Nahverkehr

BVG-Verspätungen: Schadensersatzanträge künftig auch online

Bei Verspätungen von mehr als 20 Minuten können Fahrgäste eine Entschädigung beantragen. Genutzt wird diese Möglichkeit aber kaum.

Nur ein Bruchteil der BVG-Kunden stellt seine Verspätung in Rechnung.

Nur ein Bruchteil der BVG-Kunden stellt seine Verspätung in Rechnung.

Foto: Christoph Hardt / imago/Future Image

Berlin. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen es ihren Kunden künftig leichter machen, bei Verspätungen eine kleine Entschädigung zu erhalten. Das landeseigene Nahverkehrsunternehmen plant, dass entsprechende Anträge künftig auch über ein Online-Formular gestellt werden können. Das geht aus einer Antwort der BVG auf eine Anfrage des Reinickendorfer CDU-Bezirksverordneten Felix Schönebeck hervor.

Was viele Fahrgäste in Berlin nicht wissen: Bereits seit 1997 gibt die BVG eine sogenannte Kundengarantie. Darin verpflichtet sie sich, dass ein von Verspätungen oder Ausfällen betroffener Fahrgast eine Entschädigung erhalten kann. Gewährt wird diese allerdings nur, wenn der Zielort mehr als 20 Minuten später als nach Fahrplan vorgesehen erreicht wird. In diesem Fall wird der Fahrpreis ersetzt. Monatskarten-Abonnenten erhalten eine Gutschrift, alle anderen je nach Fahrtroute ein Gratisticket im Wert von 2,80 Euro (Stadtgebiet Berlin) oder 3,40 Euro (Berlin und Umland).

BVG zahlt Entschädigung: Weniger als 2000 Anträge pro Jahr

Bisher fordern allerdings nur wenige Fahrgäste dies ein. Laut BVG-Sprecherin Petra Nelken wurden im Vorjahr 1975 Anträge auf Entschädigung gestellt, von denen rund 700 abgelehnt wurden. Bis Mitte September dieses Jahres trafen 1371 Forderungen ein, abgelehnt wurden davon 429. Die BVG zahlt pro Jahr zwischen 40.000 und 50.000 Euro an Entschädigungen aus, das sind weniger als 0,01 Prozent der gesamten Einnahmen aus dem Ticketverkauf.

Ob die niedrige Zahl von Antragstellern an der geringen Entschädigungshöhe oder an der allgemeinen Unkenntnis liegt, ist unklar. Möglicherweise liegt es auch am hohen Aufwand. Denn bislang muss ein Antrag erst heruntergeladen und ausgefüllt, dann per Post oder per E-Mail an die BVG gesandt werden. Für den CDU-Politiker Schönebeck ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die BVG dem zahlenden Kunden eine Entschädigung für die Nichterbringung der Gegenleistung gewährt.

Einführung des Online-Formulars wohl nicht mehr dieses Jahr

„Wenn man es mit der Entschädigung ernst meint, muss jedoch der Weg dorthin einfacher gestaltet werden. Eine zeitgemäße und einfache Lösung ist hier ein Online-Formular“, sagt er und verweist auf das bereits vom Verkehrsverbund Rhein-Main (RMV) praktizierte Verfahren. Dort wird übrigens eine Entschädigung bereits ab zehn Minuten Verspätung gezahlt.

Wann die BVG das Online-Formular auf ihrer Webseite frei schaltet, ist allerdings offen. Derzeit sei der zuständige Arbeitsbereich noch voll mit Anträgen für das kostenlose Schülerticket sowie das neue Firmenticket beschäftigt, heißt es. Eine Einführung noch in diesem Jahr gilt daher als unwahrscheinlich.