Prozess vor dem Amtsgericht

Senior zeigt den Hitlergruß – Sechs Monate Freiheitsstrafe

Mehrfach entbot Dieter T. öffentlich den sogenannten deutschen Gruß. Er sei unbelehrbar, so die Richterin.

Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Foto: Taylan Gökalp / dpa

Berlin. Als Dieter T. am Mittwochmittag den Verhandlungssaal im Amtsgericht Tiergarten betritt, trägt er zur großen Verwunderung von Zuschauern und Pressevertretern eine Kippa. Die traditionelle jüdische Kopfbedeckung passt so gar nicht zu den Taten, die die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Der 69-Jährige soll – nicht zum ersten Mal – öffentlich den sogenannten deutschen Gruß, auch bekannt als Hitlergruß, gezeigt haben.

Es ist eine kuriose, zum Teil ins Komische abgleitende Verhandlung, der sich Dieter T. stellen muss. Am Ende allerdings macht die Richterin ernst. Sechs Monate Freiheitsstrafe kassiert T., „so gerade noch“ zur Bewährung ausgesetzt.

Noch im Gericht geht der Arm erneut hoch

Im Januar dieses Jahres stand der 69-Jährige schon mal vor Gericht. Damals wurde er zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt, weil er Monate zuvor auf der Straße in Gegenwart etlicher Nachbarn und Passanten den Hitlergruß entbot. Auf das Urteil reagierte T. auf seine Weise. Direkt nach der Verhandlung und in Gegenwart von Zeugen und Zuhörern, reckte er, noch auf dem Flur des Gerichts, erneut den rechten Arm empor.

Deshalb sitzt er am Mittwoch wieder auf der Anklagebank. Und stellt erst einmal klar: Nein, Jude ist er nicht, die Kippa trägt er aus Solidarität mit dem Staat Israel. Die Israelis mag er offenbar, Menschen anderer Nationalitäten dagegen eher nicht. „Scheiß Ausländer“, soll er nach Angaben eines Zeugen auch schon gegrölt haben.

Vier Zeugen bestätigen die Tat

In der Verhandlung formuliert T. moderater. Der Zustrom von Flüchtlingen bereite ihm Sorgen, er habe Angst um Deutschland und ärgere sich ständig über die Politiker. Er war lange in der SPD, berichtet der Angeklagte, mit der Partei wolle er aber nichts mehr zu tun haben. Aktuell ärgert ihn ganz besonders Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU. Dennoch, den Hitlergruß habe er nicht gezeigt, er habe den Leuten lediglich seine Kippa zeigen wollen, erklärt der Angeklagte, während er aufspringt und der Richterin vorführt, was er damit meint.

Doch vier Zeugen, darunter ein Polizist, bestätigen die Vorwürfe, und denen glaubt schließlich auch die Richterin. Der Angeklagte sei offenbar unbelehrbar, erklärt sie und wirft ihm „dämliche Äußerungen“ vor. „Halten Sie uns alle für bescheuert?“, will sie zudem wissen. Dazu schweigt der Angeklagte.