Rückzug aus Berlin

Strategiewechsel bei Bosch - Coup stellt Service ein

Der Berliner E-Motorroller-Anbieter Coup stellt sein Geschäft ein. Grund dafür ist auch ein Strategiewechsel des Mutterkonzerns Bosch.

E-Motorroller getestet vom ADAC

Der ADAC hat sieben E-Roller zwischen in der Preisklasse von etwa 2.300 und 6.400 Euro getestet, die eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h erreichen.

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Berlin. Der E-Motoroller-Anbieter Coup gibt auf. Wie das Unternehmen am Montagnachmittag verkündete, solle der Dienst in Berlin bis Mitte Dezember eingestellt werden. Coup, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen des deutschen Industriekonzerns Bosch, war auf den Berliner Straßen zuletzt mit 1500 E-Motorrollern vertreten.

Neben Berlin war das Unternehmen auch im baden-württembergischen Tübingen aktiv. Weitere Standorte befanden sich zudem in den europäischen Hauptstädten Paris und Madrid.

Als Grund für den Rückzug vom Markt nannte die Firma den zunehmenden Wettbewerb. „Eine Fortführung von Coup ist auf dem hart umkämpften Sharing-Markt bei gleichzeitig hohen Kosten langfristig wirtschaftlich nicht möglich“, sagte eine Sprecherin der Berliner Morgenpost.

Neben dem Aufladen und Warten der Roller hätten sich auch die Kosten für den Kundenservice nur über das Ausleihen der Roller nicht refinanzieren lassen, so die Sprecherin.

Coup-Aus auch Folge eines Strategiewechsels bei Eigentümer Bosch

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, ist aber auch ein Strategiewechsel des Mutterkonzerns Bosch für den plötzlichen Marktaustritt von Coup verantwortlich. „Wir haben entschieden, dass wir strategisch das Geschäftsfeld Mobilitätsdienstleistungen für Endkunden nicht weiter verfolgen werden“, bestätigte eine Bosch-Sprecherin auf Anfrage. Zulieferer von Mobilitätslösungen für Anbieter wie Uber oder Lyft wolle der Konzern hingegen weiter sein, betonte die Sprecherin. „Wir haben aber gelernt, dass wir dafür nicht zwingend selbst Mobilitätsdienstleister sein müssen“, sagte sie.

Von dem Kurswechsel ist neben Coup auch die US-amerikanische Beteiligung SPLT betroffen. Die Mitarbeiter des Carpooling-Start-ups seien bereits am Freitag über das Aus informiert worden, so die Sprecherin. Bosch hatte das Mobilitäts-Start-up erst im Februar 2018 übernommen.

Wegen des drohenden Rückzugs von Bosch als Eigentümer hatte das Coup-Management in Berlin nach Morgenpost-Informationen in den vergangenen Monaten noch versucht, einen neuen Investor zu finden.

Hintergrund: Weltweit gigantisches Wachstum bei Elektro-Leihrollern

Sharing-Konkurrenz in Berlin zuletzt gewachsen

Der Sharing-Markt in Berlin war in den vergangenen Monaten rasant gewachsen. Neben neuen Car-Sharing-Anbieter wie etwa WeShare von Volkswagen waren auch zahlreiche E-Scooter-Anbieter wie Circ, Lime oder Tier Mobility neu in die Stadt gekommen. Auf dem Markt für E-Motoroller war zuletzt neben Coup noch Emmy aktiv. Das Berliner Start-up ist deutschlandweit in mehreren Städten aktiv. Mehr als 2000 Roller zählen zur Flotte, etwa 800 davon in Berlin.

Emmy-Chef Valerian Seither zeigte sich auf Anfrage der Morgenpost überrascht über den Rückzug des Konkurrenten. „Diesen Schritt haben wir nicht erwartet“, sagte er. Emmy habe den Wettbewerb mit Coup stets sportlich fair gehalten. „Wir bedauern es, dass sie aus dem Markt gehen“ so Seither.

Coup-Konkurrent Emmy bedauert Marktaustritt

Die angeführten wirtschaftlichen Gründe für das Aus könne er allerdings nicht nachvollziehen. Aufwand für Service und Wartung der Roller seien zwar hoch. Emmy selbst habe aber die eigene Effizienz Jahr für Jahr verbessern können, erklärte der Gründer des Start-ups. Sein Unternehmen sei zwar aufgrund des eingeschlagenen Expansionskurs noch nicht profitabel. Grundsätzlich sei das Geschäftsmodell aber wirtschaftlich darstellbar, so Seither.

Emmy hatte erst in diesem Jahr eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Ob sein Unternehmen nach dem Austritt von Coup aus dem hiesigen Markt die eigene Flotte in Berlin erweitern werde, sei noch offen. „Wir schauen uns den neuen Sachverhalt genau an“, sagte Seither.

75 Coup-Mitarbeiter in Berlin verlieren ihren Job

Das Aus von Coup trifft auch die Belegschaft an drei Standorten hart. Die Bosch-Tochter beschäftigt derzeit in Berlin, Paris und Madrid rund 120 Mitarbeiter. Am Hauptsitz in der deutschen Hauptstadt sei die Belegschaft am Montagmorgen über das Aus des Angebots informiert worden. Kündigungen würden zunächst nicht ausgesprochen, sagte die Sprecherin.

Die Mitarbeiter sollen Unterstützung bei der Vermittlung auf andere Arbeitsplätze erhalten. Sei dies nicht möglich, würden Abfindungen gezahlt, so die Sprecherin.

Zahlen, wie viele Kunden die Coup-Roller zuletzt genutzt hatten, will das Unternehmen nicht nennen. Für die Kunden dürfte der Rückzug von Coup aber überraschend kommen. Erst Anfang Oktober hatte Coup noch verkündet, das Geschäftsgebiet testweise auf die Ortsteile Lichtenberg, Süd-Neukölln, Friedenau, Schmargendorf und Steglitz erweitern zu wollen.

Das Unternehmen wies daraufhin, dass der Service bis Mitte Dezember noch weiter genutzt werden könne. Nutzer die noch im Besitz verbrauchter Minutenpakete sind, könnten sich die Kosten dafür erstatten lassen. Der Kundenservice des Unternehmens sei wie gewohnt erreichbar.