Sprachgebrauch

Polizei Berlin verzichtet auf das Geschlechter-Sternchen

Sprachliche Gleichbehandlung beschäftigt auch die Berliner Polizei. Beamt*innen wird es aber auch künftig nicht geben.

Polizistinnen und Polizisten an der Berliner Polizeiakademie

Polizistinnen und Polizisten an der Berliner Polizeiakademie

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist auch bei der Berliner Polizei ein Thema. Dennoch: „Mitarbeiter*innen“, „Expert_innen“ oder „BeamtInnen“ soll es bei der Behörde auch künftig nicht geben. Denn Gendersternchen, Gendergap und Binnen-I „sind im Fließtext nicht anzuwenden, da die grafische Unterbrechung den Lesefluss hemmt“, heißt es einer internen Mitarbeiterinformation der Berliner Polizei von Anfang Januar.

Stattdessen setze man auf Paarformulierungen wie „Kolleginnen und Kollegen“, „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Bewerberinnen und Bewerber“. Denn sie würden beide Geschlechter „sprachlich sichtbar“ machen. Auch neutrale Formulierungen wie „die Dienstkraft“, „das beratende Mitglied“ oder „die Amtsleitung“, heißt es weiter, „stören den Lesefluss nicht“ und „zeigen Wertschätzung gegenüber allen Menschen unabhängig ihres Geschlechts“.

Im dienstlichen Sprachgebrauch sei man angehalten, eine gendergerechte Sprache anzuwenden. Konkrete Vorgaben macht die Polizei ihren Beschäftigten aber nicht, heißt es weiter. Es wird zu Kreativität aufgerufen, da „gendergerechtes Schreiben auch Spaß machen“ kann. „Angestrebtes Ziel der Veröffentlichung ist, alle Beschäftigten der Polizei Berlin regelmäßig für die Thematik der gendergerechten Sprache zu sensibilisieren und dabei größtmögliche Anwendungssicherheit zu schaffen“, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage.

Geschlechterforscherin übt Kritik an Sprachregelung der Polizei Berlin

Der Geschlechterforscherin Claudia Mahs geht der Ansatz der Berliner Polizei jedoch nicht weit genug. „Es ist schade, dass die Berliner Polizei 2020 in gendergerechter Sprache nicht flexibler ist“, sagt Mahs, Geschäftsführerin des Zentrums für Geschlechterforschung an der Universität Paderborn. Das größte Problem aber sei, dass die Richtlinie nur Männer und Frauen anspreche. „Wir haben offiziell ein drittes Geschlecht, das muss auch in der Sprache berücksichtigt werden“, sagt die Forscherin.

Mahs würde deshalb selbst immer zur Sternchen- oder Unterstrichvariante raten. Ein Mensch, der sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet fühle, könne sich so in den Zeichen wiederfinden. „Sprache ist immer auch eine Handlung“, so Mahs weiter. Daher sei es wichtig, alle Menschen in Texten sichtbar zu machen.

Die Geschlechterforscherin widerspricht der Auffassung der Polizei, dass Sternchen oder Unterstriche den Lesefluss stören. „Meiner Meinung nach kann Sprache unfassbar viel aushalten und ist sehr formbar.“ Insbesondere die Schriftsprache habe sich immer wieder verändert, sagt Mahs mit Verweis auf die Rechtschreibreform von 1996. Sprachliche und kulturelle Veränderungen gebe es häufig. Man müsse sich nur dran gewöhnen.