Frauenrechtlerin

Seyran Ateş bekommt Privatkredit von Artemis-Bordellchef

Laut Medienbericht erhielt Seyran Ateş 45.000 Euro vom Artemis-Betreiber. Einen Interessenkonflikt sieht die Frauenrechtlerin nicht.

Seyran Ates ist Mitbegründerin und Ideengeberin der liberalen Ibn Rushd-Goethe-Moschee.

Seyran Ates ist Mitbegründerin und Ideengeberin der liberalen Ibn Rushd-Goethe-Moschee.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Die Berliner Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş hat nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ von Freitag einen Privatkredit über 45.000 Euro von einem Bordellchef bekommen. Es handelt sich demnach um Hakki Şimşek, Betreiber des Artemis, des größten Bordells in Berlin. Wie die Zeitung weiter berichtet, habe Ateş den Kredit zu sehr günstigen Bedingungen erhalten. In einer persönlichen Mitteilung, die der Berliner Morgenpost vorliegt, weist Ateş die Vorwürfe zurück.

Die „Süddeutsche Zeitung“ habe Unterlagen einsehen können, aus denen hervorgehe, dass Ateş eine private Geschäftsbeziehung mit dem Bordellbetreiber pflege. Der Vertrag über das Darlehen sei am 12. September dieses Jahres geschlossen worden. Er trage die Unterschrift der Frauenrechtlerin. In einer Mail des Anwalts von Bordellchef Şimşek heißt es laut dem Medienbericht, dass Ateş die Zinsen erlassen würden, wenn sie den Betrag in monatlichen Raten von 5000 Euro pünktlich zurückzahlen könne.

In der Vergangenheit Positiv über das Artemis geäußert

Ateş wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme am Freitag zurück. Sie habe keine unzulässigen Vorteile in Anspruch genommen. Die Existenz des Privatkredits bestreitet Ateş nicht. Die Darlehensvereinbarung enthalte „selbstverständlich eine angemessene Verzinsung“. Sie habe sich an einen Unternehmer gewandt, den sie persönlich kenne und „dessen berufliches Wirken als einer der größten Steuerzahler im Bezirk Berlin-Charlottenburg“ ihr transparent sei.

Ateş schreibt derzeit an einem Buch über Prostitution. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sei auch ein Film über das Artemis in Vorbereitung. „Man muss die Story zu einem sehr guten Kinofilm machen“, zitiert das Blatt aus einer Mail von Ateş an Şimşek vom 11. September. Zuletzt habe sich Ateş auffallend positiv über das Berliner Großbordell geäußert, hieß es im Zeitungsbericht weiter. In ihrer Erklärung betonte sie, jeder wisse, dass „ich mich entschieden gegen Prostitution ausspreche“. Und weiter: „In Bezug auf das ‘Artemis’ und deren Betreiber habe ich immer gesagt: Wenn Frauen sich schon prostituieren, dann unter Bedingungen wie dieses Haus sie bietet. Dort haben Frauen die Chance, selbstbestimmt ihrer Tätigkeit nachzugehen – ich persönlich habe mit vielen dieser Frauen gesprochen.“ Das Thema Prostitution sei generell nicht einfach, „jedenfalls nicht so einfach, wie auch ich mir das viele Jahre vorgestellt habe“.

Staatsanwaltschaft stoppte Verfahren gegen Artemis-Betreiber

Aus dem Umfeld von Ateş hieß es am Freitag, der Kredit sei zu marktüblichen Bedingungen gewährt worden. Zinslos sei er nicht. Das Artemis sei in der Vergangenheit so oft durchleuchtet worden, dass niemand so etwa halbseiden abwickeln würde. In der persönlichen Mitteilung wirft Ateş dem Autor des Zeitungsartikels vor, durch nachweislich falsche Darstellungen „mein gesellschaftliches Wirken und speziell mein Eintreten gegen Prostitution in Zweifel zu ziehen“.

Im April 2016 hatte es eine Großrazzia im Artemis in Halensee gegeben. Es folgten Ermittlungen wegen Menschenhandels und Steuerbetrugs. Zudem stand der Verdacht der Scheinselbstständigkeit der Prostituierten im Raum. Die Staatsanwaltschaft stoppte das Verfahren gegen Şimşek jedoch im Januar 2019. Es gebe keinen hinreichenden Verdacht, hieß es damals. Die Artemis-Betreiber kündigten damals ihrerseits wiederum an, Schadenersatz-Forderungen prüfen zu wollen.