„Unrealistisch“

Fahrverbot für Verbrenner in Berlin? Das sind die Reaktionen

Verkehrssenatorin Günther will Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2030 aus der Stadt verbannen. Das sorgt für heftige Reaktionen.

Blick durch die Bismarckstraße in Berlin auf die Siegessäule und das Rote Rathaus. Geht es nach Senatorin Günther,sollen hier bald nur noch Elektroautos fahren.

Blick durch die Bismarckstraße in Berlin auf die Siegessäule und das Rote Rathaus. Geht es nach Senatorin Günther,sollen hier bald nur noch Elektroautos fahren.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Wie kann man ein Fahrverbot für Verbrenner raushauen, ohne nur ansatzweise zu wissen, wie sich zukünftig der Innenstadtverkehr einer Multimillionenmetropole entwickeln wird, ohne die Alternativen geprüft zu haben? Warum verunsichert man die Menschen, die Handwerksbetriebe, die Wertschöpfer dieser Stadt, die heute oder morgen vor der Entscheidung stehen, sich einen Verbrenner kaufen zu müssen – und ihn in zehn Jahren auch gerne noch weiterfahren wollen? Wie kann man so wenig sozial daherreden, ohne zu bedenken, wie denn dann alte, behinderte oder einfach ärmere Menschen ohne ihr Auto notwendige Fahrten bewerkstelligen sollen? Sollen die Fahrrad fahren oder sich ein E-Auto kaufen? Und: Ist der ÖPNV bis dahin so ausgebaut, dass er ein taugliches Angebot für die Leute ist? Es riecht mal wieder nach Panikmache und Aktionismus. Klar ist nur: Die Umweltsenatorin wird diese Suppe in zehn Jahren gewiss nicht auslöffeln müssen.
Dr. Peter Traichel

Sicherlich wird die E-Mobilität kommen, jedenfalls vorübergehend, bis die Wasserstofftechnik ausgereift ist. Hat Frau Günther eigentlich an die verunsicherten Autokäufer von Dieseln und Benzinern gedacht, die sich durch solche Aussagen jetzt noch stärker verunsichert fühlen beim Neuwagenkauf? Die meisten fahren so einen Neuwagen fünf bis sieben Jahre, der dann gar nichts mehr wert ist. Aber das macht ja nichts, diese Autos werden dann nach Polen, Tschechien, Bulgarien und Rumänien verkauft, da kann man ruhig die Luft verpesten. Hauptsache die „Insel“ Berlin ist dann sauber. Ganz zu schweigen von der kompletten Wirtschaft, die davon abhängig ist, und der noch fehlenden Infrastruktur wie etwa das zu schwach und veraltete Berliner Stromnetz und die fehlenden Ladesäulen.
Andreas Sommerfeldt


Ab 2030 Fahrverbot innerhalb des S-Bahnrings für Autos mit Verbrennungsmotor, was denkt sich Frau Günther (Grüne) dabei? Am S-Bahnring gibt es keinerlei Parkplätze und wird es auch in Zukunft nicht geben. Ab 2035 soll dann dieses Verbot für ganz Berlin gelten. Also, bitte sofort mit dem U-Bahn-Bau loslegen. Wer in Spandau wohnt, benötigt auch nach 2035 ein Auto. Auch die momentanen Ideen sind nicht optimal. Der Knotenpunkt Rathaus Spandau ist bezüglich ÖPNV schon jetzt am Limit. Die Einwohnerzahl von Spandau wächst weiter. Bezüglich S- bzw. U-Bahn passiert aber nichts. Wer aus Kladow kommend wochentags um 6 Uhr in Tempelhof sein muss, darf mit dem Nachtbus losfahren. Am Wochenende ist es frühmorgens noch schlimmer. Also nimmt man das Auto. Auch Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudien sind bei derartigen Philosophien überflüssig.
Detlef Herrmann


