Mietenpolitik

„Es wird Schwarzmärkte wie im Sozialismus geben“

AfD-Bauexperte Harald Laatsch glaubt, dass die Wohnungssuche mit dem Mietendeckel schwerer wird und Finanzierungen platzen werden.

Warnt vor dem Vertrauensverlust in der Immobilien- und Bauwirtschaft: Harald Laatsch (AfD)

Warnt vor dem Vertrauensverlust in der Immobilien- und Bauwirtschaft: Harald Laatsch (AfD)

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Wie bewerten die Berliner Parteien den Mietendeckel? Heute äußert sich Harald Laatsch, Sprecher für Bauen und Wohnen der AfD-Fraktion.

Berliner Morgenpost: Herr Laatsch, was stört Sie am meisten am Mietendeckel?

Harald Laatsch: Zunächst wird kein Quadratmeter mehr Wohnraum geschaffen. Vor allem aber geht das Vertrauen verloren. Bei der Bauwirtschaft, bei den Immobilienbesitzern, bei den Banken, bei den Handwerkern, die weniger Aufträge bekommen. Niemand in dieser Stadt, der am Vermietungsgeschäft beteiligt ist, hat noch Vertrauen in diesen Senat. Man muss hier wirklich mit allem rechnen.

Befürchten Sie, dass Finanzierungen platzen werden für Mietshäuser oder vermietete Eigentumswohnungen?

Denkbar. Zumindest werden Neue nicht zustande kommen. Ich glaube aber, dass wir eine Belebung des Marktes für selbst genutzte Eigentumswohnungen sehen werden. Einige, die heute vermieten, werden verkaufen.

Aber die Preise werden sinken, weil man die Wohnung nicht mehr teuer vermieten kann.

Die Wohnungen gehen an Selbstnutzer. Es ist ja schon lange nicht mehr rentabel, Eigentumswohnungen zu kaufen und dann zu vermieten. Man zahlt 5000 oder 6000 Euro pro Quadratmeter. Zu welchem Preis wollen Sie die vermieten, um da Rendite herauszuholen? Wir liegen ja schon bei Bruttorenditen von unter zwei Prozent und damit sind noch keine Zinsen und keine Verwaltungskosten bezahlt. Das hat schon lange nichts mehr mit Geld verdienen zu tun, sondern nur noch mit Geld sichern, mit bunkern.

Muss eine Regierung nicht einschreiten, wenn die Mieten dermaßen steigen?

Was ist denn wirklich passiert in der Stadt? Die Durchschnittsmiete liegt bei 6,72 Euro. Und es gibt Neuabschlussmieten. Die sind das eigentliche Thema, weil die bei elf Euro anfangen und bis 20 Euro und darüber gehen. Auf dieses Problem müsste sich der Senat fokussieren. Aber er tut das Gegenteil: Er fokussiert sich auf Bestandsmieter, auf seine Bestandswähler, denen er ein Wahlgeschenk macht. Es geht dem Senat nicht um diejenigen, die Bedarf haben. Aber um die geht es uns, weil sie diese teuren Mieten bezahlen. In unserem Fokus stehen dabei weniger die Zuzügler, sondern diejenigen, die in der Stadt leben und deren Bedarf sich entwickelt: Der Student, der heiratet und dessen Frau ein Kind bekommt. Wie kommt diese Familie an eine Drei-Zimmer-Wohnung? Und wie bezahlt sie die?

Rot-Rot-Grün sagt, es wird einfacher, weil die Wohnung jetzt nicht mehr zwölf Euro kostet, sondern nur noch acht.

Aber der Bedürftige bekommt sie gar nicht. Den Zuschlag zur Wohnung bekommt, wer mit viel Kapital ausgestattet ist. In einem Markt, in dem zehn Bewerber eine Wohnung wollen, finde ich immer einen, der eine sehr gute Bonität hat. Und viele, die eine ziemlich schlechte haben. Wenn ich als Vermieter nur eine relativ geringe Miete bekomme, werde ich mir immer den rausfischen, der sicher zahlt und den ich im Zweifel nachträglich belangen kann, wenn die Wohnung beschädigt wurde. Das kommt relativ oft vor.

Die AfD vertritt ja viele kleine Leute. Müssen Sie denn nicht davon ausgehen, dass viele Ihrer Wähler es gut finden, wenn ihre Miete fünf Jahre nicht erhöht wird oder sogar sinkt?

Ich mag den Begriff „kleine Leute“ eigentlich nicht. Aber der Unterschied zwischen den sogenannten kleinen Leuten, die die roten Parteien vertreten, und unseren, ist die Rationalität. Unsere Leute wissen, dass man erwirtschaften muss, was man ausgibt. Und sie wissen, dass es unterschiedliche Preise gibt für unterschiedliche Produkte. Das ist bei den linken Parteien nicht so gängig.

Was würde die AfD für Mieter tun, wenn sie in der Position wäre?

Wenn ich heute Bausenator wäre, würde ich sofort die Bauwirtschaft zusammenrufen und besprechen, was man wo schneller bauen kann. Und ich würde dafür sorgen, dass es ein öffentliches Baulandkataster gibt, damit man weiß, wo man bauen kann. Dabei gilt es zu berücksichtigen: Berlin hat zwar noch Platz, aber jede Stadt ist irgendwann voll. Und dann reguliert sich das Angebot entweder über Preis oder über Bedürftigkeit. In der sozialen Marktwirtschaft gehen wir grundsätzlich immer beide Wege. Der Senat setzt aber dieses Modell außer Kraft. Er handelt nur noch sozialistisch und nicht mehr marktwirtschaftlich. Das ist dann aber gar nicht mehr sozial, weil immer jemand ausgegrenzt wird.

Dann wird es also sowas geben wie Abstandsforderungen …

Es wird Schwarzmärkte geben, Freunderlwirtschaft, all das, was man aus dem Sozialismus kennt. In der DDR haben die Leute auch noch als Erwachsene zu Hause gelebt, bis der Staat und die Partei dann den wohlgelittenen Leuten eine Wohnung zugewiesen hat. Das geht für mich gar nicht.

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