausrüstung“ über „keine valide Datengrundlage“ zu verfügen. Ein Sprecher der Polizei sagte, eine „verlässliche Zahl“ zur Ausstattung mit der für Infektionsfälle vorgesehenen Schutzausrüstung könne „nicht mitgeteilt werden“. Die Bundesregierung hat unterdessen den Export von Atemmasken und anderer Schutzausrüstung ins Ausland verboten. Das teilte der Krisenstab aus Gesundheits- und Innenministerium mit.

In der Bevölkerung schrecken einige Berliner aus Angst vor einer Ansteckung offenbar auch vor Diebstahl nicht zurück. Eine Sprecherin der Kliniken des Deutschen Roten Kreuz (DRK) bestätigte am Montag, dass in öffentlichen Bereichen der Kliniken des DRK einzelne Flaschen mit Desinfektionsmitteln sowie Atemschutzmasken gestohlen wurden. Sie stehen in der Notaufnahme für Patienten mit schweren Krankheiten bereit. Auch auf Patientenzimmern hätten Mitarbeiter beobachtet, dass Angehörige von Patienten Desinfektionsmittel aus installierten Spendern abgefüllt hätten.

Die Sprecherin sprach von einer „sehr bedauerlichen Situation“. Man habe sich deshalb entschieden, die Spender in öffentlichen Bereichen nicht mehr nachzufüllen. Da auch in den Kliniken das Kontingent begrenzt sei, müsse man die Mittel vorhalten für medizinische Bereiche, in denen sie zwingend notwendig seien.

Das zentrale Materiallager des Roten Kreuzes ist voll

Schutzausrüstungen wie Atemmasken und Desinfektionssprays werden aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus in Berlin knapp. Ärzte und Kliniken leiden unter Lieferengpässen. In seinem Logistik-Zentrum in Schönefeld lagert das Deutsche Rote Kreuz noch Hilfsgüter, die im Corona-Notfall dringend gebraucht werden. Neben Masken und Sprays sind das auch Handschuhe, Feldbetten sowie Gesundheitsstationen.

Diese Vorräte können jedoch nicht etwa kurzerhand an niedergelassene Ärzte oder Kliniken in Berlin geliefert werden. Das Rote Kreuz benötige die Ausrüstungen für eigene Einsätze, wie ein Pressesprecher der Organisation mitteilt. So unterstützten Einsatzkräfte seit Anfang Februar die Quarantäne-Versorgung deutscher Rückkehrer aus der chinesischen Region Wuhan sowohl in Köpenick als auch in Germersheim (Rheinland-Pfalz) und Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg).

Zudem beteiligte sich die Organisation an der Lieferung von 8,7 Tonnen Hilfsgüter nach China, welche die Bundesregierung Mitte Februar initiierte. Da sich jedoch in der Zwischenzeit insgesamt 240 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert haben, geht die Bundesregierung nun gegen Ausrüstungs-Engpässe vor. Darum untersagte sie am Mittwoch den Export von Atemmasken und anderer Schutzausrüstung. Russland erließ ebenfalls ein Ausfuhrverbot. In Frankreich sollen Schutzmasken nur noch auf Rezept ausgegeben werden. Doch auch innerhalb Deutschlands könne das Rote Kreuz die Schutzausrüstungen nicht an private Unternehmen oder Krankenhäuser liefern, erklärt der Sprecher: „Durch unseren inzwischen sechswöchigen bundesweiten Einsatz sind nur noch Vorräte vorhanden, um unsere eigenen laufenden Operationen bedienen zu können.“ Für diese reiche der Bestand noch aus. Beispielsweise seien vier mobile Gesundheitsstationen im Lager, eine weitere sei derzeit in Nordrhein-Westfalen im Einsatz.

Senat hat Schutzausrüstung nicht angefragt

Auch im Auftrag der Behörden sei die Hilfsorganisation im Einsatz. Bei Kontakt mit Infizierten benötigen Einsatzkräfte während eines Corona-Notfalls insbesondere Atemschutzmasken, Infektionsschutz-Kittel, Handschuhe und Desinfektionsmittel, um eine Ansteckung zu vermeiden. Eine entsprechende Anfrage des Berliner Senats nach dieser Ausrüstung habe es beim Roten Kreuz nicht gegeben.

Am Mittwoch zog das Bundesgesundheitsministerium die Beschaffung medizinischer Schutzausrüstung für Arztpraxen, Krankenhäuser sowie Bundesbehörden an sich. Wie der Krisenstab aus Gesundheits- und Innenministerium in Berlin mitteilte, könne es Ausnahmen vom Ausfuhrverbot für Schutzausrüstung künftig nur im Rahmen konzertierter internationaler Hilfsaktionen geben.