Christdemokraten

Frank Steffel kündigt seinen Rückzug an

Als junger Politiker kämpfte er als „Kennedy von der Spree“ gegen Klaus Wowereit. Jetzt hört der Reinickendorfer mit Politik auf.

Hat genug von der Politik: Frank Steffel hört auf.

Hat genug von der Politik: Frank Steffel hört auf.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Frank Steffel hört mit der aktiven Politik auf. Nicht sofort, aber bei der nächsten Wahl zum Deutschen Bundestag, die für 2021 geplant ist, wird der Reinickendorfer Christdemokrat nicht mehr antreten. Per E-Mail informierte Steffel am Freitag seine Reinickendorfer Parteifreunde über seine Entscheidung.

„Meine internationalen unternehmerischen Aktivitäten sowie die Entwicklung meiner Unternehmen lassen eine politische Arbeit in Wahlkreis und Parlament nach Ablauf dieser Wahlperiode nicht mehr zu“, schrieb der 53-Jährige: „Nach 30 Jahren Politik möchte ich mich mit Anfang 50 nun noch einmal ganz anderen Herausforderungen stellen und Neues kennenlernen.“ Er wolle sich auch verstärkt seiner Familie widmen, so Steffel, der auch Präsident des Sportvereins Reinickendorfer Füchse ist.

Mit Steffel kündigt einer der bekanntesten Berliner Christdemokraten seinen Abschied an. Von 1991 bis 2009 saß er im Abgeordnetenhaus.

Frank Steffel wurde als „Kennedy von der Spree“ vermarktet

Bekannt wurde Frank Steffel, als ihn seine Fraktion mit erst 35 Jahren zum Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl 2001 machte. Damals wurde die CDU vom Fast-Zusammenbruch der landeseigenen Bankgesellschaft Berlin erschüttert. Der Skandal ging einher mit illegalen Parteispenden an den damaligen Fraktionschef Klaus-Rüdiger Landowsky.

Nach einer missratenen Wahlkampf-Kampagne, in der der junge Chef und Eigentümer eines Bodenbeläge-Großhandels als „Kennedy von der Spree“ vermarktet wurde, zog die CDU den Kürzeren nach Verlusten von 17 Prozentpunkten gegen die von Klaus Wowereit geführte SPD. Steffel wurde für zwei Jahre bis 2003 Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus und Oppositionsführer, eher er nach parteiinternen Ränkespielen abgelöst wurde.

2009 wechselte Steffel in den Bundestag. Als Chef des CDU-Kreisverbandes Reinickendorf hatte er ersten Zugriff auf eines der wenigen sicheren Direktmandate für die Berliner CDU. Mit auch im bundesweiten Vergleich Spitzenergebnissen holte Steffel den Wahlkreis im Berliner Norden dreimal in Folge. Im Bundestag widmete sich der Diplom-Kaufmann zunächst der Finanz- und Sportpolitik, später verlegte er sich auf die Außenpolitik.

Freie Universität entzog Steffel den Doktortitel

Zuletzt musste Steffel einige Rückschläge verkraften. Im Februar 2019 entzog ihm die Freie Universität seinen 1999 erworbenen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften, nachdem darin Plagiate entdeckt worden waren. Kurz zuvor trat Steffel als Kreisvorsitzender der Reinickendorfer CDU zurück. Das geschah auch aus der Einsicht heraus, dass sich im Bezirk keine sichere Mehrheit mehr für die Fortsetzung seiner 18-jährigen Amtszeit gefunden hätte.

Steffel versicherte, sein Mandat auf jeden Fall bis zum Ende der Legislaturperiode ausfüllen zu wollen. Er ist nach dem Spandauer Sozialdemokraten Swen Schulz der zweite Berliner Bundestagsabgeordnete, der vorzeitig seinen Rückzug ankündigt. Wer sein Nachfolger werden soll, ist noch völlig offen.