Ominöse Gruppierung

„Freie Fahrt für alle“: Gruppe beschädigt S-Bahn-Automaten

Eine ominöse Gruppe rühmt sich, auf mehreren Bahnhöfen Fahrkartenautomaten der Berliner S-Bahn funktionsuntüchtig gemacht zu haben.

Fahrkartenautomat an einer Haltestelle in Berlin (Archivbild)

Fahrkartenautomat an einer Haltestelle in Berlin (Archivbild)

Foto: dpa

Berlin. In einer Mitteilung, die über ein linksextremistisches Internetportal verschickt wurde, behauptet eine Gruppe mit dem sperrigen Namen „Bürger*innenIni Freie Fahrt“, in der Nacht zu Montag Fahrkartenautomaten der S-Bahn auf mehreren Berliner Bahnhöfen beschädigt zu haben. Darüber hinaus ruft die ominöse Gruppierung dazu auf, weitere Automaten „außer Betrieb zu nehmen“.

S-Bahn Berlin: Fahrkartenautomaten wurden mit Bauschaum beschädigt

Laut der S-Bahn sind an acht Bahnhöfen, darunter Bornholmer Straße, Rummelsburg, Schönholz - rund 30 Fahrkartenautomaten beschädigt worden, "indem die Täter Bauschaum in die Ausgabefächer gesprüht haben", teilte die S-Bahn mit. Die Gruppe will es mit der Aktion nach eigenen Angaben „allen Menschen möglich machen, die Züge kostenlos und ohne Ticket zu nutzen“. Die S-Bahn prüft derzeit den Wahrheitsgehalt des Bekennerschreibens.

Viele Menschen könnten nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben, weil sie sich kein Ticket leisten könnten, heißt es in dem Bekennerschreiben weiter. Durch das Zerstören der Automaten könnten Nutzer ohne Ticket in die Züge steigen und bei einer Kontrolle angeben, an einem der Bahnhöfe ohne funktionierenden Automaten eingestiegen zu sein. Dadurch sei eine Möglichkeit geschaffen worden, kostenlos Bahn zu fahren.

Berlin will Schwarzfahren nicht mehr als Straftat ahnden

Hier irrt die Gruppierung allerdings. "Wir verurteilen die mutwillige Zerstörung unserer Fahrkartenautomaten. In erster Linie erschwert dieser Vandalismus Tausenden Kundinnen und Kunden den Weg ans Fahrtziel. Denn ein zerstörter Automat legitimiert die betroffenen Fahrgäste nicht, mit der S-Bahn gratis ans Ziel zu fahren", sagte eine DB-Sprecherin der Morgenpost.

Fahrgäste können in diesem Fall nur eine Station fahren und müssten dann aussteigen, um sich am nächsten Bahnhof mit funktionstüchtigen Automaten ein Ticket zu kaufen und dieses zu entwerten. Tickets für die S-Bahn können Reisende auch per App kaufen. Alles andere fällt in den Bereich „Erschleichen von Leistungen“ und gilt als Schwarzfahren und damit als Straftat.

Zuletzt gab es in Berlin Bestrebungen, Schwarzfahren nur noch als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Das Land Berlin will sich mit Thüringen im Bundesrat dafür einsetzen. „Es ist schlicht unverhältnismäßig, wenn der Staat Menschen mit dem Strafgesetzbuch zu Leibe rückt, nur weil sie mehrfach ihr Busticket nicht gelöst haben. Eine Ordnungswidrigkeit wäre hier angemessen“, erklärte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) im vergangenen September.