Ratgeber

Testament machen: So regelt man sein Erbe richtig

So regeln Sie ihren letzten Willen richtig: Der Berliner Rechtsanwalt Max Braeuer gibt Tipps zum Umgang mit dem Nachlass.

Der Berliner Rechtsanwalt Max Braeuer empfiehlt, nicht erst im Alter ein Testament zu machen.

Der Berliner Rechtsanwalt Max Braeuer empfiehlt, nicht erst im Alter ein Testament zu machen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Die Deutschen sind mundfaul, wenn es um die Regelung ihres Nachlasses geht. Das hat im vergangenen Jahr das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Bank herausgefunden. Laut der repräsentativen Erhebung gaben 2018 nur noch 35 Prozent der Deutschen an, die Themen Erbe und Testament vor dem Tod der eigenen Eltern besprochen zu haben. 2013 waren es immerhin noch 41 Prozent.

Der Anteil der Deutschen, die ein Testament machen, steigt zwar kontinuierlich, im vergangenen Jahr gaben aber doch nur 39 Prozent der Befragten an, ihren Nachlass geregelt zu haben. In der Berliner Morgenpost gibt der Berliner Rechtsanwalt und Spezialist für Erbfragen, Max Braeuer, Tipps zum richtigen Umgang mit dem eigenen Nachlass.

Machen Sie ein Testament

Wie das Erbe verteilt werden soll, sollte mit der Hand schriftlich festgehalten werden, nicht mithilfe eines Computerprogramms. Am Ende gilt es, das Testament zu unterschreiben. Soll später etwas verändert werden, empfiehlt Max Braeuer ein gänzlich neues Testament zu verfassen und darin das zuvor erstellte für ungültig zu erklären. Bei großen Vermögen sollte in jedem Fall ein Notar aufgesucht werden.

Als Faustregel gilt, dass Ehegatten und Lebenspartner Vermögen, bis zu einem Wert von 500.000 Euro steuerfrei erben können. Für Kinder gilt ein Freibetrag von jeweils 400.000 Euro, bei Enkelkindern von 200.000 Euro. Auch das zuletzt gemeinsam bewohnte Eigenheim ist im Erbfall zwischen Ehepartnern abgabenfrei.

Eheleute sollten ein Testament machen, um den Partner abzusichern

Zwischen Ehepartnern die Aufteilung des Vermögens in einem gemeinsamen Testament zu regeln, ist meistens sinnvoll, sagt Braeuer. In einem sogenannten Berliner Testament wird dann zunächst geregelt, dass einer der Eheleute nach dem Tod des Partners das ganze Vermögen erbt. Auch die Verteilung des Erbes nach dem Tod des verbliebenen Ehepartners wird bereits festgehalten.

Das gemeinschaftliche Testament gilt als eine Art Vertrag zwischen den Eheleuten und kann auch nicht mehr nachträglich verändert werden. „So kann etwa verhindert werden, dass die Witwe bei einer erneuten Heirat das gemeinsame Vermögen dem neuen Mann vermachen kann“, erklärt Braeuer.

Hinterlegen Sie das Testament bei einem Amtsgericht

Seit 40 Jahren beschäftigt sich Max Braeuer mit den Themen Erben und Vererben. Er hat beobachtet, dass Testamente besonders gerne in Safes oder in Schreibtischen deponiert werden. Aber: Richtig ist, ausschließlich das Testament bei einem Amtsgericht zu deponieren. Das kostet 75 Euro.

Wer keine Kinder hat, entscheidet frei über die Verteilung des Erbes

Üblicherweise sind Kinder und Enkelkinder Begünstigte des eigenen Vermögens. Wer aber keine Nachkommen in direkter Linie hat, kann frei über die Verteilung des eigenen Nachlasses entscheiden. Erben können dann beispielsweise auch Organisationen wie das Rote Kreuz, der Zoo Berlin oder auch die beste Freundin, so Rechtsanwalt Braeuer.

Auch, wenn Nachkommen vorhanden sind, können durch ein Testament Dritte begünstigt werden. Im Falle der Enterbung von Angehörigen haben die Enterbten dann nur Anspruch auf den sogenannten Pflichtteil. Eine Enterbung ist immer wirksam, sagt Braeuer. Die enterbten Kinder oder Enkelkinder nehmen dann nicht am Erbe an sich teil, sondern haben gegenüber dem Begünstigten lediglich einen Geldanspruch. Ein Beispiel: Im Normalfall erben zwei hinterbliebene Kinder jeweils die Hälfte. Wird aber einem Kind per Testament das gesamte Vermögen vermacht, hat das enterbte Kind nur noch einen Pflichtteilsanspruch von einem Viertel der Erbes.

Drohen Streitigkeiten, setzen Sie einen Testamentsvollstrecker ein

Erbstreitigkeiten lassen sich in vielen Fällen nur schwer vermeiden, hat Braeuer während seiner langen Laufbahn beobachtet. Wer bereits vor seinem Ableben weiß, dass zum Beispiel die Kinder zerstritten sind, kann einen sogenannten Testamentsvollstrecker bestimmen, der dann alleine entscheidet, wie das Erbe verteilt wird. „Der Testamentsvollstrecker hat eine außerordentlich starke Position. Die Chance, ihn vom Gericht abberufen zu lassen, ist gering“, sagt Braeuer.

Machen Sie das Testament nicht erst im Alter

Braeuer empfiehlt Verheirateten oder Personen, die in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammenleben, ein Testament zu machen. Das Alter spiele dabei keine Rolle.

Nur das verschenken, was nicht mehr benötigt wird

Für Erbschaften und Schenkungen gelten dieselben steuerlichen Vorgaben. Er habe es immer wieder erlebt, dass Menschen meinten, sie müssten aus steuerlichen Gründen ihren Kindern schon zu Lebzeiten etwas vermachen, sagt Braeuer, der für die Kanzlei Raue in Berlin tätig ist. Das sei in den meisten Fällen jedoch völlig unnötig. „Zu Lebzeiten verschenken sollte man nur Dinge, die man wirklich und mit Sicherheit nicht mehr braucht. Dazu gehört nicht das Haus, in dem man selber lebt“, betont der Rechtsanwalt.