Kaufhauslegende

Berliner KaDeWe bekommt einen Zwilling in Wien

Die Signa-Gruppe will nach dem Vorbild des Berliner KaDeWe ein Luxuskaufhaus in der Hauptstadt Österreichs errichten.

So soll das KaDeWe nach Berliner Vorbild in Wien aussehen. Den Entwurf lieferte das Büro des niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas, O.M.A.

So soll das KaDeWe nach Berliner Vorbild in Wien aussehen. Den Entwurf lieferte das Büro des niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas, O.M.A.

Foto: © O.M.A.

Berlin/Wien. Das mehr als 110 Jahre alte Traditionskaufhaus KaDeWe ist ein echtes Berliner Original. Das einzige verbliebene Luxuswarenhaus aus der Berliner Gründerzeit ist zugleich auch das größte Warenhaus Kontinentaleuropas; es verfügt mit der „Feinschmeckeretage“ über die zweitgrößte Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses weltweit und zieht laut Eigenwerbung täglich zwischen 40.000 und 50.000 Gäste an, in der Vorweihnachtszeit sogar bis zu 100.000 Kunden. Nun soll das Original einen Zwilling bekommen – und zwar in Wien.

KaDeWe in Wien: Rem Koolhaas gewinnt Wettbewerb

Die Pläne der Signa-Gruppe von René Benko für das Wiener Kaufhaus des Westens (KaDeWe) sind bereits weit fortgeschritten. Das Unternehmen habe „in enger Abstimmung mit der Stadt Wien im Mai 2019 ein Wettbewerbsverfahren mit vier renommierten internationalen Architektenbüros“ durchgeführt, teilte Signa mit. Jetzt entschied eine Fachjury, bestehend aus Experten der Bereiche Architektur, Handel und Projektentwicklung sowie Vertretern der Stadt Wien: Das Büro O.M.A. – Office for Metropolitan Architecture des Niederländers Rem Koolhaas liefert den Siegerentwurf und verweist die Planer der BIG Bjarke Ingels Group, Snøhetta und Hadi Teherani Architects auf die Plätze zwei bis vier.

Auch das KaDeWe Berlin wird umgebaut

Seit dem Frühjahr 2016 wird auch das Berliner Original nach dem Masterplan des Architekten Rem Kohlhaas und des Büros O.M.A. bei laufendem Betrieb umgebaut. Die voraussichtliche Bauzeit beträgt mindestens sieben Jahre.

Die markantesten Veränderungen betreffen das Erdgeschoss und das Dach. Statt der quadratischen Schaufenster, wie sie in den 80er-Jahren üblich waren, hat das Haus inzwischen wieder seine großen, ursprünglichen Bogenfenster zurück erhalten. Auch der Zwilling in Wien soll mit den klassischen Bogenfenstern versehen werden.

Auf dem Dach trumpft der Wiener Neubau dagegen mit einer öffentlich zugänglichen Grünanlage auf. In Berlin ist so etwas nicht geplant. Dennoch soll sich auch hier die oberste Etage komplett verändern.

180 Millionen Euro für Umbau des Berliner Luxuskaufhauses

Nach den Plänen von Rem Koolhaas soll das bisherige Dach einem Glasbau weichen, der die gesamte siebte Etage umrunden wird. Die Restaurants, Bars und der Dachgarten unter diesem Glasdach sollen dann auch nach Ladenschluss geöffnet bleiben. Sie erhalten deshalb einen separaten Eingang.

Von diesem Vorhaben ist allerdings noch nichts zu sehen, während die Kunden in der weltberühmten Lebensmitteletage im unmittelbar darunter liegenden sechsten Stockwerk bereits seit geraumer Zeit auf einen Teil der Fläche verzichten müssen, weil hinter den Trennwänden gearbeitet wird. Bei der Verkaufsfläche von 60.000 Quadratmetern soll es aber auch nach dem Umbau bleiben. Insgesamt 180 Millionen Euro soll die Frischekur für das Luxuskaufhaus kosten. Bis zum Jahr 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Im Herbst 2023 soll das neue KaDeWe in Wien eröffnen

Errichtet werden soll das neue KaDeWe an der Mariahilfer Straße in Wien, einer der größten und meist frequentierten Einkaufsstraßen Österreichs. 300 bis 400 Millionen Euro will Benko in das Projekt investieren, berichtete die österreichische Zeitung „Der Standard“. Nach Unternehmensangaben ist der Baubeginn für die erste Jahreshälfte 2021 geplant, im Herbst 2023 soll das neue Warenhaus der KaDeWe Group in Wien bereits eröffnen.

Die moderne Version des Berliner Traditionswarenhauses soll mit einem Mix aus Shopping, Gastronomie, Hotel und konsumfreien Zonen an den Start gehen. „Dieses Landmark-Projekt bietet uns als KaDeWe-Group die einmalige Chance, das Warenhaus des 21. Jahrhunderts an diesem einzigartigen Standort zukunftweisend neu zu interpretieren“, sagte Vittorio Radice, Vorstandsvorsitzender der La Rinascente- und KaDeWe-Group. Nach der Fertigstellung soll das Haus zum größten Teil von der KaDeWe Group geführt werden. Zu der Gruppe gehören neben dem Berliner KaDeWe auch das Hamburger Alsterhaus und das Oberpollinger in München.

„Wir werden eine Begegnungsstätte für die Wiener Bevölkerung und die internationalen Besucher Wiens schaffen, die zum Flanieren, Verweilen und Konsumieren einlädt“, verspricht der Kaufhaus-Macher. Architektur, Gastronomie und „der wunderbare Dachpark mit seiner Aussicht über ganz Wien werden ein einzigartiges Erlebnis, eine Erlebniswelt für die Besucher kreieren“, ist er überzeugt. Das Projekt, so Radice weiter, sei damit „auch ein Statement für die Zukunft und die Weiterentwicklung des stationären Einzelhandels, für die wir stehen und von der wir fest überzeugt sind“.

Luxuskaufhäuser behaupten sich erfolgreich gegen den Online-Handel

Ob sich die hochgesteckten Ziele des Vorstandsvorsitzenden für den Standort Wien erfüllen werden, muss die Zukunft zeigen. Die Chancen stehen allerdings nicht schlecht: Während viele weniger prominente Warenhäuser in Deutschland mit der wachsenden Online-Konkurrenz zu kämpfen haben, behauptet sich die geringe Zahl der Edelkaufhäuser erfolgreich am Markt. Das gehobenere Sortiment und vor allem der besondere Erlebnischarakter der Luxuskaufhäuser locken eben nicht nur Einheimische, sondern Käufer aus aller Welt an.

Das gilt insbesondere für das Berliner KaDeWe: Rund die Hälfte der Kunden sind Berlin-Besucher. Nicht von ungefähr gilt das Berliner KaDeWe nach dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor als die am dritthäufigsten von Touristen besuchte Sehenswürdigkeit in Berlin.