Wohnungspolitik

Was ein Kleinvermieter über den Berliner Mietendeckel denkt

Der Mietendeckel zielt vor allem auf Kapitalgesellschaften. Doch auch auf Tausende kleinere Vermieter kommt einiges zu. Ein Beispiel.

Jörg Staske, Vermieter von fünf Wohnungen in Berlin, in seinem Büro. Der gelernte Fleischermeister hat nach dem Verkauf seines Fleischerbetriebs in den Kauf und Sanierung von Wohnungen investiert. Den geplanten Mietendeckel und die Einfrierung von Mieten in Berlin sieht er kritisch.

Jörg Staske, Vermieter von fünf Wohnungen in Berlin, in seinem Büro. Der gelernte Fleischermeister hat nach dem Verkauf seines Fleischerbetriebs in den Kauf und Sanierung von Wohnungen investiert. Den geplanten Mietendeckel und die Einfrierung von Mieten in Berlin sieht er kritisch.

Foto: dpa

Berlin. Jörg Staskes Currywurst hat schon Fidel Castro geschmeckt. Es ist lange her, dass die Fleischerei Staske in Berlin-Altglienicke als Institution galt und bei Staatsempfängen Caterer war. Heute erinnern Bilder und Dankesschreiben an den Wänden in Staskes kleinem Souterrain-Büro daran, dass selbst hochgestellte Kunden zufrieden mit den Angeboten des Familienbetriebes waren. Inzwischen hat der quirlige 54-Jährige ein neues Betätigungsfeld als Vermieter. Und da geistert ihm nun ein Wort im Kopf herum: „Mietendeckel“.

Wenn Staske die Zeitungen mit den neuesten Meldungen liest, in denen vom Einfrieren der Mieten für fünf Jahre die Rede ist, von Mietobergrenzen ja nach Baujahr und Ausstattung der Wohnung und von der Möglichkeit von Mietsenkungen für ihre Bewohner, versteht er die Welt nicht mehr. „Man will vielleicht was gutes tun, aber das geht nach hinten los“, ist sich der 54-Jährige sicher.

Kleinvermieter über Berliner Mietendeckel: „Das erinnert mich an die DDR"

„Hat jemand an die Folgen gedacht? Es gibt keine Planungssicherheit mehr, wer weiß, was die Politik sich als nächstes ausdenkt“, sagt er. „Gerade Kleinvermieter werden sich zurückhalten, nur noch das nötigste in ihre Wohnung stecken, es wird eine Schattenwirtschaft entstehen.“ Gebäude würden langsam verfallen. „Das erinnert mich an die DDR. Und dieses Experiment ist bekanntlich schiefgegangen.“ Schuld an den steigenden Mieten in Berlin seien Kapitalgesellschaften und die Politik, die Hunderttausende Kommunalwohnungen verscherbelt habe. „Ausbaden muss das der kleine Mann.“

Eigentlich strebte der Fleischermeister keine berufliche Karriere als Vermieter an. Doch vor einigen Jahren reifte in ihm nach Rücksprache mit seiner Frau und den drei Kindern der Entschluss, das Fleischerhandwerk auf- und den Betrieb abzugeben. „Zu viele Vorschriften.“ Zudem wurde es immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. „Da hatte ich die Möglichkeit, einen kleinen alten Bauernhof in Berlin-Bohnsdorf zu kaufen“, erzählt Staske. „Und da die Kanzlerin sagte, 100.000 Euro sind auf der Bank sicher, habe ich den Rest eben investiert.“

Hintergrund: Mietendeckel: Wer profitiert – und wer draufzahlt

Staske besitzt sieben Wohnungen in zwei Gebäuden in Berlin-Bohnsdorf

Nach einigen Jahren, unzähligen Stunden Eigenleistung und vielleicht 200.000 Euro an Investitionen besitzt Staske sieben Wohnungen in zwei Gebäuden, die zwischen 45 und 95 Quadratmeter groß sind. Zwischen 6 und 10 Euro zahlen die Mieter pro Quadratmeter, orientiert am Mietspiegel und je nach Zuschnitt und Alter ihrer Bleibe. Für den Stadtteil Bohnsdorf im Berliner Südosten unweit des Flughafens Schönefeld in Ordnung, glauben Staske - und wohl auch seine Mieter.

„Ich bin kein Miethai“, betont der 54-Jährige. „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinen Mietern und die zu mir“, versichert er. „Und die Miete für eine der Wohnungen habe ich immer nur dann erhöht, wenn es einen Mieterwechsel gab. Es fällt mir schwer, was draufzupacken und den Leuten dabei in die Augen zu schauen.“ Außerdem sei er froh über Mieter, die längerfristig in den Wohnungen leben und diese in Schuss halten. „Die vergraule ich doch nicht.“

Nun muss sich Staske, der selbst mittlerweile im brandenburgischen Schöneiche bei Berlin lebt und eine Hausverwaltungsfirma gegründet hat, erst mal schlau machen. Die Frage ist, was die Regelungen des Mietendeckels für ihn genau bedeuten. In den Ruin wird ihn die ganze Sache wohl nicht treiben, Staske bekommt auch für zwei Gewerbeeinheiten gutes Geld. Ob seine Mieter den Preis senken können oder wollen? Offen. Wie alles in Zukunft zusammenpasst? Mal sehen.

Kommentar: Mietendeckel richtet immensen Schaden an

500.000 Wohnungen in Berlin sollen Privatleuten oder kleinen Firmen gehören

Staske steht damit nicht allein. Schätzungsweise ein Drittel der 1,5 Millionen nicht preisgebundenen Mietwohnungen in Berlin gehören Privatleuten oder eher kleineren Firmen. Genau weiß das keiner.

„Der Mietendeckel droht die Altersabsicherung gerade dieser kleinen und mittelständischen Unternehmer zu gefährden“, sagt IHK-Präsidentin Beatrice Kramm. „Viele von ihnen werden nicht von der gesetzlichen Rentenversicherung erfasst und müssen deshalb auf anderem Weg Vorsorge fürs Alter treffen.“ Angesichts niedriger Zinsen hätten sie dazu in Wohnraum investiert. Nun befürchten viele, dass der Zweiklang aus Erlösen und Kredittilgung nicht mehr funktioniert.

„Gerade Eigentümer die sich fair verhalten haben und geringe Mieten eingenommen haben, werden durch den Mietendeckel bestraft“, sagt Christian Gräff, Fachmann für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion. „Auch die Lage und damit die individuellen Kosten des Objekts spielen beim Mietendeckel keine Rolle, was ihn ungerecht macht.“

Die Grünen-Wohnungsexpertin Katrin Schmidberger widerspricht. „Der Mietendeckel zieht die Notbremse gegen Spekulation und Verdrängung“, sagte sie. „Um verantwortungsvolle Bestandshalter und die gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen mit niedrigen Mieten nicht zu bestrafen, führen wir den atmenden Deckel ein.“ Ab 2022 können sie bis zu den Obergrenzen die Miete um jährlich 1,3 Prozent erhöhen.

Schmidberger verweist zudem auf die geplante Umlagemöglichkeit von bis zu einem Euro je Quadratmeter bei sinnvollen Modernisierungen. „Außerdem sieht eine Härtefallregelung vor, dass Eigentümer, die wirklich auf Mieterhöhungen angewiesen sind, um die Substanz des Hauses nicht zu gefährden, diese auch durchführen können.“

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