Bahnverkehr

Interregiozug Berlin – Hamburg wird teurer

Eigentlich soll Bahnfahren günstiger werden. Doch nun erhöht die Bahn die Ticketpreise für den IRE, der Berlin und Hamburg verbindet.

Der Interregio-Express (IRE) zwischen Berlin und Hamburg ist zwar langsamer als ein ICE, aber bislang auch deutlich billiger.

Der Interregio-Express (IRE) zwischen Berlin und Hamburg ist zwar langsamer als ein ICE, aber bislang auch deutlich billiger.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hannibal Hanschke

Berlin. Der Interregio-Express (IRE) zwischen Berlin und Hamburg gilt für viele Reisende als Geheimtipp. Gerade einmal 19,90 Euro kostet die einfache Fahrt in dem im Vergleich zum schnellen ICE deutlich langsameren, aber eben auch deutlich preisgünstigeren Zug, in dessen Waggons es sogar Wlan gibt. Doch nun will die Deutsche Bahn den Ticketpreis für eine Einzelfahrt erhöhen – zumindest an den besonders nachgefragten Tagen Freitag, Sonnabend und Sonntag.

Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage bestätigte, soll der Fahrpreis an diesen Tagen für die einfache Fahrt im IRE Berlin–Hamburg zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember um drei Euro auf dann 22,90 Euro steigen. Das ist ein Aufschlag um immerhin 15 Prozent. Die IRE-Preise für die Angebote unter der Woche werden nicht erhöht. Allerdings wird das besonders preisgünstige Ticket für die Hin- und Rückfahrt für 29,90 Euro komplett gestrichen. Damit würden Hin- und Rückfahrt mindestens 39,80 Euro, also fast zehn Euro mehr als derzeit, kosten.

IRE zwischen Berlin und Hamburg: Preispolitik der Bahn überrascht

Nach Ansicht des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) droht der IRE zwischen Berlin und Hamburg damit, auf das Abstellgleis zu fahren. „Gerade angesichts der vielen Ausfälle in der jüngsten Zeit muss der angekündigte Wegfall des Hin- und Rückfahrtarifes noch einmal überdacht beziehungsweise korrigiert werden“, fordern jetzt der DBV-Landesvorsitzende Michael Wedel sowie Christian Schultz von DBV-Bundesvorstand.

Die Preiserhöhung, die von der Bahn offiziell noch nicht kommuniziert wurde, kommt für Beobachter aber auch in anderer Ansicht überraschend. Denn angesichts der anhaltenden Forderungen nach mehr Klimaschutz hatte der Vorstandschef der bundeseigenen Deutschen Bahn, Richard Lutz, nicht nur angekündigt, die vom Bundestag beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer für Fernverkehrstickets voll an die Reisenden weiter zu geben.

Auch die traditionell zum Fahrplanwechsel vollzogene Preiserhöhung für Bahntickets sollte in diesem Jahr ausfallen. Erklärtes Ziel der Bahn ist, deutlich mehr Menschen davon zu überzeugen, das eigene Auto stehen zu lassen oder auf den Inlandsflug zu verzichten und für die Reise quer durch Deutschland stattdessen in den Zug einzusteigen.

Deutsche Bahn: Umweltfreundlichkeit mit Imagekampagne betont

Bereits im September startete Lutz dafür eine Image-Kampagne, mit der – etwa durch einen grünen Streifen am ersten ICE-Wagen – die Umweltfreundlichkeit des Verkehrsmittels betont wird. Preiserhöhungen könnten da eher abschreckend wirken.

Eine Strategie, die für den IRE Berlin – Hamburg offenbar nicht gilt. Der Bahnsprecher verweist darauf, dass der IRE kein Angebot des Fernverkehrs, sondern ein eigenwirtschaftlich betriebenes Sonderprodukt von DB Regio Nordost ist. Die in Potsdam ansässige Bahntochter kümmert sich in erster Linie um den Regionalverkehr, der von Berlin, Brandenburg, Sachsen-Ahnhalt und Mecklenburg-Vorpommern bestellt und auch bezahlt wird. Am bekanntesten ist der Regionalexpress RE1, der Berlin mit Potsdam, Brandenburg/Havel, Magdeburg und in östlicher Richtung mit Fürstenwalde und Frankfurt (O.) verbindet.

Seit 2014 lässt DB Regio in Eigenregie auch bis zu zweimal täglich den IRE zwischen Spree und Alster fahren. Mit dem Angebot reagierte die Bahn auch auf den Boom im 2013 liberalisierten Fernbusmarkt. Preissensiblen Reisenden sollte auf der Schiene eine Alternative zum auf der Strecke Berlin–Hamburg recht teuren ICE angeboten werden.

Erste Fahrpreiserhöhung seit fünf Jahren für den IRE

Laut dem Bahnsprecher ist die für Dezember angekündigte Fahrpreiserhöhung für den IRE die erste seit fünf Jahren. Und er hat auch gute Nachrichten: So soll es auch künftig für den IRE ein besonders günstiges Ticket geben. Das Spezialticket werde weiterhin für 14,90 Euro pro Person und pro Fahrt angeboten. Online-Kontingente für Fahrten ab Dezember seien auf der Webseite von DB Regio freigeschaltet worden.

Zudem soll die Mehrwertsteuerabsenkung auch im Nahverkehr für Strecken über 50 Kilometer, auf denen bislang der Steuersatz von 19 Prozent gilt, an die Kunden weitergeben werden.

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