Prostitution

Das verdient Berlin an Prostituierten

Monatlich führen in Berlin 200 Sexarbeiterinnen 50.000 Euro einer Steuerpauschale ab – viel weniger als erwartet.

Die Kurfürstenstraße ist Berlins bekanntester Straßenstrich.

Die Kurfürstenstraße ist Berlins bekanntester Straßenstrich.

Foto: Reto Klar

Berlin. Am Straßenstrich an der Kurfürstenstraße findet das, was sonst im Verborgenen und hinter Bordelltüren passiert, in aller Öffentlichkeit statt. In Schöneberg ist Prostitution für alle sichtbar. Doch keiner weiß so richtig, wie viele Prostituierte es tatsächlich in Berlin gibt.

Nun hat die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung auf eine parlamentarische Anfrage hin mitgeteilt, wie viele Prostituierte derzeit in Berlin Steuern nach dem „Düsseldorfer Modell“, einer Art freiwilliger Steuerpauschale für Prostituierte, abführen – und das sind viel weniger als erwartet.

Nachgefragt hatte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe. Demnach gibt es laut Senatsverwaltung in Berlin (Stand Oktober 2019) insgesamt 217 Prostituierte, die am „Düsseldorfer Verfahren“ teilnehmen. Im Rahmen dessen sollen Prostituierte Tagespauschalen an den Bordellbetreiber zahlen können, der dann wiederum das Geld an das Finanzamt weiterleitet.

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Dafür sollen die Betreiber eine Liste mit dem Anwesenheitsnachweis und dem Namen der Prostituierten führen. Am Ende des Jahres sollen diese Vorauszahlungen mit den Einnahmen laut Steuererklärung verrechnet werden. Mit den Vorauszahlungsverfahren wollen die Finanzämter an die Milliardenumsätze im Rotlichtbereich heran. Denn vieles läuft in dem Gewerbe bar und ist damit schwer nachprüfbar. Soweit die Theorie.

In den Sommermonaten sind die Einnahmen höher

In der Millionenmetropole Berlin ist die Ausbeute allerdings sehr überschaubar – und viel geringer als von Experten angenommen. Laut Senatsverwaltung pendeln die monatlichen Steuereinnahmen zwischen 47.000 Euro und 62.000 Euro.

In den Sommermonaten liegen die Einnahmen konstant über 50.000 Euro und fallen im Oktober wieder darunter. Hochgerechnet ergeben sich im Jahr damit Einnahmen von 600.000 Euro, die durch das „Düsseldorfer Modell“ in die Stadtkasse fließen. Noch vor drei Jahren lagen die Zahlen bei etwa einer Million Euro.

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Tatsächlich gibt es in Berlin aber etwa 200 genehmigte Bordelle. Insgesamt sind sogar knapp 2000 Sexarbeiterinnen gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Prostituierten in der Stadt ist aber noch einmal weitaus höher. Schätzungen gehen von bis 8000 bis 10.000 Prostituierten in Berlin aus. Doch Kontrollen sind schwierig.

Gesetz: Sexarbeiter sind verpflichtet ihre Tätigkeit anzumelden

Mit der Novellierung des Prostituiertengesetzes (ProstG) im Jahr 2017 sollten Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen eigentlich dazu verpflichtet werden, ihre Tätigkeit persönlich anzumelden und sich einem Gesundheitscheck zu unterziehen.

Innenpolitiker Luthe beklagt nun: „Ebenso wenig wie den illegalen Drogenhandel bekämpft der Senat illegale Straßenprostitution und Zuhälterei, denn er interessiert sich nicht einmal für die notwendigen Kontrollen.“ So könnten „Berufsverbrecher“ weiter von staatlicher Kontrolle ungestört unter aller Augen und mitten in Berlin viel Geld täglich verdienen, während der Senat sogar noch die Infrastruktur dafür stellen will.

„Dass niemand sich dafür zu interessieren scheint, wie hoch die Einnahmen aus illegaler Straßenprostitution sind und wohin diese fließen, ist schlicht grotesk“, sagte Luthe der Berliner Morgenpost. Gerade auf dem Straßenstrich an der Kurfürstenstraße fänden kaum behördliche Kontrollen statt. Luthe wollte etwa wissen, wie hoch die Einkünfte der Sexarbeiterinnen an der Kurfürstenstraße sind. Antwort: Der Senat könne dazu keine validen Aussagen treffen.