Bezirke-Überblick

Wo die meisten Anträge auf Schulwechsel gestellt wurden

Viele Eltern sind mit der zugewiesenen Bildungseinrichtung unzufrieden. Anträge sind oft erfolgreich, Klagen aber nur in wenigen Fällen

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

  • Berliner Eltern stellten im vergangenen Jahr für ihre Kinder 12.100 Anträge für einen Schul-Wechsel.
  • Eine große Anzahl der Anträge ist erfolgreich, insgesamt wurden knapp 7400 Wechselwünsche bewilligt.
  • Die meisten Anträge wurden von Eltern in Pankow (1677) und Mitte (1567) gestellt.

Berlin. Tausende Berliner Eltern wollen, dass ihre Kinder eine andere Grundschule besuchen, als die, die ihnen entsprechend des Einzugsgebiets zugewiesen wurde. Für das laufende Schuljahr gab es in elf Bezirken insgesamt rund 12.100 Anträge darauf, dass ein Kind in einer anderen Grundschule aufgenommen wird.

Das geht aus der Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz hervor. Die Zahl der Anträge ist damit etwas größer als im Schuljahr zuvor, als es in den elf Bezirken rund 11.600 waren. Als einziger Bezirk hat Treptow-Köpenick keine Zahlen gemeldet.

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Die meisten Anträge wurden von Eltern in Pankow (1677) und Mitte (1567) gestellt. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf gab es jeweils mehr als 1200 Wechselwünsche. Die wenigsten Anträge wurden in Spandau (526) und Marzahn-Hellersdorf (541) registriert.

Für alle Bezirke lässt sich aber festhalten: Eine große Anzahl der Anträge ist erfolgreich, insgesamt wurden knapp 7400 Wechselwünsche bewilligt. Das entspricht einem Anteil von knapp zwei Dritteln.

Für alle elf Bezirke liegt die Summe der erfolgreichen Klagen bei zwölf

Die Schulämter, sagt Burkert-Eulitz, seien ihrer Erfahrung nach sehr entgegenkommend und würden versuchen, viel möglich zu machen. Bei den enger werdenden Kapazitäten an den Schulen hätten die Möglichkeiten aber Grenzen. „Im Ortsteil Friedrichshain gibt es Teile von Sozialräumen, wo es so eng ist und die Schulen so voll sind, dass man dort kein Kind mehr unterbringen kann“, sagt sie.

Tatsächlich haben Klagen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg laut der Anfrage nur wenig bewirkt: Lediglich vier Wechselwünsche wurden für das laufende Schuljahr aufgrund einer Klage bewilligt, im Vorjahr waren es zwei. Für alle elf Bezirke liegt die Summe demnach bei zwölf.

Aber auch die Zahl der Klagen, die aufgrund abgelehnter Widersprüche überhaupt gestellt wurden, war gering. Für das Schuljahr 2019/20 lag sie bei 47. Marianne Burkert-Eulitz sieht den Grund dafür darin, dass viele Eltern vorab eine Lösung mit dem Schulamt finden würden. „Viele Menschen drohen eine Klage an oder sind sogar schon im Verfahren, nehmen dann aber die Klage zurück, weil es eine Einigung gibt“, sagt sie.

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Grünen-Abgeordnete sieht Grund in Schulprofilen

Dass es bei vielen Eltern den Wunsch gibt, ihre Kinder auf eine andere Grundschule zu schicken als die eigentlich zugewiesene, erklärt sie mit besonderen Schulprofilen. So gibt es etwa Grundschulen mit Sport- oder Musikbetonung. „Die Zahlen sind aber kein Signal, dass man grundsätzlich etwas an den Einschulungsbereichen ändern muss“, sagt Grünen-Politikerin Burkert-Eulitz. Ihre Fraktion wolle nicht, dass die Regelung abgeschafft werde. Das Motto „kurze Beine, kurze Wege“ solle weiterhin als Grundsatz gelten. „Es spielt eine große Rolle, dass die Kinder ihr soziales Umfeld nah dran und die Familien kürzere Wege haben“, sagt die Abgeordnete.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, bestätigt, dass die Einschulungsbereiche bei Eltern immer wieder ein Thema seien – und auch unter den wiederkehrenden Gründen seien, warum sich Eltern andere Schulen für ihre Kinder wünschen. Auch, weil sich Einzugsbereiche immer wieder verändern. „Das Ergebnis der knapper werdenden Schulplätze ist, dass teilweise die Einzugsbereiche von Schulen mit noch freien Kapazitäten vergrößert werden“, sagt Heise. Das könne der Fall sein, wenn das Umfeld einer Grundschule weniger dicht bebaut ist.

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Ruf der Schule oder ein Geschwisterkind können weitere Gründe sein

Andere Bildungseinrichtungen, bei denen die Plätze knapper sind, sollen so entlastet werden. So schreibt etwa das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg auf seiner Internetseite, dass aus diesem Grund die Einschulungsbereiche zum kommenden Schuljahr „bedarfsgerecht angepasst“ werden müssten. Dass sich im Einzelfall für Familien die neuen Bedingungen „ungünstiger darstellen, lässt sich mit dem notwendigen Blick auf alle Kinder und alle Familien leider nicht verhindern“, heißt es.

Der Ruf der Schule oder ein Geschwisterkind, das bereits eine andere Schule besucht, könnten weitere Gründe sein, warum Eltern einen Antrag mit einem Wechselwunsch stellen. Dennoch hält auch Heise die Einschulungsbereiche für sinnvoll. „Das würde sonst zu einem Chaos führen, wie wir es bei Oberschulen haben, und dazu, dass Grundschüler Wegezeiten haben, die ihnen nicht zuzumuten sind“, sagt Heise.

Anders sieht das die Berliner FDP-Fraktion. Deren Abgeordnete Maren Jasper-Winter hatte zu Beginn des aktuellen Schuljahrs ebenfalls eine Anfrage zur Vergabe von Grundschulplätzen gestellt. Das derzeitige System mit den zahlreichen Widersprüchen, so das Fazit der Politikerin, sei für Eltern und Kinder, aber auch für die Verwaltung belastend. Ihre Partei fordere deshalb die Abschaffung der Einschulungsbereiche und eine freie Grundschulwahl. „Bei Schulen mit großen Anmeldewünschen müssen Kapazitäten ausgeweitet oder bei anderen Schulen muss die Attraktivität verbessert werden“, sagt sie. „Dieser Wanderzirkus zulasten aller muss beendet werden.“