Sichtungen

"Lichterkette" am Berliner Nachthimmel: Das steckt dahinter

"UFOs" über Berlin? Viele Menschen haben in den vergangenen Nächten seltsame Objekte gesehen. Der Grund ist überaus irdisch.

Eine SpaceX-Rakete vom Typ Falcon 9 brachte Ende Mai 60 Satelliten für das "Starlink"-Breitbandnetz ins All. Nun folgte der nächste Schwung, der auch über Berlin und Brandenburg zu sehen ist.

Eine SpaceX-Rakete vom Typ Falcon 9 brachte Ende Mai 60 Satelliten für das "Starlink"-Breitbandnetz ins All. Nun folgte der nächste Schwung, der auch über Berlin und Brandenburg zu sehen ist.

Foto: Malcolm Denemark / dpa

Berlin. Ungewöhnliches Schauspiel am Nachthimmel über Berlin und Brandenburg: Zahlreiche Menschen haben in den vergangenen Nächten und frühen Morgenstunden beim Blick zu den Sternen seltsame Himmelskörper entdeckt.

Zeitweise wurde bei Google massenhaft nach Begriffen wie "UFO Sichtung ", "Meteor" oder "Meteorit" gesucht. Auch bei diversen "UFO-Portalen" gingen zahlreiche Meldungen ein. Zumeist beschrieben die Nutzer die Sichtung einer "Perlenschnur" oder "Lichterkette".

Das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänome (Cenap), das sich kritisch mit angeblichen UFO-Sichtungen auseinandersetzt, registriert eine Zunahme besorgter oder irritierter Anrufe. „Die Anrufe bei uns haben stark zugenommen. Viele Frauen und Männer zeigen sich besorgt oder verwundert über die Lichtpunkte und ihre Formation“, sagte Hansjürgen Köhler vom Cenap.

Lichterketten über Berlin und Brandenburg sind "Starlink"-Satelliten von Elon Musk

Was die Sternengucker am Himmel über Berlin erblicken, ist allerdings etwas ganz und gar Irdisches: Verantwortlich ist das US-Unternehmen SpaceX des Tech-Milliardärs Elon Musk, der zuletzt mit den Bau-Plänen einer Tesla-Fabrik in Grünheide (Landkreis Mark) für Aufsehen sorgte.

Musks Raumfahrtfirma hatte Mitte November 60 weitere Satelliten ins Weltall gebracht - als Teil des weltumspannenden Programms "Starlink". Gestartet worden war das Projekt bereits im Mai.

Die von einer "Falcon 9"-Rakete in den Orbit gebrachten Satelliten sollen weltweit für schnelles Breitband-Internet sorgen - in Ballungszentren als auch in entlegenen Regionen. SpaceX will insgesamt 42.000 Satelliten oder sogar mehr ins All bringen.

Die jeweils über 200 Kilogramm schweren Satelliten sollen Daten von Bodenstationen bekommen und untereinander mit Hilfe von Lasern weiterleiten. Sie sollen in relativ niedrigen Umlaufbahnen fliegen und im Vergleich zu klassischer Satelliten-Kommunikation deutlich kürzere Verzögerungszeiten gewährleisten.

"UFOs" über Berlin und Brandenburg entpuppen sich als "Starlink"-Satelliten

Tatsächlich sind die "Starlink"-Satelliten von Elon Musk auch am Himmel über Berlin und Brandenburg zu sehen - aufgereiht in einer gleichmäßigen Formation. Laut Beschreibungen in Online-Foren handelt es um insgesamt 30 bis 40 Flugobjekte.

Auf die ungewöhnliche Lichterkette, die bei vielen Menschen UFO-Assoziationen weckt, machte auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beim Kurznachrichtendienst Twitter aufmerksam. Am vergangenen Mittwoch schrieb "DLR_next": "Morgen früh ab 05Uhr00 MEZ sind auch die Starlink-Satelliten als "Lichterkette" über Deutschland zu sehen."

Weiter erläutert das DLR: "Diese Satelliten sind aber im Verhältnis zur ISS nur kleine Lichtpünktchen (in Städten wegen Straßenlicht etc. kaum zu erkennen) und inzwischen nicht mehr so dicht beieinander wie kurz nach dem Start, wo das noch wie in diesem Video aussah."

Elon Musks "Starlink"-Satelliten im Überflug

Die genauen Zeiten, wann die "Lichterkette" über Berlin zu sehen ist, kann man zum Beispiel auf der Website heavens-above.com ansehen.

Experten der Europäischen Weltraumorganisation Esa bestätigten, „dass in den vergangenen Tagen Starlink-Satelliten sehr sichtbar über Deutschland zu sehen waren“, wie eine Sprecherin am Europäischen Raumflugkontrollzentrum in Darmstadt auf Anfrage sagte.

"Starlink"-Satelliten: Gefahr der Kollision mit anderen Himmelskörpern

Astronomen hatten kurz nach Start des "Starlink"-Projekts die Befürchtung geäußert, die vielen Satelliten könnten künftig das Bild des Nachthimmels prägen und die Beobachtung von Himmelskörpern mit Teleskopen beeinträchtigen.

„Allerdings geht es nicht nur um ästhetische Fragen. Auch die Gefahr einer Kollision mit anderen Himmelskörpern besteht“, sagte etwa ein Sprecher der Starkenburg-Sternwarte im südhessischen Heppenheim. Anfang September musste ein Esa-Satellit einem „Starlink“-Satelliten ausweichen.

Ende September hatte eine sogenannte "Feuerkugel" über Berlin für Aufregung gesorgt - eine besonders große Sternschnuppe, die offenbar in der Luft in mehrere Teile zerbrochen war.

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