Vandalismus

BVG kämpft mit Spezial-Folie gegen Graffiti auf U-Bahnen

Immer mehr U-Bahnen in Berlin sind mit Graffiti besprüht. Die BVG testet deshalb ein neues Verfahren.

Gegen Graffiti auf U-Bahnwagen kämpft die BVG mit einer neuen Folie. 

Gegen Graffiti auf U-Bahnwagen kämpft die BVG mit einer neuen Folie. 

Foto: Uta Keseling / BM

Berlin. Großflächig prangt das Graffito auf Fenstern, Türen und Seitenwand des U-Bahnwaggons – und auf dem nächsten gleich auch – und dem nächsten schon wieder. Wer häufiger mit der U-Bahn in Berlin unterwegs ist, dürfte sich an den Anblick bunt besprühter Züge mittlerweile gewöhnt haben: Graffiti auf U-Bahnwagen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist nicht mehr die Ausnahme im täglichen Verkehr. Auf den Strecken im Berliner Untergrund ist es längst zur Regel geworden.

Nun probiert die BVG einen neuen Weg, um sich gegen die Schmierereien auf den Zügen zu wehren. Mit einer speziellen Schutzfolie sollen die gelben Wagen gegen die Sprühfarbe geschützt werden. Aktuell werde die Wirksamkeit der Beschichtungen mit Anti-Graffiti-Folien an einem Fahrzeug der neuen IK-Baureihe getestet, teilte die BVG auf Frage des Hauptausschusses des Abgeordnetenhauses mit.

Demnach hätten die Verkehrsbetriebe schon 2016 untersucht, ob Beschichtungen gegen Sprühfarbe wirkten und ihr Einsatz auch wirtschaftlich sei. Jedoch lag der damalige Versuch vor dem „starken Anstieg vandalismusbedingter Fahrzeugausfälle ab 2016“, heißt es weiter.

BVG: 300 U-Bahn-Wagen sind aktuell mit Farbe beschmiert

Auf Anfrage bestätigt die BVG den neuerlichen Versuch gegen die Sprühbilder auf ihren Wagen. „Ja, das stimmt: Ein Zug der Baureihe IK wurde im Dezember 2019 mit einer Anti-Graffiti-Folie ausgestattet“, teilte Pressesprecher Jannes Schwentu mit. Weder zur Art der Folie noch zu anderen Details der Graffiti-Abwehr wollte sich die BVG allerdings weiter äußern. „Sonst stellen sich die Sprayer darauf ein“, so Schwentu. Nur soviel: „Der erste Eindruck ist positiv.“ Allerdings sei der Einsatzzeitraum bisher noch zu kurz, um ein wirklich verlässliches Fazit zu ziehen.

Die BVG leidet seit dem vergangenen Jahr massiv unter den Schmierereien auf ihren Zügen. „Die Schäden sind seit Herbst 2019 auf konstant hohem Niveau“, so Schwentu. Im Durchschnitt würden pro Monat circa 650 Wagen besprüht. Aktuell seien rund 300 U-Bahnwagen mit Farbe beschmiert. Das entspricht knapp einem Viertel der gesamten Berliner Untergrund-Flotte.

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U-Bahnen in Berlin: Ausgefallene Nutzungskilometer wachsen

Das wirkt sich laut BVG immer stärker auf die Leistungsfähigkeit des gesamten U-Bahnbetriebs aus: 2019 sind bei der U-Bahn über 58.000 Nutzzugkilometer aufgrund von Vandalismus ausgefallen, teilt die BVG mit. Zum Vergleich: 2018 waren es insgesamt rund 21.000 ausgefallene Nutzungskilometer, im Jahr 2017 lag der Wert noch bei rund 12.000. „Zugausfälle aufgrund von Graffiti werden zwar nicht separat erfasst, bilden aber den Löwenanteil“, sagt Sprecher Schwentu.

Die beträchtlichen Störungen im Betrieb gehen jedoch nicht allein auf die Zunahme der Schmierereien zurück. Zumindest teilweise sind sie Ausdruck eines anderen Problems: In der U-Bahnflotte gibt es kaum noch freie Kapazitäten. Die BVG fährt massiv auf Verschleiß. Seit Anfang 2018 mussten alleine von der Kleinprofil-Baureihe A3L71 18 Wagen stillgelegt werden oder sind derzeit nicht mehr einsatzbereit.

Von der Serie F79 sind mindestens 58 von 70 Wagen abgestellt. Beide Zugtypen sind Leichtbaureihen aus Aluminium. Nach nunmehr rund 40 Dienstjahren sind viele wegen Rissen und Rost nicht mehr einsetzbar. Anders als früher können die Verkehrsbetriebe ausgefallene Züge heute jedoch kaum noch durch Ersatz auffangen. Ist ein Wagen nicht einsatzbereit, schlägt sich das fast direkt im Betrieb nieder.

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Gerichtstermin für U-Bahnvergabe verschoben

Früher zog die BVG besprühte Züge sofort aus dem Verkehr. Den Sprayern wollte man das Glücksgefühl nehmen, den selbst besprühten Wagen im Netz fahren zu sehen. Doch die U-Bahnen von den Graffiti zu reinigen ist aufwendig und kostet Zeit. Die Wagen müssen dafür aus dem laufenden Betrieb herausgezogen werden und fallen aus. Aktuell können sich die Verkehrsbetriebe das aufgrund des akuten Wagenengpasses nicht erlauben. Stattdessen fahren etliche besprühte Züge im Untergrund.

Neue Züge werden also dringend gebraucht. Doch bis die kommen, dauert es – wohl sogar noch länger als zuletzt gehofft. Im Mai 2019 sollte der Auftrag zum Kauf von 1500 neuen Wagen an den Hersteller Stadler Pankow GmbH erteilt werden. Bis heute ist es dazu nicht gekommen. Nach einer Rüge des im Verfahren unterlegenen Anbieters Alstom liegt die Vergabe derzeit vor dem Berliner Kammergericht.

Nach dem Verlauf des ersten Verhandlungstags stehen die Chancen für die BVG und Stadler wohl gut. Und so sollte die nächste, womöglich letzte Verhandlung am Montag, 17. Februar eigentlich grünes Licht für den Drei-Milliarden-Euro-Deal geben. Das Kammergericht gab am Freitag jedoch bekannt, den Verhandlungstermin um mehr als einen Monat zu verschieben. Nun soll die Anhörung erst am 20. März stattfinden. Die ursprünglich für Ende 2021 geplante Auslieferung der ersten neuen Züge – jeweils zwölf Wagen für die Kleinprofil-Linien U1 bis U4 sowie breitere für die Großprofil-Linien U5 bis U9 – dürfte damit endgültig nicht mehr zu halten sein.

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