Parken in Berlin

Verbände wollen 60.000 Parkplätze jährlich reduzieren

Ein Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl an Autos zu reduzieren. Um das zu erreichen, sollen die Parkplätze verknappt werden.

Ein Bündnis will jährlich die Parkplätze in Berlin reduzieren.

Ein Bündnis will jährlich die Parkplätze in Berlin reduzieren.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Ein Bündnis aus sieben Verkehrs- und Umweltverbänden fordert, die Zahl der Parkplätze in Berlin jährlich um 60.000 zu reduzieren. Die Forderung ist Teil einer Liste von sieben Maßnahmen, die die Verbände und Initiativen am Mittwoch vorgestellt haben.

Ziel des Verbandes: Zahl der Autos in Berlin bis 2030 halbieren

„Wir müssen das Luxusleben für Autos verknappen“, sagte Frank Masurat, Vorstand beim Fahrradverband ADFC Berlin. In Berlin gäbe es viel zu viele Fahrzeuge, „und es werden immer noch mehr und größere“. Ziel sei deshalb, die Zahl der Autos in Berlin bis 2030 zu halbieren. Dafür müssten rund 600.000 der gegenwärtig etwa 1.200.000 Millionen Fahrzeuge in der Hauptstadt abgeschafft werden.

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Wie viele Parkplätze es derzeit in Berlin gebe, sei unklar, sagte Masurat. Die Verbände schätzten, dass sich deren Fläche jedoch auf das viereinhalbfache des Tempelhofer Feldes summiere. „Das ist ein irrsinniger Flächenbedarf“, so Masurat. Anstelle von Parkplätzen sollten gesonderte Haltezonen für den wachsenden Lieferverkehr, sowie breitere Radwege und Abstellplätze für Fahrräder und E-Scooter geschaffen werden. Es solle jedoch auch Platz für mehr Bänke und eine höhere Aufenthaltsqualität geben, sagte der ADFC-Vorstand.

Vorhandene Parkplätze in Parkhäusern sollen besser genutzt werden

Es gehe dabei nicht darum, Parkplätze grundsätzlich abzuschaffen, sagte Tim Lehmann vom Institut für urbane Mobilität. Stattdessen sollten gerade die vorhandenen Parkplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen besser genutzt werden. „Es wird typischer sein, in der Tiefgarage zu parken als heute“, sagte Lehmann. In den meisten Städten sei das heute schon längst üblich.

Trotz der deutlichen Ansage sollte die Forderung nicht als Kampfansage an Autofahrer verstanden werden,beteuerte Tilmann Heuser, vom BUND. „Wir arbeiten uns nicht permanent am Auto ab, sondern wollen zeigen, wie die Stadt von morgen aussehen kann.“ Man wolle „Autos und Stadt und den Blick auf ein lebendiges Berlin zusammendenken“, erklärte Peter Fuchs vom Energiewendeverein Powershift.

Ziel sei, die Kraftfahrzeuge in der Stadt effizienter als heute zu nutzen. Im Berliner Zentrum etwa, könne dieselbe Mobilität wie heute erreicht werden, wenn nur jeder zwanzigste Wagen vorhanden wäre, dafür jedoch effizienter genutzt, haben die Verbände errechnet. Die Schlussfolgerung dessen wäre das Ende des nur privat genutzten Autos.

Forderung: Durchgangsverkehr in Wohnquartieren stoppen

Dieser Wandel, so die Verbände, sei nur durch bessere Angebote für den öffentlichen Personennahverkehr und Radfahrer alleine nicht zu erreichen. Entsprechend ist auch die zweite Forderung dazu angedacht, es unkomfortabler zu machen, mit dem eigenen Pkw zu fahren.

Konkret fordern die Verbände, den Durchgangsverkehr in Wohnquartieren zu stoppen. Neue Wohnblocks sollten demnach von vornherein autofrei geplant werden, sagte Heiner von Marschall vom VCD. In bestehenden Quartieren sollten nach und nach Diagonalsperren, wie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sie zuletzt im Samariterkiez in Friedrichshain aufgestellt hatte, die Durchfahrt verhindern.

„Unsere Straßen sind öffentlicher Raum für alle und insofern auch Lebensraum“, sagte von Marschall. Wolle man Straßen wie die Friedrichstraße beleben, so dort kein Platz mehr für Autos. Sichergestellt werden müsse allerdings, dass die Straßen auch weiterhin für Notfälle oder die BSR erreichbar blieben.

Tempo 30 auf Hauptstraßen

Zudem solle Tempo 30 auf Hauptstraßen zur Regelgeschwindigkeit werden. Der Verkehr solle dadurch sicherer werden, so von Marschall. Daneben verspreche man sich sauberere Lust und Lärmschutz sowie insgesamt „ein weniger bedrohliches Ambiente“.

Damit die Berliner auch ohne eigenes Auto an ihr Ziel kommen, so die Vision, sollten Carsharing-Fahrzeuge über Konzessionen mit dem Senat effizient geplant werden. „Es ist nicht so, dass es zukünftig keine Autos mehr geben wird“, sagte Ragnhild Sorensen von Changing Cities.

Die dann bestehenden Carsharing-Angebote müssten im Gegensatz zu heute jedoch die gesamte Stadt abdecken. „Kaulsdorf und Malsdorf müssen genauso wie das Zentrum bedient werden“, erklärte Sorensen. Ohne Konzessionen machten dies die Anbieter heute nicht.

Strenge Regeln sollten künftig auch für autonome Fahrzeuge gelten: Deren Halter sollten rechtlich verpflichtet werden, die selbstfahrenden Autos zu teilen um Leerfahrten zu vermeiden, so Sorensen.

Zuletzt forderten die Verbände, Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2030 in Berlin zu verbieten. „2030 ist in 11 Jahren, da hat jetzt jeder die Möglichkeit, sich drauf einzustellen“, so Tilmann Heuser vom BUND.

BVG arbeitet schon heute an Belastungsgrenze

Offen ist, wie die wachsende Zahl an Berlinern durch die Stadt transportiert werden soll, obwohl etwa die BVG schon heute an ihrer Belastungsgrenze arbeitet und sich neue U-Bahnzüge und ganze Tramlinien immer wieder verzögern. Die Verbände erklärten, dass sich dieses Problem durch massive Investitionen in den kommenden Jahren lösen werde.

Die einzelnen Verbände hatten zuletzt immer wieder die Arbeit der von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) geführten Senatsverkehrsverwaltung kritisiert. Wahlweise dauerten Maßnahmen zu lange, fielen zu kleinteilig aus oder seien schlecht umgesetzt, so die Kritik.

„Rot-rot-grün handelt nicht so, als das es den Autoverkehr zurückdrängen würde“, sagte Uwe Hiksch vom Verein Naturfreunde Berlin. Die neuen Forderungen adressierten die Redner jedoch explizit an die gesamte Berliner Politik, Senat, Bezirke, Parteien.