Mord im Tiergarten

Georgier ermordet: Verfassungsschutz soll gewarnt haben

Ein Georgier wurde in Berlin ermordet. Der Verfassungsschutz soll gewarnt haben, dass er in Gefahr ist. So reagiert die Polizei.

Merkel kritisiert Russland

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ausweisungen von zwei russischen Diplomaten im Zusammenhang mit dem Mord an einem Georgier in Berlin verteidigt.

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Berlin. Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll schon im Februar 2017 einen Warnhinweis an die Behörden in Brandenburg und Berlin verschickt haben, dass der Georgier Tornike K. gefährdet sei. Das berichtet der „Spiegel“. In der Mitteilung hieß es, dass eine „Gefährdung seiner Person“ drohe, wenn bekannt wird, dass sie sich in Deutschland aufhalte.

Berliner Sicherheitskreise kommentierten den „Spiegel“-Bericht nicht offiziell. Nach Informationen der Berliner Morgenpost war das Brandenburger Landeskriminalamt Adressat der Warnung und nicht die Berliner Sicherheitsbehörden. Der Georgier lebte damals in Brandenburg. Das Berliner Landeskriminalamt sei damals – wie viele andere Behörden – in Kopie gesetzt worden. Ob beide Behörden sich über eine mögliche Bedrohungslage austauschten, ist unklar. Daraus aber zu schließen, dass Tornike K. von den Berlinern hätte gewarnt werden müsse, sei unlauter, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Mord im Kleinen Tiergarten - Merkel rät zu Geduld

Am 23. August war der 40-jährige Georgier Tornike K. in einem Berliner Park erschossen worden. Wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben haben, übernahm am Mittwoch die Bundesanwaltschaft den Fall. Im Zuge der Ermittlungen wies Deutschland zwei russische Diplomaten aus. Russland wiederum kündigte Gegenmaßnahmen an. Über Einzelheiten halten sich beide Seiten bedeckt.

Russischer Verdächtiger in Hochsicherheitstrakt

Berliner Ermittler sorgen sich nach dem Mord im Kleinen Tiergarten um die Sicherheit des Tatverdächtigen. Der mutmaßliche Mörder Vadim S. wurde deswegen aus der Untersuchungshaftanstalt Moabit in einen besonders gesicherten Bereich des Gefängnisses in Tegel verlegt. Das ist ungewöhnlich, weil Häftlinge in Untersuchungshaft generell in Moabit untergebracht werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die Ermittler beim Landeskriminalamt in einer Sicherheitsanalyse zu dem Schluss gekommen, dass Vadim S. in Gefahr schwebe und man ihn deshalb verlegen werde.

Nun sitzt S. in einem Bereich, der für extrem gefährliche Häftlinge wie etwa Terroristen vorgesehen ist. Das sei geschehen, weil in Moabit Einflüsse von außen nicht auszuschließen seien, sagte eine mit dem Fall vertraute Person. Offiziell wollte sich niemand auf Nachfrage der Berliner Morgenpost äußern.

Angela Merkel will Ermittlungen abwarten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief am Donnerstag in Berlin dazu auf, die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Auftragsmord an dem Georgier abzuwarten. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kasachischen Präsidenten Kassym-Shomart Tokajew verwies Merkel darauf, dass bislang lediglich ein Anfangsverdacht vorliege. Deshalb wolle sie keine spekulativen Fragen beantworten, sondern die Arbeit des Generalbundesanwalts abwarten.

Tags zuvor hatte Merkel deutliche Kritik an Russland geübt und dem Land fehlende Unterstützung bei der Aufklärung des Falls vorgeworfen. Zu möglichen weitergehenden Maßnahmen wollte sich die Kanzlerin auf Nachfrage von Journalisten nicht äußern.

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Russlands Außenminister lässt konkrete Schritte offen

Am Mittwoch hatte es nach Informationen der Berliner Morgenpost ein Treffen der Staatssekretäre im Auswärtigen Amt gegeben, um über mögliche Konsequenzen zu beraten. In der Folge kam es zu der Entscheidung, dass die beiden russischen Nachrichtendienst-Mitarbeiter ausgewiesen werden.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ließ unterdessen offen, mit welchen konkreten Schritten Moskau darauf reagieren werde. Lawrow wies den Vorwurf zurück, Russland trage nicht zur Aufklärung des Falls bei. „Mir ist nicht bekannt, worauf sich so eine Einschätzung stützt“, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge bei einem Besuch in Bratislava. Es gebe zahlreiche Kanäle zwischen Berlin und Moskau, die genutzt würden.

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Tatverdächtiger soll 2013 schon einmal gemordet haben

Das Mordopfer Tornike K. soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft Anfang der 2000er-Jahre auf der Seite muslimischer Tschetschenen gegen Russland gekämpft haben. Auf den Mann habe es im Mai 2015 in der georgischen Hauptstadt Tiflis schon einmal einen Mordanschlag gegeben, den er verletzt überlebte.

Auch der tatverdächtige Russe Vadim S. hat eine Vorgeschichte. Er soll im Juni 2013 schon einmal in Moskau gemordet haben. Die russischen Sicherheitsbehörden hatten einen „Vadim K.“ nach der damaligen Tat international zur Fahndung ausgeschrieben – doch 2015 aus den Fahndungslisten wieder gelöscht.

Die Bilder des in Berlin festgenommenen Vadim S. und die von Vadim K. zeigen starke Ähnlichkeiten. Hinzu kommt: Auch bei dem Mord im Kleinen Tiergarten kam der Täter mit einem Fahrrad. Der Verdacht ist nun, dass Vadim S. von staatlichen russischen Stellen rekrutiert worden sein könnte, um den Auftragsmord in Berlin zu begehen. Da er überlebte und gefasst wurde, stellt er nun eine Bedrohung für seine Auftraggeber dar.