Frau Günther hat also jetzt zum ganzen großen Wurf ausgeholt. Bis 2030 innerhalb des S-Bahnringes und ab 2035 in der ganzen Stadt nur noch Hybrid/E-Autos/E-Roller und Fahrräder! Ach stimmt der, super ausgebaute Öffentliche Nahverkehr kann ja von allen genutzt werden. Die Autos der Senatoren – emissionsfrei – werden natürlich von betreuendem Personal an extra zur Verfügung stehenden E-Säulen zeitnah für die Damen und Herren geladen! Wie und wo das dann in Zukunft der Rest der Bevölkerung erledigen soll, ist vollkommen unklar. Allerdings habe ich auch nicht die Hoffnung, dass dieser Senat sich gegen diese Vorschläge ausspricht.
Frank Paschkowsky


Die Umweltsenatorin Frau Günther bereitet mir fast täglich viel Freude, denn es gibt ja nicht mehr viel zum Lachen. Ab 2030 sollen keine Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb im S- Bahnring mehr fahren dürfen. Ab 2035 gilt für ganz Berlin Fahrverbot für diese Autos. Nur Frau Günther darf noch fahren, weil ihr Dienstwagen ihr Büro ist (ihre Aussage). Künftig werden die Dienstwagen ohne Emission fahren, das kostet wieder sehr viel Steuergelder, die der Autofahrer bezahlt. Wegen der geplanten Fahrverbote hat es den Anschein, dass es sich auch nicht mehr lohnt, die Straßen zu reparieren. Ich habe da noch eine Idee, die geplanten Poller sollten gleichzeitig zum Aufladen von E-Autos ausgestattet werden. Meine nächste Ladestation ist 2 km weg, ein Kurzstrecken-Ticket reicht nicht, weil ich umsteigen müsste. Ich freue mich schon auf die nächste Idee von Frau Günther, die Autofahrer zu diskriminieren.
W. Kunzendorf


Unsere volle Zustimmung haben Sie, Frau Günter, aber dann bitte schön auch ein Verbot für den Betrieb von Kaminöfen. Jedem muss nun bewusst sein, dass die Feinstaubbelastung, selbst bei fachgerechtem Betrieb moderner Kaminöfen, in Deutschland die Gleiche ist wie die Emission aller Dieselautos. Dazu kommt, dass das zum großen Teil aus Osteuropa stammende Kaminholz zu einem erheblichen Teil aus illegalem Holzeinschlag in Naturschutzgebieten der Ukraine importiert wird. Der Betrieb von Kaminöfen ist ein ökologischer Wahnsinn. Wir fahren seit zwei Jahren voll elektrisch, und unser Kamin wird schon seit 20 Jahren nicht mehr benutzt. Unser Auto bremst zu 90 Prozent durch Rekuperation, also fast ohne Feinstaubemission.
Dipl.-Ing. Hans-Joachim Meyer


Wieder eine Vorlage der grünen Verbotspartei. Statt mit vernünftigen Maßnahmen den Bürger mitzunehmen und von den notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz zu überzeugen, wird mit Verboten gehandelt. Sicherlich ist der entsprechende Strafkatalog auch schon erarbeitet. Dienstwagen sollen auch sauberer werden, bezahlt ja der Bürger mit seinen Abgaben. Ich schlage vor, die Dienstwagen komplett abzuschaffen, der öffentliche Nahverkehr kann auch von Senatoren benutzt werden. Eine direkte Rückmeldung vom Bürger zu den Maßnahmen gibt es kostenlos. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.
Ralf Seebold


Wie bitte um alles in der Welt schafft ein einzelner Mensch, und das in sehr regelmäßigen Abständen, so viel Unausgegorenes zu verbreiten? Als Umweltsenatoren darf doch ein Minimum an Intelligenz zu erwarten sein. Die aktuelle Botschaft, Verbrennungsmotoren ab 2030 in Berlin mit einem Fahrverbot zu belegen, kann als Reaktion nur noch ein nicht bedauerndes Lächeln zur Folge haben. Das einzig Versöhnliche an diesen Hiobsbotschaften bleibt sicherlich die Tatsache, dass Frau Günther das Jahr 2030 nicht mehr als Umweltsenatorin erleben wird, denn es gibt ja vorher noch demokratische Wahlen, die dieser Ökodiktatur und diesem Treiben Einzelner u. a. auch dem von Herrn Schmidt ein Ende in der Hauptstadt setzen wird.
B.-M. Knuth


