Wohnungsmarkt

Wohnungskauf der Degewo: Weitere Ausgaben erwartet

In Teilen der Häuser, die von der Deutsche Wohnen übernommen werden, sind wohl Sanierungen nötig. FDP-Fraktion äußert Kritik.

Mehr als 2100 Wohnungen in drei Berliner Quartieren verkauft der Konzern Deutsche Wohnen an die Degewo.

Mehr als 2100 Wohnungen in drei Berliner Quartieren verkauft der Konzern Deutsche Wohnen an die Degewo.

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin

Berlin. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Degewo hat in drei Quartieren in Lichterfelde, Schöneberg und der Spandauer Wilhelmstadt vom Konzern Deutsche Wohnen jeweils 564 bis 930 Wohnungen gekauft. Insgesamt leben dort laut Degewo rund 3500 Mieter. Zu den genauen Straßen, in denen sich die betroffenen Häuser befinden, wollte sich das kommunale Wohnungsunternehmen auf Nachfrage noch nicht äußern. Man wolle zunächst die Mieter informieren, sagte Pressesprecher Paul-Gerhard Lichten­thäler. Bis die Wohnungen von der Deutsche Wohnen in den Besitz der Degewo übergehen, wird es aber noch etwas dauern, Degewo-Sprecher Lichtenthäler verweist dabei auf organisatorische Gründe. Dies soll schrittweise zwischen September 2020 und Januar 2021 passieren.

Allein bei den Kosten für den Kauf der Wohnungen wird es in den Folgejahren für die Degewo aber nicht bleiben. Weitere Ausgaben werden wohl für Sanierungen nötig sein. Man habe sich die Wohnungen, die zwischen 1975 und 1993 gebaut wurden, vor dem Kauf genau angesehen, sagte Lichtenthäler. Die Wohnungen befänden sich im üblichen Zustand von Sozialwohnungen aus dieser Bauzeit. „Der Verkäufer hat bereits mit Sanierungen angefangen, das werden wir verstärkt fortsetzen“, so Lichtenthäler. Dabei spielt auch das Thema Asbest eine Rolle, das in den 70er-Jahren noch häufig verwendet wurde. Das Berliner Ziel, bis 2030 Asbest aus Gebäuden entfernt zu haben, werde man auch bei den neuen Wohnungen anpeilen. Lichtenthäler sagt: „Wir werden das bewältigen.“

Streit um höhere Mieten soll es nicht geben

Ärger um Mieterhöhungen, die nach dem Mietendeckel-Beschluss des Senats im Juni noch verschickt wurden, soll es in diesem Fall nicht geben. Der Degewo sei dazu nichts bekannt, man gehe davon aus, dass es keine Mieterhöhungen für die vom Kauf betroffenen Mieter mehr gegeben habe, sagte Lichtenthäler. Anders hatte das kürzlich bei den 6000 Wohnungen ausgesehen, die die Gewobag von Ado Properties gekauft hatte. Dort hatten einige Bewohner trotz des Senatsbeschlusses noch im August Mieterhöhungen erhalten. Eindeutig zu einer Rücknahme hat sich die Gewobag bislang nicht geäußert, trotz der Forderung von verschiedenen Seiten. Auf Nachfrage hieß es lediglich, das Unternehmen werde nach Übernahme der Bestände die rechtliche Wirksamkeit vereinbarter Mieterhöhungen und die Einhaltung gesetzlicher Neuregelungen prüfen.

Seit Anfang 2017 haben die städtischen Unternehmen mehr als 10.000 Wohnungen aufgekauft, die größtenteils in den 1990er-Jahren oder später vom Land Berlin zur Schuldentilgung regelrecht verschleudert wurden. Sie stockten ihren Bestand auf mehr als 310.000 Einheiten auf – das sind gut 20 Prozent aller Mietwohnungen in Berlin. Opposition und Steuerzahlerbund lehnen die teure Ankaufpraxis ab. Auch im aktuellen Fall gibt es Kritik. „Der Kauf von 2000 Wohnungen durch die Degewo ist der vollkommen falsche Weg und bei der derzeitigen Höhe der Immobilienpreise komplett unverantwortlich“, so Sibylle Meister, Sprecherin für Haushalt und Finanzen der Berliner FDP-Fraktion. „Wenn man den Ehrgeiz des Aufkaufens in den Neubau stecken würde, hätten wir die Wohnungskrise vermutlich schon längst hinter uns gelassen und günstige Mieten für alle gesichert.“