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Gräbt Tesla Brandenburg das Wasser ab?

Der Verband warnt vor Problemen bei der Ver- und Entsorgung. Landesregierung gibt sich zuversichtlich. Autobauer eröffnet Dialog-Büro.

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin.

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin.

Foto: dpa

Strausberg. Nachdem seit Anfang des Monats die Baupläne für das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide ausliegen, häufen sich kritische Stimmen gegen das Vorhaben des US-amerikanischen Elektroauto-Bauers. Das Land Brandenburg aber hofft nach der Warnung des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) vor Trinkwasserproblemen wegen der sogenannten Giga-Factory weiter auf eine Lösung. „Die Landesregierung ist optimistisch, dass sich die jetzt aufgeworfenen Bedenken des WSE ausräumen lassen“, erklärte Regierungssprecher Florian Engels am Freitag. Das Landesamt für Umwelt sei im Kontakt mit dem Verband. Der Wasserverband hatte vor einer Gefährdung der öffentliche Trinkwasserversorgung gewarnt.

Wasserverband fühlt sich von Landesregierung ignoriert

Tesla will in der Fabrik bis zu 500.000 Fahrzeuge der Typen Model 3 und Y sowie künftiger Modelle pro Jahr bauen, zunächst etwa 150.000 Fahrzeuge pro Jahr. Der Vorstand hat den Kaufvertrag mit dem Land bislang noch nicht unterschrieben. Nach Angaben der Brandenburger Landesregierung soll das in Kürze jedoch geschehen.

Laut dem öffentlichen Bericht zur Umweltverträglichkeit benötigt die Tesla-Fabrik 372 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Das entspricht 372.000 Litern. Jeder Brandenburger Einwohner verbrauchte 2016 im Durchschnitt etwa 111 Liter Wasser pro Tag. Im vergangenen Jahr hatte der Verband angesichts der Trockenheit zum sparsamen Umgang mit dem Nass aufgerufen. Während Niederschläge fehlten, war der Trinkwasserbedarf gestiegen. An Abwasser fallen demnach 252 Kubikmeter in der Stunde an. Für dessen Reinigung sollen die Klärwerke des WSE sowie eine fabrikeigene Anlage genutzt werden. Allerdings braucht Tesla dafür eine spezielle Genehmigung, weil die Fabrik teilweise in einer Wasserschutzzone liegt. Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) muss die Untere Wasserbehörde über die Einleitung von Abwasser ins Klärwerk von Münchehofe entscheiden. Dazu kommt die Prüfung einer Ausnahmegenehmigung wegen der Schutzzone.

Auch die Freien Wähler halten die Versorgung mit Trinkwasser aus der Umgebung nicht für gesichert. Es sei mehr als fraglich, ob unter Beachtung des Gewässerschutzes der Trinkwasserbedarf der Tesla-Fabrik vor Ort gedeckt werden könne, sagte der Landtagsabgeordneter Philip Zeschmann. Er schlägt vor: „Die nahe gelegenen Förderanlagen in den Trinkwasserschutzgebieten am Müggelsee haben hingegen noch ungenutzte Förderkapazitäten, die hierfür wahrscheinlich ausreichen würden.“

Der WSE schreibt in einer Mitteilung von Donnerstag, man habe alle Beteiligten von Beginn an auf umfangreiche und schwerwiegende Probleme hingewiesen. Außerdem liege das Baugebiet in einer Trinkwasserschutzzone, „die sich nicht ohne Grund an dieser Stelle befindet“. Weiter heißt es in der Mitteilung: „Gegenwärtig kann weder die Trinkwasserversorgung noch die Schmutzwasserentsorgung in dem von Tesla gewünschten Zeitrahmen gewährleistet werden.“ Die Einwände würden von den zuständigen Landesbehörden nicht ernst genommen. Die Landesregierung habe zudem fälschlich behauptet, in der ersten Ausbauphase spielten die Wasserprobleme keine Rolle.

Tesla bemüht sich indes um den Dialog mit den Bürgern. Am Donnerstag eröffnete der Autobauer ein Informationsbüro in Grünheide. Bis zum 4. Februar wollen dort Mitarbeiter Fragen beantworten. Das Angebot sei sofort genutzt worden, von Befürwortern wie von Skeptikern, sagte Bürgermeister Arne Christiani (parteilos).

Weitere Kritik kommt vom Verkehrsclub Deutschland (VDC), der sich für mehr Umweltschutz einsetzt und befürchtet, die Fabrik werde für deutlich mehr Verkehr in der Region sorgen. Wenn er nicht verlagert werde, könnten es rund 8500 zusätzliche Pkw-Fahrten pro Tag sowie mehr Güterverkehr sein, so der VCD. Er fordert häufigere Fahrten beim Regionalexpress 1, einen Ausbau des Radnetzes und alternative Wege für den Gütertransport auf der Schiene wie etwa die Reaktivierung der Strecke von Leipzig nach Posen statt der Strecke Berlin – Frankfurt (Oder).

Neue Mitarbeiter sollen Polnischkenntnisse mitbringen

Nach einem Bericht von ntv.de steht nun auch infrage, wie sehr die Region von den mehreren tausend neuen Arbeitsplätzen profitieren wird. Offenbar plant das Unternehmen, auch Mitarbeiter aus Polen anzuwerben. So werden laut ntv.de mit Stellenanzeigen Mitarbeiter mit fließenden Deutsch-, Englisch- und Polnischkenntnissen gesucht.

Am vergangenen Wochenende hatte es eine Demonstration gegen die Ansiedlung auf einem Waldstück bei Grünheide gegeben. Auch für den heutigen Sonnabend ist ein Protest geplant. nej/dpa