Umweltschutz

Klima-Blockade: Polizei-Großeinsatz am Flughafen Tegel

Wegen einer Protestaktion von Umweltschützern kam es rund um den Flughafen am Sonntag zu massiven Kontrollen und Warteschlangen.

Proteste am Flughafen Tegel

Es kam zu Warteschlangen vor dem Eingang.

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Berlin. Umweltaktivisten der Gruppe "Am Boden bleiben" haben am Sonntag Blockaden am Flughafen Tegel eingerichtet, um auf die klimaschädlichen Folgen des Fliegens aufmerksam zu machen. Die Polizei war seit dem Morgen mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Kontrollen an den Zufahrtsstraßen sorgten für lange Schlangen und Wartezeiten. Um 14.30 Uhr hoben die Einsatzkräfte die Kontrollen auf und die Situation normalisierte sich.

Im Zuge der Blockade hatten die Einsatzkräfte Zugangsschleusen zum Flughafen Tegel eingerichtet, um Demonstranten am Betreten des Flughafengebäudes zu hindern. Autos wurden kontrolliert, Reisende mussten ihre Personalausweise und Flugtickets vorzeigen. Nur Menschen mit einem gültigen Flugticket wurde der Zugang zum Flughafen Tegel gewährt.

Der Saatwinkler Damm war seit dem Mittag komplett abgeriegelt. Wer mit Auto oder Bus anreiste, musste zu Fuß weitergehen, auch wenn er mit Gepäck beladen war und schwere Rollkoffer dabeihatte. Wegen der Kontrollen bildeten sich auf den Straßen zum Flughafen und vor dem Flughafengebäude lange Schlangen. Die Kontrollen wirken wie ein Nadelöhr.

Der Flugverkehr verlief unterdessen reibungslos. Das bestätigte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf der Berliner Morgenpost. Trotz der Blockaden habe es keinerlei Einschränkungen im Flugverkehr gegeben.

Blockade am Flughafen Tegel (TXL): Polizei war vorbereitet

Die Polizei und die Flughafenbetreiber waren auf die Blockade vorbereitet. Schon vorab hatten die Umweltaktivisten erklärt, am Sonntag an Flughäfen in Berlin Blockaden aufbauen zu wollen, ohne die genaue Zeit und den genauen Ort mitzuteilen.

Am Morgen blockierten etwa 100 Fahrradaktivisten Zufahrtsstraßen zum Flughafen. Außerdem ließen sich etwa 50 Personen mit Bannern und Transparenten im Flughafengebäude zu einer Sitzblockade nieder - verkleidet mit Pinguinmasken gemäß ihrem Motto: "Flugindustrie blockieren - die coolsten Vögel bleiben am Boden."

Gegen 13.30 Uhr hob die Gruppe im Flughafengebäude die Sitzblockade auf. Die Protestierenden verteilten sich auf Orte außerhalb des Gebäudes.

"Am Boden bleiben": Aktivisten protestieren gegen Kurz- und Binnenflüge

Die Pressesprecherin der Aktionsgruppe "Am Boden bleiben", die sich Lisa Kaiser nennt, sagte der Berliner Morgenpost, mit der Aktion wolle man für die Abschaffung von Kurz- und Binnenflügen protestieren und sich für den Ausbau des Nachtzugverkehrs einsetzen. Es werde nicht die letzte Aktion dieser Art sein. Um den Protesten Nachdruck zu verleihen, wolle man die Normalität des Flugbetriebs stören, so Lisa Kaiser.

Die Umweltschützer haben auf ihre Webseite zehn Forderungen gestellt. Dort heißt es: "Wir glauben fest daran, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen, um die notwendigen Veränderungen hin zu einer klimagerechten Lebensweise herbeizuführen."

Die Forderungen der Gruppe waren auch auf Transparenten im Flughafengebäude zu lesen. Auf einem hieß es: "Flugindustrie blockieren - Klimagerechtigkeit jetzt." Ein Banner war mit dem Slogan "Cancelled due to climate crisis" beschriftet. Mit Rollkoffern als Reisende getarnt hatten die Demonstranten ihr Protestmaterial ungehindert ins Flughafengebäude gebracht.

Flughafen Tegel: Reisende bleiben gelassen

Über die Sozialen Netzwerke hatten sich die Umweltschützer verständigt. "Guten Morgen Berlin! Ist heute nicht ein wunderschöner Tag zum Flugindustrie blockieren?" hieß es um 9.37 Uhr via Twitter. Wenig später dann: "Die Blockade steht!". Der Tweet zeigte Bilder von Transparenten und Menschen, die sitzend die Gänge blockieren.

Die Fluggäste blieben angesichts der Blockaden weitgehend gelassen. „Nur technischer Fortschritt hilft uns weiter", kommentierte Fluggast Niklas Lemke die Ziele der Umweltaktivisten. "Von Panikmache halte ich nichts."

Blockade am Flughafen Tegel: Mehr Schienenverbindungen statt Flüge

Schon vor den Protesten zeigten sich die Berliner Flughäfen offen für Veränderung. "Fliegen an sich ist kein Selbstzweck", sagte Tolksdorf. Am Beispiel der Strecke zwischen Berlin und Nürnberg sei zu sehen, dass attraktive Bahnverbindungen Inlandsflüge auch ersetzen könnten.

Von deutschen Flughäfen starteten im ersten Halbjahr dieses Jahres so viele Passagiere wie noch nie in diesem Zeitraum: Fast 58,9 Millionen Passagiere reisten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von den 24 deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab. Das waren 4,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das Umweltbundesamt hatte kürzlich ein Konzept zum nachhaltigen Fliegen vorgestellt. Laut Präsidentin Maria Krautzberger sieht es vor, Schienenverbindungen zwischen den Ballungszentren bis 2030 so zu verbessern, dass diese innerhalb von vier Stunden erreichbar seien und Flüge überflüssig würden. Ein erster Schritt, um Umweltauswirkungen des Fliegens zu senken, sei zudem die Anpassung der Steuerbeträge beim Fliegen an Bahn und Auto.