Quarantäne

Coronavirus: „Diamond Princess“-Passagiere zurück in Berlin

Zwei Berliner sind vom Kreuzfahrtschiff heimgeflogen. Für sie gelten andere Regeln als für die Rückkehrer aus China. Wir sagen, warum.

Das Flugzeug nach der Landung auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel.

Das Flugzeug nach der Landung auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Noch gibt es in Berlin keinen einzigen Coronavirus-Fall. Zwar sind auch in Berlin die Arztpraxen deutlich voller als zu anderen Zeiten des Jahres. Das liegt aber an der üblichen Grippewelle. Das Robert-Koch-Institut berichtet für die Region Berlin-Brandenburg von einer mäßig erhöhten Aktivität in den Arztpraxen wegen akuter Atemwegserkrankungen. Gleichwohl bereiten sich Mediziner und Gesundheitsbehörden auf eine Ausbreitung des Coronavirus vor.

Menschen, die aus den stärker gefährdeten Gebieten Asiens zurückkehren, müssen nach wie vor isoliert werden, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das gilt auch für zwei Berliner, die auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ unterwegs waren, das lange vor Japan in Quarantäne lag.

Was passiert mit den Rückkehrern?

Gemeinsam mit vier weiteren Deutschen sind die beiden Berliner am frühen Morgen des Sonnabends auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel gelandet. Der Amtsarzt des Bezirks Reinickendorf nahm die Menschen in Empfang und führte ein medizinisches Screening durch. Dabei wurden weder Krankheitssymptome noch eine Infektion festgestellt. Andernfalls hätte die Charité bereit gestanden, um weitere Untersuchungen zu machen. Krankentransporter des Roten Kreuzes brachten die Menschen, deren Identität geheim gehalten wird, unter Isolierbedingungen zu ihrem Wohnort. Zwei Personen fuhren nach Niedersachsen, zwei nach Nordrhein-Westfalen und zwei blieben in Berlin. Die für den jeweiligen Wohnort zuständigen Amtsärzte haben für alle eine 14-tägige häusliche Isolation angeordnet.

Trotz Rückgang bei Corona-Neuinfektionen keine Entwarnung
Trotz Rückgang bei Corona-Neuinfektionen keine Entwarnung

Warum kommen die Rückkehrer nicht in eine Sammel-Quarantäne?

Nach Auskunft der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung habe die Bundesregierung über den Umgang mit den Rückkehrern vom Kreuzfahrtschiff entschieden. Mit dem Beschluss zur häuslichen Isolierung berufe sich das Gesundheitsministerium auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, dem das Monitoring und die Eindämmung von Infektionskrankheiten in Deutschland obliegt. Das Vorgehen sei mit allen Bundesländern und der Bundesebene abgestimmt. Die zuständigen Berliner Gesundheitsämter seien geübt in der Anordnung und Betreuung der häuslichen Isolation.

Wie läuft Quarantäne zu Hause ab?

Die Menschen sind gehalten, ihre Wohnung nicht zu verlassen. Das Gesundheitsamt ist täglich im Kontakt mit den Betroffenen, um ihren Gesundheitszustand zu beobachten und schnell handeln zu können, falls Symptome auftreten. Die Rückkehrer sollen den Kontakt zu anderen Personen vermeiden, um im Zweifelsfall das Virus nicht weiter zu verbreiten. Das Gesundheitsamt vermittle zum Beispiel, dass Angehörige Einkäufe übernehmen. Die Waren sollen vor der Wohnungstür abgestellt werden, damit es zu keinem direkten Kontakt kommen kann. Das Gesundheitsamt übernimmt es auch, die betroffenen Menschen alle vier Tage auf das Virus zu testen. Wenn nach einer Quarantäne von 14 Tagen die Ergebnisse negativ sind, wird die häusliche Isolation beendet.

Werden die Menschen in Quarantäne beaufsichtigt?

Eine dauernde Bewachung ist nicht vorgesehen. Man setzt auf die Einsicht und die Kooperation der Betroffenen.

Wird häusliche Quarantäne künftig häufiger angeordnet?

In gewisser Weise bereiten sich die Behörden mit der häuslichen Isolation auf den Normalfall vor. Denn sollte sich das Virus auch in Deutschland ausbreiten, dürfte es unmöglich sein, einen solchen Aufwand zu betreiben wie beim Aufbau der temporären Isolierstation im Nebengebäude des DRK-Klinikums Köpenick. Für Experten ist schon lange klar, dass eine größere Anzahl von potenziell Betroffenen nur in ihrer Wohnung in Quarantäne bleiben kann. Bei den 20 Rückkehrern aus der Provinz Hubei habe eine andere Situation bestanden. Anders als die Kreuzfahrt-Touristen hätten einige von ihnen schon lange in China gelebt und deswegen keine eigene Wohnung in Deutschland.

Wie geht es mit den Isolierten in Köpenick weiter?

Die Zeit für die 16 Erwachsenen und vier Kinder in Quarantäne ist abgelaufen. Alle Tests seien negativ verlaufen, so die Berliner Gesundheitsverwaltung. Deswegen sollen die Menschen im Laufe des Sonntags entlassen werden.

Wie ist die Lage andernorts?

n China bleibt die Situation unverändert ernst. Südkorea meldet eine Verdoppelung der Infektionen binnen 24 Stunden. In Italien sind ein 78 Jahre alter Mann in Venetien und eine Frau in der Lombardei an dem Virus gestorben. In Deutschland sind noch zwei der Infizierten aus der Nähe von München im Krankenhaus, alle anderen wurden entlassen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.