Nun, viele Vorschläge von Frau Günther sind ja durchaus zu unterstützen, aber bei diesem zeitlichen Horizont in der Umsetzbarkeit doch eher unrealistisch und auch unsozial. Die elektromobile Stadt mit E-Autos wird sehr wahrscheinlich kommen, aber nicht in zehn Jahren. Im Übrigen machen hier die zurzeit am häufigsten vertretenen großen E-Autos auch wenig Sinn. Kleine und in letzter Konsequenz selbstfahrende E-Autos wären viel sinnvoller. Ich finde, dass Frau Günther zu ideologiegetrieben und dogmatisch agiert. Das Hier und Jetzt verliert sie völlig aus den Augen. Das Durchschnittsalter der Autos in Deutschland beträgt 9,4 Jahre (!). Das sagt eigentlich schon alles. Es trifft wieder mal die Bürger, die täglich zur Arbeit fahren müssen. Pragmatische und bürgernahe Politik muss bessere Maßnahmen aufzeigen als immer nur Verbote.
Wolfgang Weise


Sehr gute Idee, die Elektromobilität zu fördern. Geht aber nur, wenn man die Anzahl der Ladestationen erheblich erhöht. Also an jede Straßenlaterne acht neue Steckdosen! Wenn nicht, werden nur die Wohlhabenden bevorzugt, die ein eigenes Haus haben und sich eine private Steckdose legen können. Mieter in Mehrfamilienhäusern, Seitenflügeln und Hinterhäusern können dann ihr Fahrzeug nirgends aufladen.
Gerald Gruner



Die Grünen in Berlin entfernen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit der meisten Berliner, ihre Arroganz wird immer unerträglicher. Dann dürfen also künftig in Berlin nur noch Fahrrad-Junkies und reiche Leute (wie z.B. Senatorin Günther), die sich einen teuren Elektro-Wagen leisten können, wohnen. Gentrifizierung der grünen Art, die völlig ignoriert, dass viele Familien und auch älteres Leute und Behinderte zur Aufrechterhaltung ihrer Selbstständigkeit auf ein Auto angewiesen sind. Was sollen die Pendler machen, die ein Auto brauchen, um die nächste Bahnstation zu erreichen, dort aber keinen Parkplatz finden? Grünen-Chef Habeck beweist wieder einmal seine Inkompetenz, wenn er schwadroniert, dass man in Berlin kein Auto bräuchte, da war er wohl noch nie in dem großen Teil Berlins, der außerhalb des S-Bahn-Ringes liegt. Sollen sie alle Taxi fahren? Aber wie viele der 6000 Berliner Taxi-Unternehmer können sich ein großes Elektro-Auto leisten oder Kleinunternehmer im Bereich des Transportwesens? Es bleibt zu hoffen, dass die Mehrheit der Berliner endlich begreift, dass Berlin auf dem Weg in eine links-grüne Diktatur ist und dies mit dem Stimmzettel verhindert.
Dr. Dieter Carl


So löblich alle Bemühungen zum Wohle unserer Umwelt sind, darf nicht ständig der zweite Schritt vor dem ersten gemacht werden. Sollen ab 2030 die Paketboten, Handwerker usw. in der City mit Lastenfahrrädern unterwegs sein? Denn wenn alle Firmen und Autofahrer sich bis dahin Elektroautos anschaffen würden, bliebe zu wenig Strom für die Haushalte übrig. Die abgeschalteten Kraftwerke dürfen keinen mehr liefern, und die Windenergie kann den Ausfall nicht ersetzen, weil wegen laufender Proteste der erzeugte Strom nicht weitergeleitet werden kann, frei nach dem Motto: „Keine Oberleitung in meiner Sichtweite, mein Strom kommt ja aus der Steckdose”. Wie alles müssen auch die Bemühungen um unsere Umwelt langsam und vernünftig wachsen, um gedeihen zu können. Niemand will kalt und im Dunkeln sitzen, nur damit Autofahrer ihre Batterien aufladen können. Erst wenn genug Windkraftwerke arbeiten und ihr Strom auch beim Verbraucher ankommt, können wir über mehr Elektroautos nachdenken. Das ist der Preis, den wir für die abgeschalteten Kraftwerke zahlen müssen, die wir ja nicht mehr wollten ...
Bernhard Bergmann