Hermannplatz / Kudamm

René Benko hält an Bauplänen fest

Kaufhaus-Milliardär René Benko will die Karstadt-Häuser am Kurfürstendamm und am Hermannplatz weiterhin umgestalten – trotz Kritik.

René Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer und Karstadt-Inhaber.

René Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer und Karstadt-Inhaber.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  René Benko, österreichischer Milliardär und alleiniger Besitzer des Galeria Karstadt Kaufhof- Warenhauskonzerns hält sich mit öffentlichen Auftritten für gewöhnlich zurück. Um so größer war das Interesse am „Wirtschaftspolitischen Frühstück“ der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) an diesem Montag. Denn der 42-Jährige war diesmal Gast der Traditionsveranstaltung, die einmal im Monat stattfindet.

Mehr als 200 Gäste aus Wirtschaft und Politik waren gekommen, um zu hören, was der Unternehmer und Investor René Benko zu seinen Vorhaben in Berlin zu sagen hatte. Und das war eine ganze Menge – schließlich ist René Benko seit der Fusion von Kaufhof und Karstadt der unangefochtene Warenhauskönig Berlins. Zugleich ist der Chef der Signa-Gruppe aber auch einer der größten Bauunternehmer Berlins – und das sorgt in der Stadt für jede Menge Konflikte.

Große Pläne für Karstadt am Hermannplatz und am Kurfürstendamm

„Ich bin begeisterter Berliner und mindestens einmal in der Woche in Berlin“, sagte Benko, der in der österreichischen Hauptstadt gerade die Pläne für ein Wiener KaDeWe vorgestellt hat. Gegenwind gebe es auch bei Projekten in anderen Städten oder Ländern, das gehöre zum Geschäft, das könne er aushalten. „Jede Stadt hat ihre Eigenheiten, und es trifft nicht zu, dass das Bauen in Berlin schwieriger wäre als etwa in München oder in Hamburg“, sagte Benko.

In Berlin gehören zu seinen prominenten Baustellen das Berliner KaDeWe am Wittenbergplatz, das bei laufendem Betrieb umgebaut und modernisiert wird, das Karstadt-Warenhaus am Hermannplatz, das Benko abreißen und neu errichten will, sowie der gesamte Häuserblock rund um das Karstadt-Gebäude am Kurfürstendamm, den er komplett neu gestalten möchte. Zudem ist Benko Bauherr des Stream-Towers in Friedrichshain, in den Zalando als Mieter einziehen wird, und Eigner des Upper-West-Hochhauses am Breitscheidplatz.

Dass so viele Immobilienaktivitäten in Berlin nicht bei allen gut ankommen, zeigte sich auch beim Unternehmerfrühstück. Die Linken-Politikerin Gabriele Gottwald warf Benko, der bereits mit 17 Jahren ins Immobiliengeschäft einstieg, vor: „Sie bemächtigen sich der Stadt.“ Insbesondere die Pläne des Unternehmers für die Revitalisierung des in die Jahre gekommenen Karstadt-Komplexes am Hermannplatz sind bei den Linken umstritten: „Dieser Monumentalbau im Retrolook passt nicht in die prekäre Umgebung“, sagte Gottwald und sprach sich gegen den Abriss des alten Kaufhauses aus. Zuvor hatte bereits Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) mit ganz ähnlicher Begründung eine Absage erteilt.

Benko versicherte, dass er bereit sei, „mit allen einen offenen Dialog zu führen“. Allerdings wolle sein Unternehmen am Hermannplatz etwas bauen, was auch funktioniere. „Mein Ziel ist nicht, mir aus Eitelkeit ein Monument zu errichten, weder am Hermannplatz noch anderswo“, versicherte Benko. Das vordringliche Ziel sei es jeweils, „eine Immobilie so zu ertüchtigen, dass sie nachhaltig betrieben werden kann“. Und dies sei eben am Hermannplatz am besten durch einen Nutzungsmix zu erzielen. Inzwischen sei man auch mit dem Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzbergs, Florian Schmidt in guten Gesprächen – „nachdem er einmal vorgeprescht ist, doch das machen Politiker wohl so“, sagte Benko.

Stadtquartier mit Hochhäusern am Kurfürstendamm

Auch mit der Kritik des Baukollegiums von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ging Benko am Montag betont gelassen um. Aus dem 70er-Jahre-Warenhaus am Kurfürstendamm 231 und angrenzenden Gebäuden hatte Benko ein Stadtquartier mit drei Hochhaustürmen der Größenkategorie 100, 120 und 150 Meter machen wollen. Vor einem Jahr hatte das Beratergremium rund um die Senatsbaudirektorin diese Pläne rundheraus zurückgewiesen. Benko sagte, man halte dennoch an den Plänen fest. Im Werkstattverfahren mit Vertretern des Senats und des Bezirks sei man dabei, die Pläne abzustimmen. „Wie hoch die Häuser dann letztlich werden und wie viele Türme es geben wird, müssen wir klären“, sagte Benko. Er wolle auch dem Dialog nicht vorgreifen. „Es liegt aber auf der Hand, dass hier am Breitscheidplatz neben dem Alexanderplatz einer toller Platz für Hochhäuser ist“, fügte er hinzu.

Als anwesende Berliner Unternehmer schließlich verwundert fragten, woher er diesen Langmut nehme, der schließlich viel Zeit und Geld verschlinge, verwies der Österreicher auf die Größe seines Unternehmens: Wenn bei Signa etwas nicht auf Anhieb klappe, bringe dies den Konzern, anders als einen kleinen Immobilienunternehmer, nicht in die Schieflage. „Wir können daher unsere Projekte mit sehr viel Geduld und guten Argumenten angehen. Bisher sind wir so immer ans Ziel gekommen“, sagte er. Das solle aber nicht heißen, dass er am Hermannplatz nicht zügig bauen wolle: „Schließlich sind wir Unternehmer, keine Unterlasser.“

Zuletzt stellte der Österreicher den Berlinern noch in Aussicht, dass es in der obersten Etage des Upper-West-Turmes am Breitscheidplatz, den Benko im vergangenen Jahr gekauft hat und in dem auch das Signa-Hauptquartier in Deutschland untergebracht ist, doch noch eine öffentliche Nutzung geben werde. „Wir erarbeiten ein Konzept, das eine Mischnutzung mit Gastronomie vorsieht“, verriet er. Eine Skybar mit Restaurantbetrieb rund um die Uhr sei allerdings ausgeschlossen. „Das gibt die Kapazität der vorhandenen Fahrstühle nicht her.“