Ernährung

Senat will besseres Essen in Berlins Kantinen

Mehr Bio-Gemüse aus Brandenburg, weniger Salz: Der Senat möchte, dass sich die Kantinen der Stadt durch einen Aktionsplan bessern.

Auch in Seniorenheimen soll nun auf besseres und frischeres Essen geachtet werden.

Auch in Seniorenheimen soll nun auf besseres und frischeres Essen geachtet werden.

Foto: Zacharie Scheurer / dpa-tmn

Berlin. Wer zu einer Tomate aus der Region greift statt zu einer Tomate, die den weiten Weg aus Spanien zurückgelegt hat, der handelt klimabewusst. „Man muss immer wieder neu über Ernährung nachdenken“, erklärte Dirk Behrendt (Grüne), der als Senator nicht nur für Justiz, sondern auch für Verbraucherschutz zuständig ist. Sein Haus hat federführend den Aktionsplan „Berlin isst so. Unsere Ernährungsstrategie“ mit acht verschiedenen Handlungsfeldern verfasst, den er nun verspätet vorstellt. Denn eigentlich war der schon vor einem Jahr angekündigt worden. „Lange, lange haben wir daran gearbeitet“, sagte Behrendt nun.

Ziel ist, dass die Berliner sich gesünder und bewusster ernähren, die Anteile von Bio-Lebensmitteln zumindest in den Kantinen steigen, wo das Land etwas zu sagen hat – wie beispielsweise in Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen oder auch Theatern. Zudem will man stärker darauf achten, dass nicht so viele Lebensmittel verschwendet werden. Auch um Urban Gardening geht es im Papier oder um „Lebensmittelpunkte“. Das sind Orte in den Kiezen, wo bald gemeinsam gekocht und gegessen werden soll. Essen als soziales Erlebnis. Städte wie Kopenhagen hätten den Wandel schon geschafft. Nun also Berlin.

Grundschulen in Berlin - Bio-Anteil soll zügig steigen

Viele verschiedene Ansätze und Ideen finden sich im Aktionsplan. Am konkretesten sind die Pläne für das Schulmittagessen in den Grundschulen. Das ist ja seit diesem Schuljahr für Grundschüler kostenlos. Nun will man dafür sorgen, dass der Bio-Anteil beim angebotenen Essen zügig erhöht wird. Momentan liegt er bei 15 Prozent, nächstes Schuljahr soll er auf 30 Prozent steigen. Und schon 2021/22 will man bei 50 Prozent liegen.

Allerdings hat Bio-Essen seinen Preis. Drum sind bislang im Haushalt Zusatzsummen eingeplant, um den steigenden Bioanteil möglich zu machen. Für 2020 werden zusätzliche rund 3,7 Millionen Euro eingeplant, für den nächsten Sprung auf 50 Prozent sollen dann weitere 12,8 Millionen Euro dazukommen.

Aber mit der Lieferung dieser großen Biomengen wird es nicht einfach werden. Eigentlich wünscht man sich ja regionale Biokost, die aus dem Nachbarland Brandenburg kommt. Doch von Brandenburgs Äckern und Obstplantagen wurden 2018 nur knapp zwölf Prozent ökologisch bewirtschaftet.

Brandenburg hat nicht immer genügen Produkte

Bei einem Bio-Probessen für die Berliner Grundschulen wurde das Problem dann deutlich: „Wir haben Bio-Apfelmushersteller in Brandenburg angerufen und gesagt, wir brauchen Apfelmus für 60.000 Essen“, erzählt Behrendt. Am anderen Telefonende habe man nur gelacht. Die Menge entspräche der Jahresproduktion von zwei kompletten Jahren. Auch sei es bis heute nicht möglich, die Bio-Brotboxen, die Erstklässler umsonst erhalten, mit Bio-Äpfeln aus Brandenburg zu füllen. Es gibt nicht genügend. Also nimmt man welche aus dem Alten Land bei Hamburg.

Im kommenden Jahr will man sich in den Schulmensen auch stärker erkunden, wie viel Essen eigentlich weggeworfen wird. Dafür wird die Senatsverwaltung für Bildung ab 2020 eine Untersuchung durchführen, an wie vielen und welchen Schulen sei aber bislang noch offen.

Überhaupt ist Lebensmittelverschwendung im Aktionsplan ein zentrales Thema – das gilt auch für Supermärkte und Haushalte. Das Handlungsfeld „Innovation“ soll sich deshalb um neue Konzepte drehen. Wie kann ich Lebensmittel besser und kompletter verwerten?

Experten ist das Konzept zu wenig konkret

In den Kantinen des öffentlichen Dienstes und anderen Großkantinen soll die „Kantine Zukunft Berlin“ beratend tätig werden, um dort Mut zu machen, frischer, regionaler und auch fleischärmer zu kochen. „Wir möchten, dass dort wieder mit dem Messer gekocht wird – und nicht mit der Schere“, sagt Behrendt. Damit meint er, Köche der Großküchen sollen nicht mehr auf Fertigprodukte aus der Tüte zurückgreifen, sondern frisches Gemüse und Obst schnippeln. Auch Zucker, Salz und Fette sollen zurückgefahren werden. Damit die Berliner auf lange Sicht gesünder leben.

Kritik am Aktionsplan Ernährung kommt ausgerechnet von den größten Verfechtern einer Ernährungswende: dem Ernährungsrat. Dort setzt man sich dafür ein, dass Berlin bis 2030 klimaneutral speist. Um dorthin zu gelangen, brauche es aber klare Ziele und eine „Roadmap“. „Der Aktionsplan hat das alles nicht“, sagt Annette Jensen vom Ernährungsrat. Vieles bleibe zu vage.

Auch von den Haushaltsmitteln ist man enttäuscht. Waren ursprünglich für die vielen Handlungsfelder wie „Kantine Zukunft Berlin“ rund 1,4 Millionen Euro angedacht, schmolz die eingeplante Summe nun auf 200.000 Euro zusammen. „Das reicht nicht“, so Jensen. Man sei aber weiter gesprächsbereit. Grundsätzlich gingen die acht vorgestellten Handlungsfelder ja in die richtige Richtung.