BVG

U-Bahn - Wo Fahrgäste schnelleres Internet bekommen

Die schnelle Netzverbindung soll zunächst auf vier Linien ausgeweitet werden, außerdem im Bahnhof Alexanderplatz.

Ein Mann hält ein iPhone in der Hand. Das Mobilfunknetz in der Berliner U-Bahn soll für mehr Kunden deutlich besser werden.

Ein Mann hält ein iPhone in der Hand. Das Mobilfunknetz in der Berliner U-Bahn soll für mehr Kunden deutlich besser werden.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Berlin. „Kein Netz!“ Diese enttäuschende Erfahrung sollen künftig nicht mehr allzu viele Fahrgäste in der Berliner U-Bahn machen. Möglich wird dies durch eine Zusammenarbeit der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit den drei größten Mobilfunkanbietern in Deutschland.

Telefónica Deutschland ist bereits seit 2016 dabei, im Tunnelnetz der Berliner U-Bahn moderne Technik für eine schnelle Datenkommunikation zu installieren. Bisher konnten davon allerdings nur die Kunden der eigenen Mobilfunk-Marken wie O2, Blau, Fonic oder Tchibo Mobil davon profitieren. Künftig können auch Kunden der Deutschen Telekom und von Vodafone auf diese Infrastruktur zugreifen. Am Dienstag wurde das Angebot von Vertretern der BVG und den drei Anbietern vorgestellt.

Auf diesen Berliner U-Bahnlinien soll das schnelle Internet verfügbar sein:

  • U2 (Pankow bis Stadtmitte)
  • U5 (Alexanderplatz bis Tierpark)
  • U7 (Gneisenaustraße bis Rudow)
  • U8 (Bernauer Straße bis Hermannstraße)
  • im U-Bahnhof Alexanderplatz

Mit der auch als 4G bezeichneten Datengeschwindigkeit ist es möglich, Filme zu streamen, Mails zu checken oder auch online Zeitung zu lesen. Voraussetzungen dafür sind ein LTE-fähiges Smartphone oder Tablet sowie ein entsprechender Datenvertrag.

Trotz der Begrenztheit des aktuellen LTE-Angebots wird für BVG-Chefin Sigrid Nikutta ein lange gehegter Traum Wirklichkeit. „Der Wunsch nach schnellem Internetzugang in der U-Bahn ist einer, der mich die ganze Zeit begleitet“, sagte die Managerin, die das landeseigene Unternehmen zum Jahresende in Richtung Bahnvorstand verlässt.

Zwar steht den BVG-Kunden seit 2016 in fast allen U-Bahnhöfen ein kostenloser Internet-Zugang per Wlan zur Verfügung, doch in den Zügen hatte ein Großteil der Fahrgäste bislang keinen oder keinen guten Empfang. Vor allem aus Kostengründen hat die BVG eine teure Nachrüstung der Wagen mit Wlan-Technik abgelehnt, stattdessen sah sie die Mobilfunkanbieter dafür in der Pflicht, da diese schließlich auch von der Datennutzung profitieren würden.

U-Bahn Berlin - Einigung auf schnelles Internet für alle

Nach monatelangen Verhandlungen einigte sich Telefónica im Juli mit der Telekom und Vodafone auf „schnelles Internet für alle“. Dazu schaltet Telefónica die LTE-Technik der beiden anderen Anbieter mit der eigenen vorhandenen Mobilfunk-Infrastruktur zusammen. Vodafone und Telekom zahlen für diese Leistung und beteiligen sich damit auch an den Kosten des weiteren Ausbaus.

Bei einer Probefahrt auf der Linie U8 zeigte sich Vodafone-Regionalleiter Gerd von Osten zufrieden mit dem Ergebnis. Der Speedtest auf dem Handy zeigte eine „sehr hohe Internetgeschwindigkeit“ an. „Und das bei einem fast vollen Zug“, so von Osten.

Umrüstung des ganzen Netzes der U-Bahn dauert zwei Jahre

Laut Telefónica-Regionalmanager Marcus Thurand wird es voraussichtlich etwa zwei Jahre dauern, bis das gesamte Berliner U-Bahnnetz umgerüstet ist. Die lange Dauer begründeten die Telefónica-Vertreter damit, dass unter anderem Räume eingerichtet werden müssen, wo die Technik der drei Unternehmen zusammengeschaltet wird. Bauarbeiten dafür seien oftmals nur in den nächtlichen Betriebspausen der U-Bahn möglich. Auch der Denkmalschutz, unter dem inzwischen ein Großteil der Berliner U-Bahnhöfe stehen, erfordere zeitaufwendige Planungen und Bauvorbereitungen.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) begrüßte die Initiative. Die zuverlässige Verfügbarkeit von großen Bandbreiten sei für die Stadt von großer Bedeutung. „Ich freue mich, dass immer mehr Berlinerinnen und Berliner die Zeit in der U-Bahn für Information und Unterhaltung nutzen können“, sagte die Senatorin, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der BVG ist.

Noch vor einem Jahr hatte Pop eine millionenschwere Förderung für das Projekt in Aussicht gestellt. Es habe sich aber schnell herausgestellt, dass eine finanzielle Unterstützung durch das Land Berlin zu keiner Beschleunigung des Prozesses führt, sagte ein Sprecher der Senatswirtschaftsverwaltung. Sämtliche Kosten für den LTE-Ausbau in der Berliner U-Bahn und dem Betrieb des Netzes würden durch Telefónica und die anderen Mobilfunknetzbetreiber getragen.