Parteipolitik

Berliner Unternehmer Harald Christ tritt aus der SPD aus

Der Berliner Unternehmer Harald Christ begründet den Schritt mit dem Abdriften der SPD nach links und personellen Entscheidungen.

Der Unternehmer Harald Christ, ist schon mit 15 Jahren der SPD beigetreten. Nun verlässt er die Partei.

Der Unternehmer Harald Christ, ist schon mit 15 Jahren der SPD beigetreten. Nun verlässt er die Partei.

Foto: David Heerde

Berlin. Der Berliner Unternehmer Harald Christ tritt nach mehr als 30 Jahren Parteimitgliedschaft aus der SPD aus. Wie Christ in dem sozialen Netzwerk Facebook schreibt, verlasse er die Partei „wegen der traurigen Feststellung, dass für Menschen wie mich kein Platz mehr in dieser Partei ist“. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost sagte Christ am Sonntag, es sei eine lange Verkettung von Erlebnissen, personellen und inhaltlichen Entscheidungen, die ihn zu seinem Austritt bewogen hätten.

Christ war der SPD mit 15 Jahren beigetreten und seitdem in verschiedenen Funktionen aktiv. Unter anderem war der 47-Jährige von 2010 bis 2012 Landeskassierer der SPD Berlin. 2009, im Schattenkabinett des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, war Christ als Kandidat für das Amt des Bundesministers für Wirtschaft aufgestellt. Zuletzt war er Mittelstandsbeauftragter der SPD. „Für mich ist der Austritt wie der Auszug aus meinem Zuhause. Man gibt viele Erinnerungen und enge Verbindungen auf“, sagte Christ, der auch Gründungsmitglied des Vereins Wirtschaftsforum in der SPD ist.

Harald Christ: SPD habe „eine sehr stark links abdriftende Politik gewählt“

Der Unternehmer betonte, dass er der SPD auch vieles verdanke. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen“, sagte der 47-Jährige. Erst die sozialdemokratische Politik mit Willy Brandt habe ihm damals ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und den sozialen Aufstieg zu schaffen.

Leider, so schreibt er nun auf Facebook, habe die Partei aber programmatisch wie personell „eine sehr stark links abdriftende Politik gewählt“. Zwar müsse die Partei die Belange der Arbeitnehmer und dafür auch linke Positionen vertreten, aber es gebe inzwischen ein starkes Missverhältnis. „Wirtschaft und Mittelstand kommen in der SPD nun überhaupt nicht mehr vor – das ist eine erschreckende Entwicklung“, schreibt Christ. Er vermisst das, was für ihn immer sozialdemokratische Tradition gewesen sei: „fairer Ausgleich und die Menschen mitnehmen“.

Christ kritisierte neue SPD-Parteivorsitzende Esken und Walter-Borjans

Bei der kürzlichen Wahl der neuen Bundesparteivorsitzenden hatte Christ offen das Duo Klara Geywitz und Olaf Scholz unterstützt, sich mehrfach kritisch zu den nun gewählten Kandidaten Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans geäußert. Die beiden, sagte Christ, stünden nicht für seine Politik. Gleichzeitig betonte er aber, dass nicht deren Wahl den Ausschlag für seinen Parteiaustritt gegeben habe. „Ich akzeptiere jeden basisdemokratischen Vorgang“, so Christ.

Dennoch sagte er aber auch: „Mir waren immer Glaubwürdigkeit und Haltung wichtig in der Politik. Die Maßstäbe, die ich bei anderen anlege, muss ich auch bei mir ansetzen.“ Deshalb habe er sich, auch zum jetzigen Zeitpunkt, für einen Austritt entschieden.

47-Jähriger will weiter politisch aktiv bleiben

Bereits im September hatte Christ seinen Rückzug vom Posten als Mittelstandsbeauftragter der SPD bekanntgeben. Auch diesen Schritt hatte er damit begründet, dass sich die SPD immer weiter nach links bewege und sich von seinen wirtschaftspolitischen Vorstellungen entferne.

Dennoch will Christ sich weiter politisch engagieren. „Das ist sicherlich nicht das Ende“, sagte Christ der Morgenpost. „Ich bin mit 15 politisch aktiv geworden, um mich sachlich einzubringen und etwas zu verändern. Diesen Anspruch habe ich nicht verloren, nur weil ich aus einer Partei austrete.“