Verkehr

Grundsanierung der A111 dauert zehn Jahre

Trotz aufwendiger Reparaturarbeiten soll der Verkehr auf der Autobahn weiter fließen. Pendler müssen dennoch mit Behinderungen rechnen.

Die Autobahn 111 wird saniert.

Die Autobahn 111 wird saniert.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Tausende Menschen pendeln täglich von Reinickendorf über die A111 Richtung Innenstadt – entweder um zur Arbeit zu kommen oder um das kulturelle und kulinarische Angebot zu nutzen. Unter der Woche vergeht fast kein Tag, an dem es keinen Stau im Bereich des Flughafentunnels Tegel gibt. Eine Geduldsprobe für Autofahrer. Und in den Nachmittag- und Abendstunden das gleiche Prozedere in entgegengesetzter Richtung.

Unter der tonnenschweren Last leidet der Straßenbelag, und auch die Brücken und Tunnel müssen teilweise erneuert werden. Kurzum: Eine Grundsanierung der A111 ist unumgänglich. Zehn Jahre sind für den Bereich zwischen der Landesgrenze im Norden kurz nach der Ausfahrt Schulzendorfer Straße und der Ausfahrt Spandauer Damm vorgesehen. Vor 2023 sollen die Arbeiten aber nicht beginnen.

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Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) leitet das Projekt und verantwortet die Planung. Und in letzterer steckt die Projektmanagementgesellschaft seit eineinhalb Jahren. Eine einhundertprozentig fertige Planung gibt es noch nicht, aber das Konzept steht bereits. Und das sieht vor, dass die Bundesautobahn auf 13 Kilometern saniert werden muss. Mit inbegriffen sind 264 Ingenieurbauwerken wie 16 Tunnel und Tröge, 39 Brücken, 105 Stützwände und Lärmschutzwände, 95 Verkehrszeichenbrücken und Schranken sowie neun Bauwerke der Entwässerung.

Nötig sei die Sanierung, um die Verkehrssicherheit vor allem in Tunneln und auf Brücken weiterhin gewährleisten zu können und den Anwohnern der Strecke einen besseren Lärmschutz zu bieten. Aus umwelttechnischen Gründen werde sich ebenfalls Gedanken darüber gemacht, wo nach der Sanierung der Entwässerungsanlagen entlang der A111 das Regenwasser hinfließe.

DEGES: Der Verkehr muss weiter fließen

Reinickendorfs Baustadträtin, Katrin Schultze-Berndt (CDU), wünscht sich im Hinblick auf die wachsende Stadt einen sechsstreifigen Ausbau. „Jetzt schon fahren viele durch die Wohngebiete. Das ist ein Problem. Und das wird noch schlimmer“, ist sich Schultze-Berndt sicher. Doch dieser Wunsch wird nicht erfüllt werden können – es ist kein Ausbau geplant, es wird die vierstreifige Strecke saniert.

Bei den Arbeiten gibt es nach Angaben des Projektleiters der DEGES, Wolfgang Pilz, viel zu beachten. Denn eines steht von Anfang an fest: Der Verkehr muss weiter fließen. „Das ist eine besondere Herausforderung“, sagt Wolfgang Pilz. Ziel der DEGES sei es, den Verkehr auf der Autobahn zu halten, dazu zählen auch Lkw. Demnach wird es auch keine Ausschilderung oder Empfehlungen von Umleitungen geben. „Die Verkehrsteilnehmer suchen sich ihre Ausweichstrecke anhand von Navigationssysteme ohnehin selbst“, sagt der Fachmann. Den Verkehr bei laufenden Arbeiten auf der Autobahn zu behalten funktioniere, indem immer eine Spur pro Seite gewährleistet werde. Ebenso sollen die Autobahnanschlüsse aufrecht erhalten werden sowie die Erreichbarkeit von Krankenhäusern oder Feuerwehren sichergestellt sein. Konzepte für beispielsweise den Flughafen Tegel wurden ebenfalls erstellt.

