Stadtentwicklung

Die Großbaustellen der Hauptstadt: So verändert sich Berlin

Humboldt Forum, BER, Steglitzer Kreisel: Berliner verändert sich. Was soll wann fertig werden – und zu welchen Kosten? Ein Überblick.

Blick auf das Humboldt Forum und den Berliner Dom.

Blick auf das Humboldt Forum und den Berliner Dom.

Foto: imago stock / imago images/Christian Thiel

Sieht man einmal vom Dauerthema BER und vom Humboldt Forum ab, so wurde im Jahr 2019 wohl über kein Berliner Bauprojekt so ausdauernd diskutiert wie über das Museum des 20. Jahrhunderts, das am Kulturforum neben der Neuen Nationalgalerie entstehen und neben den Sammlungsbeständen der Nationalgalerie auch die Schenkungen bedeutender Stifter präsentieren soll. Die Kosten für das Gebäude, das dem städtebaulichen Problemkind Kulturforum mehr Aufenthaltsqualität verleihen soll, wurden im vergangenen Jahr auf nun 364 Millionen Euro nach oben korrigiert, der Spatenstich erfolgte am 3. Dezember. „In diesem Jahr wird es verschiedene bauvorbereitende Maßnahmen am Kulturforum geben. Das sind zum Beispiel Bodenuntersuchungen, auch müssen Leitungen verlegt werden, und es gibt weitere vorbereitende Infrastrukturmaßnahmen“, sagt Stefanie Heinlein, Sprecherin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Eröffnung des Museums wird wohl nicht vor 2026 erfolgen.

Dafür ist für die angrenzende Neue Nationalgalerie, die seit Ende 2014 saniert wird, bereits für Ende des Jahres die Schlüsselübergabe geplant. Der eindrucksvolle Bau Mies van der Rohes aus dem Jahr 1968 wird wieder zum Anziehungspunkt für Kunstfreunde werden. Nach Jahren der Sanierung wird auch die Staatsbibliothek Unter den Linden wieder für den Besucherverkehr zugänglich sein. Und schließlich eröffnet im Herbst auch das wohl ambitionierte (und sicher teuerste) deutsche Kulturbauprojekt der Nachkriegszeit: das Humboldt Forum im rekonstruierten Stadtschloss in Berlins historischer Mitte.

Wir haben hier Bauprojekte versammelt, die in diesem Jahr entweder fertiggestellt oder entscheidend vorangetrieben werden – darunter auch ein privates Vorhaben wie der markante
„Cube Berlin“ am Hauptbahnhof, der mit seiner gefalteten Glasfassade einen ersten Blickfang für Besucher der Hauptstadt bietet.

Großflughafen BER: Das Ende einer langen Leidensgeschichte

Seit 2006 wird er gebaut, die groß angesetzte Eröffnung am 3. Juni 2012 scheiterte wenige Wochen vor dem Termin. Nun soll die lange Leidensgeschichte endlich ein Ende haben, genauer: Am 31. Oktober 2020. Doch das ursprüngliche BER-Terminal ist inzwischen zu klein. Es war für 27 Millionen Fluggäste im Jahr ausgelegt, doch in den Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden 2019 zusammen bereits knapp
36 Millionen Passagiere abgefertigt. Deshalb wurde neben dem Hauptterminal Terminal 2 (T2) errichtet. Ob es auch zur Eröffnung fertig wird, war bis Ende vergangenen Jahres umstritten. Die Gesamtkosten belaufen sich nun auf 6,5 Milliarden Euro. Wird der BER tatsächlich wie geplant am 31. Oktober eröffnet, muss der Flughafen Tegel (TXL) schließen. Das alte Terminal in Schönefeld (SXF) wird jedoch noch für einige Jahre weiter in Betrieb bleiben, bis am BER weitere zusätzliche Kapazitäten geschaffen sind. In Planung ist dort bereits Terminal 3, wo jährlich bis zu zwölf Millionen Fluggäste abgefertigt werden sollen.

