S-Bahn Berlin

Expresszüge: So viel Zeit sparen Pendler wirklich

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Julia Hubernagel
Die Expresszüge kommen seit Montag ausschließlich auf der S-Bahnlinie 3 zum Einsatz, um die regulären Züge zu entlasten

Die Expresszüge kommen seit Montag ausschließlich auf der S-Bahnlinie 3 zum Einsatz, um die regulären Züge zu entlasten

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Mit den neuen Expresszügen der S-Bahnlinie 3 gelangen Pendler schneller von Friedrichshagen in Richtung Ostbahnhof.

Berlin. Drei Minuten schneller sind Bahnreisende seit Montag im Berufsverkehr auf der Linie S3 (Erkner bis Spandau) zwischen Ostbahnhof und Friedrichshagen unterwegs. Expresszüge verkehren nun zusätzlich auf dem Teilstück, um die Linie in den Südosten Berlins zu entlasten. Von 6 bis 9 Uhr und zwischen 14 und 19 Uhr verstärkt die Express-S3 die reguläre Linie montags bis freitags im 20-Minuten-Takt. Die reguläre S3 fährt während dieser Zeiten weiterhin im Zehn-Minuten-Takt alle Stationen an.

Um Zeit einzusparen, hält die Expresslinie nur an Stationen mit verstärktem Fahrgastaufkommen. Dadurch können insbesondere Verspätungen ausgeglichen werden. Ausgespart werden die Stationen Rummelsburg, Betriebsbahnhof Rummelsburg, Wuhlheide und Hirschgarten.

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Expresszüge in Berlin: Klagen im Osten über schlechte Anbindung

Für Fahrgäste, die an diesen Stationen zu- oder aussteigen müssen, entstünde dadurch kein Nachteil, sagt Elke Krokowski, Pressesprecherin des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). „Die Stationen werden nicht abgehängt, die S3 fährt dort ja ganz normal weiter“, sagt sie. „Von den Expresszügen profitieren alle.“ Durch die zusätzlich eingesetzten Züge sollen die regulären Bahnen entlastet und die Fahrgäste auf mehrere Züge verteilt werden, so dass die einzelnen Wagen nicht mehr so überfüllt sind.

Gerade im Berliner Osten klagt man schon seit Längerem über die schlechte Anbindung im Öffentlichen Nahverkehr. Im Herbst waren zudem einige S-Bahn-Strecken wegen Bauarbeiten gesperrt gewesen. Die Entlastung auf der S3 sei am Montagmorgen deutlich spürbar gewesen. „Sonst ist es morgens immer proppevoll, und heute war es viel leerer“, sagt der Bahnreisende Torsten Minx. Zwar steige er an der Station Wuhlheide in die S3 und könne die Expresszüge nicht nutzen. „Aber ich profitiere davon, dass die Züge bei mir leerer ankommen.“ Gerade als Fahrradfahrer bekomme Minx die übervollen Züge besonders stark zu spüren und habe es schwer, samt Rad Platz im Wagen zu finden. Die Expresszüge halte er daher für „eine tolle Sache“.

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Die Entlastung durch Expresszüge sei längerfristig angelegt, sagt VBB-Pressesprecherin Krokowski. „Die Fahrten sind für dieses Jahr in unserem aktuellen Fahrplan eingeplant.“ Braucht die S3 von Friedrichshagen bis Ostbahnhof regulär 17 Minuten, erreichen die Expresszüge ihren Endbahnhof nun schon in 14 Minuten. Vom Bahnhof Köpenick bis zum Ostkreuz ist man demnach nur noch zehn Minuten unterwegs.

Anschlusszüge können besser erreicht werden

Das klinge zwar nach wenig, aber dadurch könnten Anschlusszüge besser erreicht werden, heißt es. Es sei soweit alles gut verlaufen, sagt am Montag die Pressesprecherin der Deutschen Bahn, Sandra Spieker. „Alle Züge sind heute pünktlich abgefahren.“ Neun Züge fahren nun pro Stunde und Richtung auf der S-Bahnlinie 3. „Montagfrüh waren drei Züge als S3-Express unterwegs. Die haben insgesamt 16 Zugfahrten durchgeführt“, so Spieker weiter.

Michael Burkl fährt jeden Tag mit der S3. Von den Expresszügen hat er bereits vorab erfahren. „Ich wollte an diesem Morgen extra einen erwischen, aber habe ihn dann verpasst“, erzählt er. Wenn er morgens in die Bahn steige, sei sie schon immer sehr voll. „Um sechs Uhr fahren die Arbeiter, ab sieben die Schüler“, so Burkl. Er wundere sich allerdings über die Länge der Züge. Die Expresszüge fahren nämlich nur mit vier statt mit sechs Wagen. „Ob die Zusteiger in Köpenick alle da hineinpassen?“, fragt sich Burkl.

Auch in den sozialen Medien stoßen die Expresszüge mitunter auf Skepsis. „Diese drei Minuten Ersparnis wird zu Lasten anderer Fahrgäste z. B. der S75 erreicht... Kürzere Züge und noch kürzer als vorher“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. Auf Twitter werden bereits Anregungen gegeben. „Warum setzt man diese nicht auch zu Veranstaltungen wie Fußball ein?“, fragt ein Nutzer. Geplant ist bislang, nur auf der Linie S3 Expresszüge einzusetzen, heißt es vonseiten der VBB.

Erkennbar sind die Expresszüge für Fahrgäste übrigens am Zusatz „Express“ in der Frontanzeige des Zuges. An den Bahnhöfen Rummelsburg, Betriebsbahnhof Rummelsburg, Wuhlheide und Hirschgarten ist nun alle zwanzig Minuten „Zugdurchfahrt“ auf der Anzeigetafel zu lesen. Auch wenn nun Stationen nicht angefahren werden, zählen sie bei einem Kurzstrecken-Ticket mit. Die Fahrkarte ist daher für genau dieselbe Entfernung gültig wie zuvor. Bei S- und U-Bahn gilt es weiterhin für drei Stationen.