Denkmalpflege

Berliner Kirchen und Friedhöfe bekommen Millionen

Der Bundestag spendiert 68 Millionen für Berliner Kulturprojekte. Evangelische Einrichtungen profitieren besonders.

Zu den Begünstigten zählen die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und weitere sanierungsbedürftige Gotteshäuser sowie die historischen Friedhöfe in der Innenstadt.

Zu den Begünstigten zählen die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und weitere sanierungsbedürftige Gotteshäuser sowie die historischen Friedhöfe in der Innenstadt.

Foto: CHROMORANGE / P. Widmann / picture alliance

Berlin. Der Bundestag hat Berlins Kulturlandschaft in der sogenannten „Bereinigungssitzung“ seines Haushaltsausschusses reich bedacht. Die Parlamentarier billigten nicht nur die Mehrkosten für das Museum der Moderne am Kulturforum, sondern auch viele kleinteilige Förderungen. Zu den Begünstigten zählen die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und weitere sanierungsbedürftige Gotteshäuser sowie die historischen Friedhöfe in der Innenstadt.

Für das Museum der Moderne, despektierlich „Scheune“ genannt, stehen nun Baukosten in Höhe von 364,2 Millionen Euro bereit. Die Gesamtsumme für das Projekt liegt bei rund 450 Millionen Euro. Allerdings stand die vom Finanzministerium bereits in Aussicht gestellte Finanzierung für eine mögliche Steigerung der Baukosten in Höhe von 52 Millionen Euro sowie 34 Millionen Euro Risikokosten nicht zur Abstimmung.

16 Millionen für die Sanierung der Gedächtniskirche

Erhört wurden von den Abgeordneten hingegen die Wünsche von Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche. 16 Millionen Euro sollen ab 2021 fließen, um den 1961 eröffneten modernen Teil des Architekten Egon Eiermann zu sanieren. Der Beton des achteckigen Bauwerks mit den charakteristischen blauen Glasmosaiken bröckelt seit Jahren. Schon für die Jahre 2019 und 2020 hatte der Bund der Gedächtniskirche 1,5 Millionen Euro zugesprochen.

Insgesamt hatten evangelische Kirchen diesmal einen besonders guten Stand bei den Volksvertretern im Bundestag. Für die Reparatur der St.-Matthäus-Kirche am Kulturforum stellt der Bund fünf Millionen Euro bereit. Die Immanuel-Kirche in Prenzlauer Berg bekommt 6,8 Millionen, die Jesus-Christus-Kirche in Dahlem eine Million. Weiterhin gaben die Parlamentarier 5,5 Millionen für die Stephanuskirche in Wedding sowie zwei Millionen für die St. Laurentius-Stadtkirche in Köpenick frei, wie der CDU-Abgeordnete Klaus-Dieter Gröhler nach den Beschlüssen über den Kulturetat mitteilte. „Als Berliner freue ich mich natürlich über die hohen Zuwendungen des Bundes im Bereich Kultur in meiner Heimatstadt.“

Der Bund übernimmt auch die Verantwortung für den Erhalt der historischen Friedhöfe. Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte bekommt 23,4 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre, um Mausoleen zu sanieren, alte Mauern zu stabilisieren, Alleen neu zu pflanzen und die Grünpflege zu verbessern.

Pfarrer Jörg Machel, der Vorsitzende des Verbandes, verwies auf die laufenden Defizite, die die kirchlichen Friedhöfe kaum vermeiden könnten. Denn immer weniger Berliner ließen sich in einer halbwegs kostendeckenden Sarg-Bestattung beerdigen, sondern wählten ein günstigeres Urnengrab. Die Summe höre sich zwar hoch an, der Verband betreue aber 45 Friedhöfe in der Stadt. Anders als im Falle der städtischen Bestattungsflächen übernehme die Stadt bei den kirchlichen Anlagen die Kosten für die Grünpflege nicht, so der Pfarrer. Dabei sind die Kosten für den Erhalt von Grabstätten in den historischen Anlagen höher.

Hilferuf der Friedhofs-Verwalter wurde erhört

Der Geschäftsführer des Verbandes, Tilmann Wagner, sagte, er habe den Antrag auf Förderung an den Bund gestellt, weil es vor allem um die als Denkmale von nationaler Bedeutung anerkannten Anlagen gehe, wo historische Personen von Schinkel über die Mendelsohns bis zu Fanny Hensel begraben liegen.

Er nannte die Friedhöfe an der Bergmannstraße und am Halleschen Tor in Kreuzberg, sowie in Mitte den Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße und den St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof an der Mollstraße. Das sei auch ein „Hilferuf“ gewesen, weil es oft schwierig sei, der Verkehrssicherheitspflicht nachzukommen. Eine zweimal erhöhte Mauer aus dem 18. Jahrhundert unter den Auflagen des Denkmalschutzes zu stabilieren, sei sehr kostspielig. Aber nicht nur Friedhöfe und Kirchen sponsort der Bund in Berlin. Vier Millionen Euro unterstützen den Umbau des Kulturzentrums Alte Schule in Treptow. Auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand (2,7 Millionen) und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit werden gefördert. Für den Charlottenburg-Wilmersdorfer Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler besonders erfreulich: Der Bundestag spendiert 245.000 Euro für das Parkwächterhaus am Lietzensee. Zwar hatte die Berliner Lotto-Stiftung bereits Geld zugesagt. Aber neue Kostenschätzungen hatten eine höheren Bedarf ergeben.