Klimaschutz

"Fridays For Future": Zehntausende bei Großdemonstration

"Fridays For Future" hat wieder Zehntausende Menschen in Berlin auf die Straße gebracht. Es kam zu vielen Verkehrseinschränkungen.

Seeed spielt für Fridays for Future

Der Auftritt am Freitag ist Teil eines globalen Klimastreiks, zu dem Klimaschutzinitiativen vor der UN-Klimakonferenz in Madrid aufrufen.

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Berlin. Eine kritische Bemerkung konnte sich Peter Fox, Frontsänger von Seeed, nicht verkneifen. „Es wäre natürlich noch krasser, ihr würdet samstags demonstrieren, dann könnte keiner mehr etwas sagen“, erklärte der Musiker am Brandenburger Tor in Richtung der demonstrierenden Schüler vor der Bühne. Diese zeigten sich davon unbeeindruckt. Sie gingen auch dieses Mal – wieder freitags – auf die Straße.

In Massen folgten sie dem Aufruf von „Fridays for Future“ (FFF) zum vierten globalen Klimastreik, einem weltweiten Aktionstag anlässlich des Weltklimagipfels, der am Montag in Madrid beginnt. Rund 60.000 Menschen zogen laut Veranstalter am Freitagnachmittag durch Berlin. Die Polizei sprach von Teilnehmern „im Bereich der angemeldeten Zahl“, sprich: etwa 50.000 Demonstranten.

Offen schien zuletzt, wie viel Leben in der Klimabewegung noch steckt. Als die Bundesregierung im September ihr Klimapaket vorstellte, gingen zeitgleich alleine in Berlin 270.000 Menschen auf die Straße. Die Bewegung schien auf ihrem Höhepunkt. Was sollte da noch kommen? Mit der Großdemonstration in Berlin am Freitag zeigten die Klimaprotestler eindrucksvoll: Sie sind noch da – und haben viel Ausdauer mitgebracht.

„Fridays for Future“ in Berlin - die besten Bilder

„Fridays for Future“ in Berlin: Demonstranten fordern "Neustart" bei der Klimapolitik

Vor dem Brandenburger Tor und beim anschließenden Umzug durch Berlins Mitte forderten sie einen „Neustart“ bei der Klimapolitik in Deutschland. Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichten nicht aus, um das globale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, lautete die Kritik. „Wir sind hier, weil wir das Klimapäckchen Scheiße finden“, sagte FFF-Sprecher Maurice Conrad auf der Kundgebung. Gemeint war das Klimapaket der Bundesregierung, das der Bundesrat am Freitag teilweise stoppte. „Es macht mich wütend, dass wir immer noch hier sind, weil zu wenig passiert ist“, sagte Conrad und erklärte, es sei nicht das Ende der Klimabewegung. „Wir haben gerade erst angefangen.“

Greta grüßt von hoher See
Greta grüßt von hoher See

Bei eisigem Wind heizte auf der Bühne unter anderem die Berliner Band Seeed den Demonstranten ein. Trotz seiner Kritik an Wochentag der Aktion machte Peter Fox deutlich, dass er die Anliegen der Klimastreiker unterstütze. Der Druck aus der Bevölkerung müsse nicht nur aufrecht erhalten werden, sondern zunehmen, sagte er. An die Politik gerichtet forderte Fox: „Wir haben eine positive Einstellung und sagen: Bitte mutet uns mehr zu.“

Zuvor hatte bei der Auftaktkundgebung bereits Maja Göpel, Mitinitiatorin von „Scientists for Future“ gesprochen. Der Klimawandel sei kein Umwelt-, sondern ein Gesellschaftsproblem, erklärte sie. „Wir haben die Macht, die Dinge zu verändern.“ Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) forderte die Bundesregierung auf, das Ziel der Schwarzen Null aufzugeben und stattdessen stärker in Zukunftstechnologien zu investieren. Der Gewerkschafter machte deutlich, dass die Umweltthema auch eine soziale Dimension habe. „Wir brauchen Klimagerechtigkeit, und die müssen wir mit sozialer Gerechtigkeit in Europa und weltweit durchsetzen.“

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„Fridays for Future“: In der Berliner Innenstadt kam es zu langen Staus

Dazu waren auch an diesem Freitag wieder Tausende Schüler trotz Schulpflicht erschienen – teils in Begleitung ihrer Eltern. Susanne Nissen war mit ihren Kindern Margarita (9) und Victor (7) vor das Brandenburger Tor gekommen, genau wie deren gesamte SchulKlasse der Grundschule am Koppenplatz. „Wenn die Kinder keine Zukunft haben, gibt es auch keinen Grund in die schule zu gehen“, sagte sie. Die Mutter sei bereits zum dritten Mal mit ihren Kindern bei den Demonstrationen dabei gewesen. Einen Grund damit aufzuhören, gebe es für sie nicht. „Es ist ja noch nichts Wesentliches passiert, damit die Klimaziele eingehalten werden.“

Überhaupt zeigt sich der freitägliche Protest längst nicht mehr als Schülerveranstaltung. Neben zahlreichen Eltern waren Tausende Studenten und weitere Erwachsene mit dabei. Folgen hatte der Protest am Freitag zunächst vor allem für Autofahrer. Die Kundgebung und der Demonstrationszug sorgten am Nachmittag für erhebliche Behinderungen auf den Straßen. Teils verlängerte sich der Verkehr in Moabit bis zu 40 Minuten. Linienbusse mussten den Betrieb vorübergehend einstellen.