Alarmierend

Im Katastrophenfall: Berlin hat zu wenig Trinkwasser-Brunnen

Im Katastrophenfall kann die Bevölkerung in Berlin nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden. Es fehlen mehr als 1000 Brunnen.

Derzeit gibt es in Berlin  insgesamt 2070 Straßenbrunnen, 1169 von ihnen befinden sich im Besitz des Landes (Archivbild).

Derzeit gibt es in Berlin insgesamt 2070 Straßenbrunnen, 1169 von ihnen befinden sich im Besitz des Landes (Archivbild).

Foto: Reto Klar

Berlin. In Berlin fehlen mehr als 1000 Brunnen, die die Bevölkerung im Katastrophenfall mit Wasser versorgen. „Der Bestand wird als nicht ausreichend bewertet“, heißt es in der Antwort der Umweltverwaltung auf eine Anfrage der SPD. Demnach gibt es in Berlin derzeit insgesamt 2070 Straßenbrunnen, 1169 von ihnen befinden sich im Besitz des Landes, die übrigen gehören dem Bund. Aber bei nur 624 Anlagen ist die Qualität ausreichend, um als Notwasserbrunnen zur Verfügung zu stehen.

Tatsächlich müssten viel mehr Brunnen vorhanden sein, um die Bevölkerung mit ausreichend Wasser zu versorgen, sollte das reguläre Wassernetz nach einer Katastrophe oder einem Terroranschlag ausfallen. „Bereits das vorliegende Konzept zur Trinkwassernotversorgung von 2009 weist einen Fehlbestand von 1000 Brunnen aus“, heißt es in der Antwort der Senatsverwaltung. „Deren Anzahl dürfte mittlerweile um einiges höher sein.“

Der Bund stellt nicht genug Geld für Brunnen in Berlin zur Verfügung

Vor allem wegen des anhaltenden Bevölkerungswachstums – um mehrere hunderttausend Menschen seit 2009 – sei eine viel höhere Anzahl notwendig. Gleichzeitig ist nicht bekannt, wie viele Brunnen genau funktionsfähig sind. „Dem Senat ist bekannt, dass in den Berliner Bezirken ein hoher Bedarf bezüglich der notwendigen Reparaturen und Neubauten von Straßenbrunnen für die Jahre 2018 bis 2021 besteht“, heißt es in der Antwort weiter. Allerdings fehle seit zehn Jahren die Zusicherung des Bundes, entsprechende Mittel für die Bundesbrunnen bereitzustellen.

„Das sind alarmierende Zahlen“, sagt der Umweltexperte der SPD-Fraktion, Daniel Buchholz. „Ganz offensichtlich schaffen es weder die Bezirke noch das Land und der Bund, die Notfallbrunnen in Berlin instand zu halten.“ Es sei noch nicht überall angekommen, dass es wichtig für die Versorgung der Bevölkerung im Katastrophen- oder Terrorfall sei, über intakte Brunnen zu verfügen. Einzelne Bezirke versuchen nun, eigene Wege zu gehen. Steglitz-Zehlendorf hat Mittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm Siwana beantragt, um „einige neue Straßenbrunnen“ zu errichten, wie es aus dem Bezirk heißt. Neukölln will in den kommenden vier Jahren 50 neue Brunnen bauen, in Friedrichshain-Kreuzberg sind es sechs.

Besonders viele Brunnen fehlen in Pankow

Besonders großer Mangel an Brunnen für den Notfall herrscht in Pankow. Um die derzeit 407.000 Pankower ausreichend zu versorgen, müssten 135 neue Brunnen gebaut werden. Jede Anlage ist für die Versorgung von 1500 Einwohnern konzipiert. Um diese Quote einzuhalten, müsste das Land Berlin rund vier Millionen Euro investieren. Jeder Brunnenneubau kostet rund 30.000 Euro.

Dabei herrschen zwischen den Bezirken große Unterschiede. Während in Reinickendorf 128 Notfallbrunnen zur Verfügung stehen, sind es in Marzahn-Hellersdorf nur drei. Grundsätzlich sieht die Versorgung in den östlichen Bezirken schlechter aus als in den westlichen.

Der Bund stellt für die Instandhaltung bestimmter Brunnen im Land Berlin zwar Geld bereit, das von der Senatsverwaltung für Umwelt an die Bezirke weitergegeben wird. Diese Mittel sind in der Regel aber nicht ausreichend, um den laufenden Unterhaltsbedarf zu decken, und sie sind in den vergangenen Jahren mehrfach verzögert oder gar nicht gewährt worden, warnt das Bezirksamt Pankow.

Brunnen in Berlin - Jeder Mensch sollte 15 Liter pro Tag haben

Die Katastrophenschutzbeauftragten der Bezirke hätten wegen des drohenden Wassermangels bereits mehrfach einen „Brunnengipfel“ gefordert, der alle Verantwortlichen an einen Tisch bringen soll. „In den vergangenen zehn Jahren ist aber ganz offensichtlich nicht viel bis gar nichts geschehen“, kritisiert Umweltexperte Buchholz. Der Senat hatte schon vor zehn Jahren Handlungsbedarf festgestellt und eine gemeinsame Initiative mit den Bezirken angekündigt – bislang aber offenbar ohne Erfolg.

Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sollen im Notfall jedem Menschen 15 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung stehen. Das soll zum einen durch Wasserflaschen und zum anderen durch die möglichst wohnortnahe Versorgung durch Notbrunnen erfolgen. Sollte die Qualität des Brunnenwassers nicht ausreichen, sieht der Katastrophenplan vor, dass dem Wasser Desinfektionstabletten zugegeben werden. Das Bundesamt rät der Bevölkerung zudem, im Haushalt stets einen eigenen Vorrat an Trinkwasser bereitzuhalten.

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