Sanierung

Der Bahnhof Zoo bleibt bis 2027 eine Baustelle

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten am Bahnhof Zoo dieses Jahr beendet werden. Jetzt wird es Jahre später - und viel teurer.

Die Bauarbeiten am Bahnhof Zoo verzögern sich weiter.

Die Bauarbeiten am Bahnhof Zoo verzögern sich weiter.

Foto: Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-online/Schoening

Berlin. An einen Bahnhof Zoo ohne Baustelle kann sich mancher Fahrgast wohl schon nicht mehr erinnern. Schon seit Frühjahr 2015 arbeitet die Deutsche Bahn an der Station in der City West. Ein Ende ist dabei längst nicht in Sicht. Ursprünglich sollten die Arbeiten einmal 2020 abgeschlossen sein. Nun verzögert sich die Fertigstellung, nach Angaben des Berliner Bahnbevollmächtigten Alexander Kaczmarek um weitere Jahre. Neuer Fertigstellungstermin: 2027.

Schuld sei unter anderem der Brand im Bahnhof am Silvestertag 2017, sagte Kaczmarek. Doch auch „unglaubliche Überraschungen“ hätten die Arbeiten verzögert. Große Sorgen bereitet den Arbeitern die alte Verkabelung. „Wir haben keine genauen Pläne der Kabel“, sagte Kaczmarek. „Die müssen wir jetzt mühselig neu erstellen.“

Mit der Zeit sind auch die Kosten des Projekts gewachsen. War bislang immer von einem Bauvolumen im zweistelligen Millionenbereich die Rede, liegen die Gesamtausgaben nun bei rund 100 Millionen Euro, teilte die Pressestelle der Bahn mit.

Fernbahnhalle am Bahnhof Zoo soll im Sommer eröffnen

Die Deutsche Bahn arbeitet seit etwa fünf Jahren am Bahnhof Zoo. Ziel war und ist die Sanierung des historischen Bahnhofs samt Umgestaltung des Empfangsgebäudes „für eine zukunftsfähige Nutzung“, wie die Bahn mitteilt. Unter anderem geht es darum, in der Fernbahnhalle mehr Verkaufsflächen zu schaffen.

Bereits im November 2016 konnte die Bahn die verglasten „Zoo-Terassen“ wiedereröffnen. Seitdem befindet sich in der Restaurant-Etage eine Fast-Food-Kette. Gebaut wird aktuell unter anderem an der Fernbahnhalle. Zumindest hier geht es voran: „Im Mai dieses Jahres werden die Flächen zwischen Fernbahn- und Gepäck-Halle wiedereröffnet“, teilte ein Sprecher mit. Reisende könnten sich über erweiterte und neugestaltete Verkehrswege freuen.

Aufzüge an Regionalbahngleis am Bahnhof Zoo außer Betrieb

Probleme haben am Bahnhof Zoo aktuell in ihrer Mobilität eingeschränkte Reisende. Die Aufzüge zu den Regionalbahnsteigen werden derzeit ersetzt. Bis zum Sommer kommen Fahrgäste nicht mehr per Fahrstuhl zu den Regionalbahngleisen 3 und 4. Seit dem dritten Februar betrifft das zum Teil auch den Aufzug zum Bahnsteig der Gleise 1 und 2. Die Bahn empfiehlt betroffenen Reisenden, mit der S-Bahn zu den nächsten Regionalbahnhöfen Charlottenburg und Hauptbahnhof zu fahren und dort einzusteigen.

Bei all den Verzögerungen am Bau hatte der Berliner Bahnchef Kaczmarek was das neue Enddatum betrifft, zumindest einen Lichtblick mitzuteilen: „Die Zahl ist verlässlicher als früher.“

Am Ostbahnhof wird bis 2025 gebaut

Ebenfalls bis zur Mitte des Jahrzehnts müssen sich die Fahrgäste am Ostbahnhof gedulden, bis auch hier die Zeiten als Großbaustelle wieder vorbei sein werden. Die Deutsche Bahn muss die gesamte, mehr als hundert Jahre alte Stahlkonstruktion der Bahnhofshalle sanieren. Seit Frühjahr 2019 laufen die ersten Arbeiten, zunächst wurden die seitlichen Glasscheiben an der Nordseite des Bahnhofs demontiert. Das soll dem Wind weniger Angriffsfläche bieten, denn die Statik der Stahlbögen bereitet der Bahn Sorgen. Käme es zu starkem Wind oder Schneefällen, müsste der Fahrbetrieb im Bahnhof unter Umständen eingestellt werden, hatte die Bahn zuletzt mitgeteilt. Um die Bewegungen des Bauwerks immer im Blick zu haben, hat die Bahn Messfühler an den Trägern installiert. „Wir greifen hier alle 15 Sekunden eine Messung ab“, sagte Steffen Diekmann, Großprojektleiter der DB-Tochter Station und Service, bei einem Baustellenrundgang in der vergangenen Woche.

Um die Standfestigkeit zu erhöhen, baut die Bahn aktuell von der Nordseite 27 Horizontalstützen an den Bahnhof an. „Wir brauchen diese Stützen, um Stabilität zu geben“, sagte Diekmann. Ende März, wenn alle der einbetonierten Träger stehen, soll die Halle so gesichert sein, sodass der Betrieb bei starkem Wind auf keinen Fall mehr eingestellt werden müsse. Dann kann auch an der Verankerung der Dachkonstruktion unterhalb der S-Bahngleise gearbeitet werden.

Schon jetzt wurde der untere Teil der Stahlkonstruktion saniert. Sobald alle der zusätzlichen Träger an den Bau angepresst sind, kann auch die eigentliche Arbeit am Dach des Bahnhofs losgehen. Dafür entsteht unter anderem eine Zwischendecke in der Bahnhofshalle ab Anfang 2022. Bis zum Jahr 2024 wird sie den Anblick im Bahnhofsinnern prägen.

Die Konstruktion schütze Fahrgäste vor Schmutz und mache aus aus Sicherheitsaspekten den durchgehenden Betrieb im Bahnhof erst möglich, so Jan Ebering aus der Regionalbereichsleitung von Station und Service. Es werde nur temporäre Einschränkungen von zehn Tagen für den Aufbau der Zwischendecke geben. In dieser Zeit müssten einzelne Gleise gesperrt werden. „Die Baustelle dauert lange Zeit“, so Ebering, habe aber nur geringe Auswirkungen für die Kunden.