U-Bahn

Ende 2020 fährt die U5 durch Berlins Mitte

Die „Kanzlerbahn“ hält zunächst nicht unter der Museumsinsel. An der Friedrichstraße darf sich ein Graffiti- Sprayer austoben.

So soll der U-Bahnhof Museumsinsel aussehen.

So soll der U-Bahnhof Museumsinsel aussehen.

Foto: Simulation: Bünck+Fehse

Berlin. Normalerweise stehen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit Graffiti-Sprayern eher auf Kriegsfuß. Sorgen sie doch mit ihrem zumeist illegalen Tun dafür, dass das landeseigene Verkehrsunternehmen jährlich Millionen dafür ausgegeben muss, um beschmierte U-Bahnwagen und Bahnhöfe zu reinigen.

An der Friedrichstraße ist das jedoch nun anders. Dort darf seit Dienstag „Snyder“ ganz legal seine Spraydosen herausholen, um „Urban Art“ (Stadtkunst) zu erschaffen. Der 38 Jahre alte Berliner, der wegen seiner Vergangenheit anonym bleiben will, hat sich vor gut einem Jahr der legalen Urban Art zugewandt und ist mit seinen Werken bereits an mehreren Orten in der Stadt präsent.

Bahnhof Friedrichstraße künstlerisch in Szene gesetzt

Nun hat „Snyder“ damit begonnen, die jeweils acht Meter langen Spanplatten-Einhausungen künstlerisch zu gestalten. Die Spanplatten sollen die Zugänge zur künftigen Station Unter den Linden der Linie U5 vor Wind und Wetter, aber auch dem Zutritt illegaler Sprayer schützen.

„Wir sehen das Projekt als großartige Möglichkeit, Mitte künstlerisch in Szene zu setzen und Berlinern und Gästen der Stadt ein neues, innovatives Kunstprojekt zu bieten“, würdigte Guido Herrmann, Vorstand des Vereins Die Mitte, die Initiative der U5-Projektgesellschaft. „Auch, wenn die Kunstinstallation nur temporär besteht, ist sie ein Beitrag, um das Image des Zentrums der Hauptstadt positiv zu stärken.“

Station unter der Museumsinsel öffnet ein halbes Jahr später

Der U-Bahnhof unter der Kreuzung Unter den Linden und Friedrichstraße ist einer von insgesamt drei Bahnhöfen, die in den vergangenen acht Jahren für den U-Bahn-Lückenschluss zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor gebaut wurden. Nun kommt das mindestens 525 Millionen Euro teure Prestige-Vorhaben langsam auf die Zielgerade. „Alles läuft nach Plan, wir werden die Strecke Ende 2020 eröffnen“, versicherte Ute Bonde, Geschäftsführerin der U5-Projektrealisierungsgesellschaft der BVG am Dienstag.

Der erste Zug wird laut Bonde definitiv im Dezember nächsten Jahres fahren. Letzte Unwägbarkeiten seien ausgeräumt. Einen konkreten Termin für die Eröffnung gibt es aber noch nicht. Fest steht inzwischen aber auch: Die Züge werden in der Station unter der Museumsinsel zunächst ohne Halt durchfahren.

Der Innenausbau des wegen seiner Lage unter dem Spreekanal als bautechnisch besonders komplizierten Bahnhofs hat zwar begonnen, doch werden die Einrichtungen in einem Jahr noch nicht so weit sein, dass dort Fahrgäste ein- und aussteigen können. Der Bahnhof „Museumsinsel“ werde voraussichtlich erst ein halbes Jahr nach den Stationen „Rotes Rathaus“ und „Unter den Linden“ eröffnet, so Bondes Prognose.

Streckenbau stand Anfang der 2000er-Jahre auf der Kippe

Die rund zwei Kilometer lange Tunnelstrecke quer durch Berlins historische Mitte soll die Lücke zwischen der bestehenden Linie U5 (Alexanderplatz–Hönow) und der 2009 eröffneten Stummellinie U55 (Hauptbahnhof–Brandenburger Tor) schließen.

Die in Berlin auch als „Kanzler-U-Bahn“ bekannte Erweiterung ist Teil des Anfang der 90er-Jahre zwischen der Bundesregierung und dem Berliner Senat abgeschlossenen Hauptstadtvertrages. Der Senat wollte in der Finanznotlage Anfang des neuen Jahrtausends den teuren U-Bahnbau stoppen, doch eine drohende Rückzahlungsforderung des Bundes in Millionenhöhe sorgte für ein Umdenken.

Baustellen am Prachtboulevard verschwinden

Seit 2011 wird an dem Lückenschluss gebaut. Ursprünglich war die Fertigstellung der Strecke bereits für 2019 angekündigt. Mit einer Verspätung von nur einem Jahr kann das Großprojekt für Berliner Verhältnisse als geradezu vorbildhaft gelten. Offen ist indes, ob der zwischenzeitlich um 92 Millionen auf 525 Millionen Euro erhöhte Kostenrahmen eingehalten werden kann. Durch den Bauboom der vergangenen Jahre haben sich die Preise in der gesamten Branche drastisch erhöht. Das bekam auch die U5-Gesellschaft bei ihren Ausschreibungen zu spüren.

Bereits vor dem Start der U5-Verlängerung sollen – mit Ausnahme des Bereichs Museumsinsel – die Baustelleneinrichtungen von der Straße Unter den Linden verschwinden. Dazu gehört auch das Nachpflanzen von zuvor gefällten Linden auf der Mittelinsel. Insgesamt 54 Bäume wachsen in einer Baumschule dafür bereits heran.

Von einer Umgestaltung des Boulevards in eine autofreie Zone, wie sie die rot-rot-grüne Koalition zu Beginn ihrer Amtszeit propagierte, ist aktuell nicht mehr die Rede. „Wir werden den Boulevard in den Zustand bringen, in dem er sich vor Baubeginn befand“, sagte dazu U5-Geschäftsführerin Bonde. Alles andere sei Sache des Bezirks Mitte und des Berliner Senats.