Stadtentwicklung

Hochhäuser am Checkpoint Charlie sollen doch möglich sein

Der Senat will den umstrittenen Bebauungsplan mit Sozialwohnungen am Checkpoint Charlie beschließen. Zugleich soll es Änderungen geben.

Berlin. Im Streit um die Planungen für den Checkpoint Charlie hat sich die Koalition nach schwierigen Verhandlungen auf einen Kompromiss verständigt. Der Senat soll am Dienstag den Bebauungsplan 1-98 für die beiden Grundstücke östlich und westlich der Friedrichstraße beschließen. Gleichzeitig werden aber durch ergänzende Vorschriften entscheidende Veränderungen ermöglicht. Die wichtigste soll die Möglichkeit sein, dass auf dem Gelände eben doch über die bislang im B-Plan vorgesehenen 30 Meter hinaus in die Höhe gebaut werden darf.

Die SPD-Bauexpertin im Abgeordnetenhaus, Iris Spranger, hatte sich ebenso wie viele namhafte Planer und Architekten gegen den im Haus von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) entworfenen Plan gewandt. Die Wünsche der Stadt, nämlich Raum für einen Stadtplatz, ein frei stehendes Museum des Kalten Krieges und der den Denkmalschützern wichtige Erhalt der Brandwände der umliegenden Gebäude, machen aus ihrer Sicht eine Entwicklung unmöglich.

Checkpoint Charlie: Auf Areal lasten 100 Millionen Euro Schulden

Zumal der B-Plan bis zu 500 Wohnungen auf den beiden Flächen vorsieht, davon viele günstige Sozialwohnungen. Das sei wirtschaftlich nur darstellbar, wenn man dem Investor erlaubte, höher zu bauen, um mehr Flächen verwerten zu können. Erschwerend für die Wirtschaftlichkeit kommt hinzu, dass auf dem Areal aus zwei vergangenen Insolvenzen Grundschulden von fast 100 Millionen Euro lasten.

Sechs Monate nach Festsetzung des Bebauungsplanes sollen „Umsetzungsvarianten mit Grundstückseigentümern und anderen Beteiligten mit dem Ziel einer schnellen Realisierung geprüft“ werden, heißt es. Dabei sollen „bisher noch nicht vorliegende Projektentwicklungsvarianten und planerische Untersetzungen“ einbezogen werden unter den „Aspekten der Wirtschaftlichkeit, der Höhenentwicklung und der städtebaulichen Einordnung“.

Die Sozialdemokraten bewerten diese Öffnung der Vorgaben als Erfolg. „Spranger hat sich durchgesetzt“, heißt es in der SPD. Mit dieser Formulierung sei es möglich, die Belange des Investors Trockland mit zu berücksichtigen und auch Hochhäuser zuzulassen. Der Bezirk Mitte hatte zuvor erklärt, er habe nichts gegen 60 Meter hohe Türme am Checkpoint. Ohne eine solche Öffnung würde der Bebauungsplan sicherlich beklagt werden, warnte Spranger. Dann geschehe an diesem historischen Ort jahrelang nichts.

Nicht wirklich über die Zukunft am Checkpoint Charlie entschieden

Die Stadtentwicklungsverwaltung kann mit dieser Zusatzerklärung ihr Gesicht wahren. Der B-Plan sei am Dienstag im Senat, eine Änderung habe es daran nicht gegeben. Hochhäuser seien im Plan nicht vorgesehen. Die Höhenentwicklung solle sich an der Nachbarschaftsbebauung orientieren, hieß es aus dem Hause Lompscher. Im Kern läuft es darauf hinaus, dass noch nicht wirklich über die Gestaltung des Checkpoint Charlie entscheiden ist. Laut des Kompromisstextes soll dem Senat über die „Umsetzungsvarianten bis Mitte 2020 berichtet werden“.

Zwei der wichtigsten Gruppen von Kritikern haben sich zusammengeschlossen, um eine Blockade zu vermeiden und den Checkpoint als zentralen Gedenkort schnell zu realisieren. Die Stadtplanungsexperten um die Architektin Anna Maske, die erhebliche Einwände gegen den Bebauungsplan formuliert und diese zuletzt in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister erneuert hatte, will nun gemeinsam mit dem „Zentrum Kalter Krieg“ des früheren Gedenkstättenreferenten des Senats, Rainer E. Klemke, eine „würdige und den hohen Ansprüchen des weltweit einmaligen Geschichtsortes entsprechende Entwicklung am Checkpoint durchsetzen.

Es sei den wissenschaftlichen Partnern in aller Welt nicht mehr zu vermitteln, mit welch eingeschränkter Perspektive Berlin mit dem ehemaligen Ausländerübergang und der Erinnerung an den Kalten Krieg umgehe, sagte Klemke.