Berlin-Mitte

U-Bahnhof Museumsinsel: Richtfest nach acht Jahren

Endlich ist es soweit: Der Rohbau des U-Bahnhofs Museumsinsel in Mitte ist fertiggestellt worden. Die Bauarbeiten waren beschwerlich.

Ein Richtkranz hängt über einen Zugang zum neuen U-Bahnhof Museumsinsel.

Ein Richtkranz hängt über einen Zugang zum neuen U-Bahnhof Museumsinsel.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Zwischen Matsch und Pfützen auf der Großbaustelle am Humboldt Forum sieht es noch wenig nach der schönen Zukunft der historischen Mitte aus. Und doch ist Berlin dieser am Montag ein Stück näher gekommen. Denn im Untergrund direkt vor dem Berliner Schloss hat der U-Bahnhof Museumsinsel auf der neuen Linie U5 Richtfest gefeiert. Der Lückenschluss zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz durch das historische Zentrum rückt damit wieder ein Stück näher.

„Das ist für Berlin ein besonderer Moment“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Der Bezeichnung „Lückenschluss“ sei „die Untertreibung des Jahres“, denn die neue Linie sei verkehrspolitisch von größter Bedeutung. Auf der Strecke würden täglich 150.000 Fahrgäste erwartet, viele Autofahrten im Zentrum wären damit künftig nicht mehr nötig, so Müller. „Das entlastet unsere Stadt und unsere Umwelt.“

Nach acht Jahren Bauzeit steht damit nun die Konstruktion dessen, was die bauleitende BVG Projekt GmbH „Rohbau der Rekorde“ nennt. Nicht zu Unrecht. Der neue U-Bahnhof verläuft unter der Spree, der alten Kommandantur und dem Prachtboulevard Unter den Linden umgeben von Sand und Grundwasser. Um den Bau im nassen Untergrund stabilisieren zu können, musste daher zunächst der Boden weiträumig eingefroren werden.

Mit 105 Meter langen Eislanzen rund um den Bohrtunnel wurde eine 28.000 Kubikmeter große Bodenmasse dauerhaft gefrostet, ein Europarekord im innerstädtischen Bereich. „Oft kamen wir an Grenzen und dachten, ‚Das schaffen wir nicht‘, so Jörg Seegers, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH. Doch die Beteiligten hätten dies stets möglich gemacht. „Ich glaube, eine größere Leistung kann es in Berlin gar nicht geben“, sagte Co-Geschäftsführerin Ute Bonde angesichts der schweren Bedingungen im nassen Grund umgeben von historischen Bauten.

Umso größer ist bei den Planern die Erleichterung, nun mit den gröbsten Arbeiten fertig zu sein. Der Betonrohbau des Bahnhofs und der vier Zugangstreppen – zwei davon vor dem Humboldt Forum, je eine vor der alten Kommandantur und dem Deutschen Historischen Museum – steht. Auch die Gleise in der Röhre sind größtenteils bereits verlegt.

6662 Lichtpunkte schmücken die Decke

Nun geht es an den Innenausbau. Der soll am U-Bahnhof Museumsinsel spektakulär werden. Die Station erhält einen „Sternenhimmel“ als Decke nach dem Entwurf des renommierten Architekten Max Dudler. An den in Ultramarin gefärbten Röhren leuchten dafür 6662 Lichtpunkte auf.

Rundherum wird der Bahnhof mit Granit aus dem Fichtelgebirge verkleidet. Der Entwurf ist angelehnt an das berühmte Bühnenbild Karl Friedrich Schinkels für Mozarts „Zauberflöte“. Schließlich liege genau oben drüber der Schinkelplatz, und ohnehin sei die gesamte historische Mitte durch den preußischen Architekten bestimmt, sagte Dudler.

„Deshalb haben wir ein Thema von Schinkel genommen und zu einer neuen Idee für den Bahnhof transformiert“, erklärte er. Den Wettbewerb für den U-Bahnhof gewann der Architekt 1998. 22 Jahre später ist die Station immer noch nicht fertig. „Das ist schon schwierig“, sagte Dudler. Er freue sich jedoch, dass seine zeitlose Gestaltung auch heute noch wirke. Fahrgäste werden diese wohl im Dezember zum ersten Mal erleben. Die neue U5 soll Ende 2020 den Betrieb aufnehmen, teilte die BVG Projekt GmbH mit. Am U-Bahnhof Museumsinsel werden die Züge dann jedoch noch nicht halten. Dieser werde „im Sommer 2021“ eröffnet, hieß es.

Der U-Bahnhof Museumsinsel ist damit vorerst die letzte Station, die in Berlin ihren Betrieb aufnimmt. Weitere Haltestellen sind bislang nicht geplant. Zwar sind Machbarkeitsstudien für Verlängerungen der U6, U7 und U8 schon fertig. Wie die von Senatorin Regine Günther (Grüne) geführte Verkehrsverwaltung damit umgeht, ist jedoch unklar. Bis März solle die Bewertung abgeschlossen sein, sagte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung. Die Senatorin stehe für eine „nüchterne Betrachtung“ der verschiedenen ÖPNV-Angebote. Wichtig sei, „dass der U-Bahn-Bau die Straßenbahn nicht ausbremsen darf“.