Musikpreis

International Music Award: Premiere mit vielen Stars

Nach dem Aus für den Echo wird in der Verti Music Hall ein neuer Musikpreis vom Fachmagazin „Rolling Stone“ verliehen.

Berlin. Deutschland und sein wichtigster Musikpreis – diese Geschichte hatte 2018 kein gutes Ende genommen. Die Verleihung des Echo an die Rapper Kollegah und ­Farid Bang, die zuvor mit einem Song mit der Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ für Schlagzeilen gesorgt hatte, versetzte der skandalgebeutelten Auszeichnung der Deutschen Phono-Akademie endgültig den Todesstoß.

Am Freitagabend wurde in der Verti Music Hall am Mercedes-Platz in Friedrichshain nun zum ersten Mal der International Music Award (IMA) verliehen. Ein Preis ohne Skandale, ein Musikpreis von Leuten, die Musik lieben – für Leute, die Musik lieben, der erste deutsche Musikpreis, dessen wichtigste Kriterien Leidenschaft, Haltung und Innovation sind, hatte das ausrichtende Musikmagazin „Rolling Stone“ vorab versprochen.

„Beim IMA zählt nicht allein der kommerzielle Erfolg, sondern vor allem die künstlerische Relevanz“, so Chefredakteur Sebastian Zabel. „Wir wollen Künstlerinnen und Künstler auszeichnen, die mit ihrer Musik für Innovationen und Wagemut, Haltung und Engagement stehen, die aber auch den Sound, die Technik und die Perspektiven von morgen prägen.“

International Music Award (IMA) in der Verti Music Hall: Sting für Lebensleistung ausgezeichnet

Weg von Preisen, die nur von Verkaufszahlen erzählen, näher heran an die Kunst also. Dieser Anspruch wurde von Preisträgern wie Holly Herndon (Kategorie „Future“), Anna Calvi (Kategorie „Sound“) und Tierra Whack (Kategorie „Visuals“) auch tatsächlich eingelöst. Gewählt wurden sie von einer Jury aus internationalen und nationalen Künstlern sowie Musikexperten. Darunter Liam Gallagher, Lianne La Havas, Rufus Wainwright und Joy Denalane.

Bereits vorab hatten Sting und Rammstein als Preisträger festgestanden. Die deutsche Band erhielt den Award in der Publikumskategorie „Performance“. Da Rammstein sich aktuell in einer kreativen Pause befinden, übernahm die kanadische Elektroclash-Künstlerin Peaches neben der Laudatio die Performance des Hits „Du hast“ gleich mit.

Der britische Weltstar Sting wurde in der Kategorie „Hero“ für seine Lebensleistung ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Udo Lindenberg: „Jeder, der ein Herz hat, liebt deine Musik. Du bist eine lebende ­Legende.“ Sting bedankte sich mit einer Rede auf Deutsch: „Ich fühle mich geehrt, auch wenn ich mich selbst nie als Held gesehen habe. Meine Helden sind die Beatles, David Bowie und natürlich Udo Lindenberg.“ Lindenberg selbst erhielt einen Sonderpreis für Courage und sang „Niemals dran gezweifelt“, den Titelsong zum Film „Lindenberg! Mach dein Ding!“.

Technische Probleme wurden charmant wegmoderiert

Live-Auftritte gab es von Udo Lindenberg, Rea Garvey, The Rose, Iggy Azalea mit einer Weltpremiere ihrer Single „Lola“ sowie Max Herre und Joy Denalane. Die gemeinsamen Söhne fänden die Musik der Eltern übriges nur annehmbar, verriet Herre auf dem roten Teppich. Dort hatten auf dem Weg in die Konzerthalle auch prominente Gäste wie die Schauspieler Sonja Gerhardt, Daniel Donskoy, Tim Oliver Schultz und August Wittgenstein sowie die Musiker Yvonne Catterfeld und Heiko und Roman Lochmann gefroren. „Ich freue mich vor allem auf die Aftershowparty“, sagte Choreografin Nikeata Thompson.

Durch den Abend führten Model Toni Garrn und US-Schauspieler Billy Porter – ganz international auf Deutsch und Englisch. In dieser Kombination gab es nicht nur zahlreiche glamouröse Bühnenoutfits und einen Catwalk-Wettbewerb, sondern auch starke Worte. „In den 80er-Jahren war es nicht besonders populär, ein schwuler schwarzer Mann zu sein. Deshalb verschwendete ich sehr viel Zeit damit, vermeintliche Männlichkeit vorzutäuschen“, so Porter. „Das hat nicht so gut geklappt, wie ihr seht. Deshalb: Seid ihr selber. Jeder andere ist schon vergeben.“

Ganz glatt ging bei der Premiere nicht alles. Technische Pro­bleme führten zwischenzeitlich zu Verzögerungen, wurden von den Gastgebern aber charmant wegmoderiert.

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