Landgericht Berlin

Auf Liebhaber der Schwester eingestochen: Prozess gestartet

Ein 20-Jähriger soll in Reinickendorf auf den Liebhaber seiner Schwester eingestochen haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Am Dienstag begann vor dem Landgericht Berlin der Prozess wegen versuchte Mordes.

Am Dienstag begann vor dem Landgericht Berlin der Prozess wegen versuchte Mordes.

Foto: Sven Braun / dpa

Um die verletzte Ehre seiner Familie wieder herzustellen, soll ein 20-Jähriger aus Reinickendorf ein Dutzend mal auf einen Kontrahenten eingestochen haben. Das Opfer überlebte nur knapp. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, der 20-Jährige handelte in Tötungsabsicht. Am Dienstag begann vor dem Landgericht der Prozess wegen versuchten Mordes.

Tatort war die Wohnung der Familie Y. an der Residenzstraße. Dort hielten sich am frühen Abend des 8. Juli 2019 Betül Y., die 23-jährige Schwester des Angeklagten Ibrahim Y. und ihr 29 Jahre alter Liebhaber Sehmutz A. auf. Wohl wissend, dass die Familie der jungen Frau die Beziehung nicht billigen würde – die Schwester war offenbar bereits anderweitig „verplant“ –, hielt das Pärchen die Liaison geheim. An diesem Tag erwarteten sie vor 20.30 Uhr kein weiteres Familienmitglied und nutzten die Zeit, um sich trauter Zweisamkeit hinzugeben.

Angeklagter soll Schwester gedroht haben: „Ich töte dich“

Doch dann kam der Angeklagte ausnahmsweise bereits um 19 Uhr nach Hause. Ein paar Männerschuhe vor der Wohnungstür sagten ihm sofort, dass ein Fremder in der Wohnung war. Daraufhin soll er mit einem 30 Zentimeter langen Messer in das Zimmer seiner Schwester gestürmt sein. Der Anblick der nur leicht bekleideten Betül mag Y.`s Wut noch gesteigert haben. „Ich töte dich“ soll er der jungen Frau gedroht haben. Von einem Fremden war zunächst nichts zu sehen, der Liebhaber hatte es vorgezogen, sich im Schrank zu verstecken. Den verließ er dann allerdings recht schnell, um der Geliebten zu Hilfe zu eilen.

Sein heroisches Eingreifen brachte dem 29-Jährigen allerdings etliche bis zu 20 Zentimeter tiefe Stichwunden in Bauch, Rücken und Schulter ein, wie von Sinnen soll Y. laut Anklage zugestochen haben. A. überlebte dank einer Notoperation, der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und wanderte in U-Haft. Zum Prozessauftakt am Dienstag schwieg er zunächst.

Opfer nennt die Tat „Gerangel“

Für die Liebenden gab es dann doch noch ein Happy-End. Nach Krisensitzung und Versöhnung beider Familien ist ihre Beziehung nunmehr amtlich. Um den noch jungen Familienfrieden nicht zu stören, mühte sich das Opfer am ersten Prozesstag nach Kräften, sich um die Antworten auf die Fragen der Vorsitzenden herumzudrücken und die Tat zu verharmlosen. „Gerangel“, nannte er das, was ihm zahlreiche tiefe Wunden einbracht hatte, an genaueres erinnerte er sich nicht. Neun Verhandlungstage hat das Gericht jetzt Zeit, die Wahrheit herauszufinden, der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.