Strecke in vier Bauabschnitte unterteilt

Die Strecke ist in vier Bauabschnitte unterteilt: Von der Landesgrenze im Norden bis zur Ausfahrt Waidmannsluster Damm, von dort bis zur Ausfahrt Kurt-Schumacher-Platz. Der Abschnitt Mitte erstreckt sich bis zum Autobahndreieck Charlottenburg und der vierte Abschnitt bis zur Ausfahrt Spandauer Damm – in den Planungen ist die Erneuerung der Rudolf-Wissell-Brücke aufgrund der Absprachen der einzelnen Bauabschnitte und der damit verbundenen Verkehrsführung bereits enthalten. Jeder einzelne von den Bauabschnitten wird minuziös geplant, der fließende Verkehr berechnet – und ebenfalls wie und wo es auf den Nebenstrecken zu Verkehrsbehinderungen kommen könnte. Die Abschnitte wurden mithilfe von Laserscans erfasst und gefilmt und die Verkehrsverteilung mit Computermodellen simuliert. So sollen die Folgen im Nebennetz gemildert werden.

Anhand dieser Messungen ist bereits jetzt klar, dann einige Nebenstrecken ertüchtigt werden müssen, weil sie dem vermuteten Anstieg des Verkehrs nicht gerecht werden. Eine dieser Bereiche ist der Knotenpunkt Hermsdorfer Straße, Oraniendamm, Oranienburger Straße. Dort wird nach den Berechnungen der DEGES ein weiterer Linksabbiegestreifen in der Hermsdorfer Straße und eine Fahrbahnerweiterung in der Oranienburger Straße errichtet werden müssen. Auf dem Waidmannsluster Damm und den umliegenden Straßen, auf dem sich heute bereits der Verkehr staut, würde aber die Kapazität noch ausreichen. Im Zuge der Sanierung prüft die DEGES, welche rechtlichen Richtlinien beachtet werden müssen um die Ruppiner Chaussee zu öffnen. Das würde einen drohenden Verkehrsstau deutlich mildern.

Wie wichtig die Grundsanierung ist, zeigt der Tunnel Tegel Ortskern, wie ihn die Fachleute nennen. „Das ist unser Sorgenkind“, sagt Pilz. Immer wieder steige gerade im Winter das Grundwasser und dringe in das Bauwerk aus den 80er-Jahren. Und mit Blick in die Zukunft werde es noch mehr steigen. „Die ungünstige Variante wäre den Tunnel komplett zurückbauen und neu bauen zu müssen“, sagt Pilz, der eine Teilsanierung des Tunnels bevorzugt. Das wichtigste sei aber, dass der Wasserspiegel abgesenkt werden müsse. Zudem müsse das Sicherheitskonzept angepasst werden. „Die Planung ist in dem Bereich noch nicht abgeschlossen“, so der Projektleiter.

Arbeiten von A111, U6 und S25 könnten parallel laufen

Für die Brücke Hermsdorfer Damm sieht die DEGES hingegen keine Chance mehr. „Die hält der Last bei steigendem Verkehr nicht mehr allzu lange stand und muss komplett abgerissen und erneuert werden“, sagt Pilz. Es gebe eine Forderung eine Sonderlast zu berücksichten für Fahrzeuge von 240 Tonnen, „da geht so manche Statik in die Knie.“

Die Planungen werden mit dem Land Berlin, den betreffenden Bezirken sowie Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs mit einbezogen, „dennoch wird es nicht vermeidbar sein, dass die Arbeiten auch mal parallel laufen“, vermutet Wolfgang Pilz. Damit spricht er die anstehenden Sanierungen auf der Strecke der U-Bahnline 6 zwischen den Haltestellen Alt-Tegel und Kurt-Schumacher-Platz an sowie den geplanten Streckenausbau der S25. Aufgrund enger Abstimmungen mit den Verkehrsunternehmen werde versucht die Einschränkungen für die Menschen so gering wie möglich zu halten. Durch die frühzeitigen Absprachen haben VBB, S-Bahn und BVG die Möglichkeit sich auf die eventuell steigende Nachfrage vorzubereiten und mehr Wagen einzusetzen.