Staatsbibliothek Unter den Linden: Leser sind willkommen

Seit 2005 und damit 14 Jahre lang wurde das monumentale Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden saniert und erweitert. Das Projekt wurde zwar bereits Ende 2019 abgeschlossen. Doch der Termin der Wiedereröffnung steht noch nicht fest. „Frühjahr 2020 ist aber gewiss“, versichert Jeanette Lamble, Sprecherin der Staatsbibliothek zu Berlin. Denn bis zur Eröffnung müssen nun die neuen Leseräume eingeräumt werden – die Staatsbibliothek hat etwa 12 Millionen Bücher in ihren Regalen und Depots. Dafür musste das Haus Ende 2019 komplett geschlossen werden, bevor es dann im Frühjahr wieder komplett genutzt werden kann. Die Arbeiten auf dem gut 100.000 Quadratmeter umfassenden Komplex sollten ursprünglich bereits 2012 fertiggestellt sein. Im Laufe der Tätigkeiten hatte sich aber gezeigt, dass die kriegsbeschädigte und zu DDR-Zeiten umgebaute Forschungsbibliothek weit sanierungsbedürftiger war als ursprünglich gedacht. In der Folge stiegen auch die Kosten auf rund 470 Millionen Euro.

U5: Nach Lückenschluss geht die Linie zum Jahresende in Betrieb

2,2 Kilometer lang ist die Lücke im U-Bahn-Netz, die Ende dieses Jahres endlich geschlossen wird. Dann soll die U5 aus Hönow kommend über den Alexanderplatz hinaus zum Hauptbahnhof fahren. Einen konkreten Termin für die Eröffnung gibt es aber laut Auskunft von Stephanie Niehoff, Sprecherin der Projektrealisierungs GmbH U5, noch nicht. Die „Kanzler-U-Bahn“, mit deren Bau 2011 begonnen wurde, ist zum Jahresende allerdings noch nicht gänzlich fertig. Der Bahnhof „Museumsinsel“ wird zunächst nicht angefahren, weil er voraussichtlich erst im Sommer 2021 in Betrieb gehen kann. Grund für die Verzögerung seien bautechnische Schwierigkeiten aufgrund der Lage des Bahnhofs unter dem Spreekanal gewesen, erläutert Niehoff. Ursprünglich war die Fertigstellung der Strecke bereits für 2019 angekündigt. Dass der zwischenzeitlich um 92 Millionen auf 525 Millionen Euro erhöhte Kostenrahmen eingehalten werden kann, davon sei auszugehen, sagte Nienhoff.

Neue Nationalgalerie: Schlüsselübergabe Ende 2020

Seit Ende 2014 ist die Neue Nationalgalerie am Kulturforum für den Publikumsverkehr geschlossen, seit 2016 ist sie Großbaustelle. Die Ikone der Moderne des Architekten Ludwig Mies van der Rohe, 1968 eröffnet, wird nach den Plänen des Büros David Chipperfield denkmalgerecht saniert und unterhalb der Terrasse mit einem Neubau für moderne Technik-, Depot- und Lagerflächen auf rund 900 Quadratmeter erweitert. Die Baukosten in Höhe von rund 110 Millionen Euro liegen im Kostenrahmen. Die Schlüsselübergabe für das rundum erneuerte Gebäude soll nach Auskunft des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Ende 2020 erfolgen.

Bald schon wird das Ausstellungsgebäude wieder zur Baustelle werden – allerdings nur im Untergeschoss. Denn dann soll ein Tunnel errichtet werden, der die Neue Nationalgalerie in einigen Jahren mit dem geplanten Museum der Moderne verbindet, für das der Spatenstich Ende vergangenen Jahres stattfand.

