Nahverkehr

BVG zieht marode U-Bahnen aus dem Verkehr

Die U-Bahn-Flotte der BVG wird immer kleiner. Fällt ein Wagen aus, droht der Betrieb sofort zu leiden. Es gibt kaum Reserven.

Immer wieder muss die BVG alte U-Bahn-Wagen aus dem Betrieb nehmen.

Immer wieder muss die BVG alte U-Bahn-Wagen aus dem Betrieb nehmen.

Foto: Susanne Kollmann

Ein paar dottergelbe U-Bahnen der Baureihe F79 rollen noch durch den Berliner Untergrund. Wie lange sie ihren Dienst noch tun, ist jedoch unklar. Nun mussten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weitere Wagen des Modells dauerhaft aus dem Betrieb ziehen. 12 von ursprünglich 70 U-Bahnwagen der Baureihe F79 waren zuletzt noch im Einsatz.

In den vergangenen Wochen hat es nun weitere vier Wagen der Baureihe erwischt. Außer acht Fahrzeugen sind nun alle Wagen stillgelegt. Bis der letzte der Problemzüge den Dienst quittieren muss, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein. Die Sorgen der BVG um ihre schrumpfenden Flotte, dürfte das zusätzlich vergrößern.

BVG: Bei der U-Bahn gibt es kaum Reserven

In der U-Bahn-Flotte der BVG sind die ab 1980 konstruierten Fahrzeuge der Baureihe F79 nicht die ältesten. Auf den Großprofil-Strecke der Linien U5 bis U9 sind auch Wagen unterwegs, die noch einige Jahre mehr Betriebszeit auf dem Buckel haben. Aber die Wagen zählen zu jenen Fahrzeugen, die der BVG seit Jahren die größten Probleme bereiten. Gebaut als Leichtbau aus Aluminium haben sich an den Gehäusen mit der Zeit Risse gebildet, die nicht mehr zu beheben sind. Seit 2018 werden die Wagen deshalb nach und nach ausgemustert – und lassen die Flotte der BVG gerade im Großprofil bedenklich schrumpfen.

576 Wagen brauchen die Verkehrsbetriebe für den Regelbetrieb auf den Linien U5 bis U9. Nur noch 592 Fahrzeuge sind im Dienst, teilte BVG-Sprecherin Petra Nelken mit. Auch im Kleinprofil werden die Reserven demnach immer kleiner: Von 408 sind 380 im regulären Fahrplan nötig. Fallen Züge wegen Schäden, oder weil Signalstellen mit Graffiti übersprüht sind, aus, gibt es nahezu keinen Puffer.

Der Fahrzeugmangel schlägt sich fast sofort in Betriebsausfällen nieder. Erst im Laufe des Jahres sollen neue für das Großprofil umgebaute Kleinprofilzüge vom Hersteller Stadler geliefert werden. „Wir haben keine Reserven. Das ist eine Situation, die wir vorausgesagt haben“, sagte Nelken. Täglich müssten ihre Kollegen mit den vorhandenen Wagen regelrecht jonglieren. „Wir kommen hin, aber es darf im Prinzip nichts passieren.“

Fahrgastverband: „Wir steuern in eine kleine U-Bahnkrise“

Fatal sei vor diesem Hintergrund der immer noch nicht beigelegte Rechtsstreit um die Vergabe des Großauftrags über den Kauf von 1500 Wagen an den Hersteller Stadler. Nach einer Rüge des unterlegenen Anbieters Alstom wartet die BVG immer noch auf eine Entscheidung. Die wohl letzte Anhörung musste zuletzt vertagt werden. „Das Kammergerichtsurteil brennt uns wirklich unter den Nägeln“, sagte Nelken.

Es räche sich, dass Berlin nicht rechtzeitig neue Wagen für das Großprofil beschafft habe, sagte Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Igeb. Dies sei ein Versäumnis der vergangenen zehn Jahre. „Wir steuern sehenden Auges in eine kleine U-Bahnkrise.“ Wieseke kritisierte auch die Dauer, bis lange Zeit ehe kaputte Züge die Werkstatt wieder verlassen könnten. „Viele Fahrzeuge stehen einfach nur rum. Die BVG muss ihr Werkstattmanagement verbessern.“ Zumindest aktuell wirke sich der Fahrzeugmangel jedoch nicht auf den Betrieb aus, sagte BVG-Sprecherin Nelken. Die Zuverlässigkeit liege bei 99,4 Prozent. „Das ist für den U-Bahnbetrieb nicht schlecht.“

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