Immobilien

Zu wenige kleine Wohnungen: Finanzsenator lässt jetzt bauen

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) will über die landeseigene Gesellschaft Berlinovo 2000 Einheiten pro Jahr errichten lassen.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hat angekündigt, die Bautätigkeit der landeseigenen Berlinovo massiv auszuweiten.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hat angekündigt, die Bautätigkeit der landeseigenen Berlinovo massiv auszuweiten.

Foto: Berlinovo/Jörg Krauthöfer/BM Montage

Berlin. 
  • In Berlin gibt es zu wenige Wohnungen für Studenten und Ältere
  • Finanzsenator Matthias Kollatz will die Bautätigkeit der Berlinovo massiv ausweiten.
  • Neubauvolumen von 150 Millionen Euro jährlich angekündigt - Das wären etwa 2000 Kleinwohnungen pro Jahr.

Ein bisher wenig beachteter öffentlicher Akteur soll den Neubau von Wohnungen in Berlin voranbringen. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hat angekündigt, die Bautätigkeit der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo massiv auszuweiten. Die Firma war ursprünglich als Auffanggesellschaft für die Objekte der ehemaligen Bankgesellschaft Berlin (BGB) gegründet worden. Die Bank wäre 2001 mit riskanten Immobiliengeschäften fast bankrott gegangen und konnte nur mit erheblicher Hilfe des Landes gerettet werden.

Jetzt sind die Altlasten verarbeitet. „Der nächste Schritt ist, die Berlinovo aktiver im Neubau zu machen“, sagte Kollatz im Interview mit der Berliner Morgenpost. Da sei schon einiges passiert. „Aber es muss deutlich mehr werden, vor allem Studentenwohnungen und Wohnungen für ältere Menschen“, sagte der Senator. Diese würden in Berlin besonders gesucht. Deshalb werde die Berlinovo ihr Neubauvolumen „zeitnah“ auf 150 Millionen Euro jährlich anheben, kündigte Kollatz an. „Das wären etwa 2000 Kleinwohnungen pro Jahr.“

Berlinovo baut schon seit einiger Zeit Studentenwohnheime

Mit einer solchen Offensive verfolgt der Finanzsenator auch eine politische Agenda. Er will zeigen, dass unter seiner Regie als Aufsichtsratsvorsitzender eines Landesunternehmens schnell und viel gebaut werden kann. Damit setzt er auch ein Zeichen gegen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Die von ihr kontrollierten sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften werden die Neubau-Vorgaben der Koalition verfehlen. Rot-Rot-Grün wollte über fünf Jahre je 6000 öffentliche Wohnungen neu bauen. Zuletzt schafften die Gesellschaften etwas mehr als 3000, haben aber mehr Projekte in Planung oder im Bau.

Die Berlinovo baut schon seit einiger Zeit Studentenwohnheime in der Stadt. Im Dezember übergab die Tochtergesellschaft BGG die Schlüssel für 101 Apartments an der Friedenhorster Straße in Lichtenberg. An der Prenzlauer Promenade ist der erste Spatenstich erfolgt.

Inzwischen hat die Berlinovo nach Angaben von Geschäftsführer Alf Aleithe 600 Einheiten in kostengünstiger Bauweise aus Modulen aus Holz und Beton errichtet. Bis Ende 2022 will das Unternehmen 3850 Studentenwohnungen erstellen. Auch beim Bau von Flüchtlingsunterkünften ist die Berlinovo aktiv, hat in nur elf Monaten ein Haus für Geflüchtete an der Seehausener Straße in Lichtenberg fertig gestellt.

Das Unternehmen will aber auch eine andere Nische besetzen, für die es in Berlin einen riesigen Bedarf gibt. Schon bei der Eröffnung des Hauses in Lichtenberg war Polizeipräsidentin Barbara Slowik anwesend. Denn sie kann hier Polizeianwärtern eine günstige Bleibe anbieten. Eine eigene Wohnung ist in Zeiten des Fachkräftemangels inzwischen ein wesentliches Argument für Behörden und öffentliche Unternehmen, um Nachwuchs zu werben. Weitere Objekte für angehende Polizeibeamte sind in Planung.

250 Millionen Euro für Großwohnanlage in Kaulsdorf-Nord

Für dieses Geschäft setzen die Berlinovo und der Finanzsenator auf die Kooperation mit Landesbetrieben. Mit dem kommunalen Krankenhauskonzern Vivantes sind Seniorenwohnungen und Pflegeheime in Planung. In Kaulsdorf-Nord soll eine Großwohnanlage entstehen, allein hier will man 250 Millionen Euro investieren. Und auch ein Wohnhaus für Minderjährige und junge Erwachsene an der Wuhlheide gehört ins Portfolio, das die frühere Problem-Firma mit den Bankgesellschafts-Altlasten stemmen kann. Nach den Verkäufen zahlreicher früherer Bankgesellschafts-Immobilen hat die Berlinovo genug Geld, um ohne öffentliche Zuschüsse auszukommen. Das Eigenkapital liegt bei fast 1,9 Milliarden Euro.

Ambitioniert ist ein Vorhaben in Friedrichshain, wo die Bäderbetriebe die marode Schwimmhalle aus DDR-Zeiten an der Holzmarktstraße abreißen müssen. Auf der geplanten neuen Halle sollen Apartments entstehen, es geht um eine 100-Millionen-Euro-Investition. „Das wird ein Leuchtturmprojekt für Berlin“, sagte Berlinovo-Sprecher Ulrich Kaliner.

Mehr zum Thema:

Finanzsenator Kollatz: „Wir müssen mehr für den Neubau tun“