Cube Berlin: „Das intelligenteste Gebäude Europas“

In Berlin bauen nicht nur Bund und Land, sondern vor allem auch private Unternehmen. So entsteht mit dem Bürogebäude „Cube Berlin“ seit 2017 auf dem Washingtonplatz direkt am Hauptbahnhof das angeblich schlaueste Gebäude Europas. So jedenfalls hat es der Projektentwickler, die CA Immo, bezeichnet. „Mit dem Cube haben wir ein sogenanntes Smart Commercial Building errichtet, ein Bürogebäude, das durch eine Vielzahl von Sensoren sowohl die Nutzung durch den Mieter als auch den Betrieb des Gebäudes vereinfacht, optimiert und effizienter gestaltet“, so Markus Diekow, Sprecher von CA Immo Deutschland. Die CA Immo hat das Gebäude bereits vor seiner Fertigstellung an den Investor Nuveen Real Estate, einen großen institutionellen Fondsmanager, veräußert – über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, sagte Diekow. Und verrät immerhin das Investitionsvolumen: Rund 100 Millionen Euro. Die offizielle Eröffnung wird am 18. Februar gefeiert.

Der Steglitzer Kreisel bekommt wieder eine Fassade

Auch beim Steglitzer Kreisel geht es voran. Das Bürohochhaus aus den 1970er-Jahren, in dem bis 2007 das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf untergebracht war, wird seit Juli 2017 zum Wohngebäude umgebaut, Ende 2021 soll dann alles fertig sein. 90 Millionen Euro investiert der Projektentwickler, die CG-Gruppe, in den Umbau des 120-Meter-Turms, der nach Abschluss der Arbeiten Platz für 330 Eigentumswohnungen mit Größen von 30 bis zu 320 Quadratmetern bieten soll. Das einstmals asbestbelastete Gebäude ist inzwischen bis auf das Stahlskelett zurückgebaut. Der große Meilenstein dieses Jahres werde deshalb die Anbringung der neuen Fassade sein, informiert Martina Servene, Sprecherin der CG-Gruppe. Das Gerüst für die Fassade werde voraussichtlich bis Ende Januar fertiggestellt, so die Sprecherin. Ungefähr 18 Monate werde es dauern, bis die Fassade vollständig fertig sei. Parallel erfolge der Innenausbau. Die ersten Mieter könnten dann Anfang 2022 einziehen.

Humboldt Forum: Eröffnung in Etappen ab dem Herbst geplant

Eigentlich sollte das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Schloss bereits etappenweise ab dem 14. September 2019 eröffnen, zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts. Doch daraus wurde nichts, Schwierigkeiten mit der Technik und dem Brandschutz verhinderten die Eröffnung. Ein konkretes Eröffnungsdatum gibt es nach Auskunft von Bernhard Wolter, Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, noch nicht. „Im Herbst werden wir das Humboldt Forum stufenweise eröffnen“, sagte Wolter. Allerdings kann auch dieser erste Eröffnungsschritt nur dann erfolgen, wenn die Aufsichtsbehörden im August eine Betriebsgenehmigung erteilen.

Immerhin: Einen Baufortschritt wird es in diesem Jahr auf jeden Fall zu feiern geben. Um Ostern herum oder spätestens Anfang Mai wird die Schlosskuppel fertig sein, versprach Wolter. Und zwar samt vergoldetem Kuppelkreuz, um das es 2018 heftige Kontroversen gegeben hatte. Durch die Verzögerung beim Bau des Humboldt Forums sind nach Angaben einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums für den Haushaltsausschuss des Bundestages die Kosten für das rekon-struierte Berliner Schloss um knapp 50 Millionen Euro gestiegen. Die Gesamtsumme für das größte Kulturbauvorhaben der Republik seit der Wiedervereinigung ist damit auf 644,2 Millionen Euro angewachsen. Die vom Bundestag eingezogene Kostenobergrenze hatte zuletzt bei 595 Millionen Euro gelegen.

Im dem 40.000 Quadratmeter umfassenden Kultur- und Ausstellungszentrum wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Museen die meisten Flächen bespielen, auch das Land Berlin und die Humboldt-Universität ziehen mit Ausstellungen in das Forum.