Bahnverkehr

Bahn startet neue IC-Verbindung Rostock-Berlin-Dresden

Ab Dezember sollen Berliner schneller und öfter an die Ostsee und nach Dresden kommen. Auch Nachtverbindung nach Wien bestätigt.

So sehen die neue Intercity-Züge der Deutschen Bahn aus, die ab März 2020 auf der Strecke Rostock - Berlin - Dresden im Zweistundentakt fahren werden. 

So sehen die neue Intercity-Züge der Deutschen Bahn aus, die ab März 2020 auf der Strecke Rostock - Berlin - Dresden im Zweistundentakt fahren werden. 

Foto: Deutsche Bahn

Berlin. Nur die Älteren werden sich noch an die Zeit erinnern, als zahllose Intercity- und Interregio-Züge alle großen Städte in Deutschland miteinander verbanden. Doch in der Ära Mehdorn sind die Zuggattungen unterhalb des hochpreisigen ICE-Angebots wegen angeblich fehlender Nachfrage fast völlig aus den Fahrplänen verschwunden. Nun wagt die Deutsche Bahn (DB) einen hoffnungsvollen Neuanfang. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember startet der bundeseigene Verkehrskonzern die seit Längerem angekündigte Intercity (IC)-Linie, die im Zweistundentakt die Hauptstadt mit Rostock und Dresden verbinden soll. Die Reisezeit ab Berlin beträgt jeweils rund zwei Stunden.

Anfangs wird es allerdings nur zehn Verbindungen pro Tag geben, kündigte DB-Fernverkehrsvorstand Berthold Huber am Dienstag an. Denn erst ab Frühjahr 2020 werden die für die IC-Linie vorgesehenen modernen Triebwagenzüge einsatzbereit sein, die die DB von der privaten österreichischen Westbahn übernimmt. Die Doppelstockzüge sind aktuell noch zwischen Wien und Salzburg unterwegs und müssen anschließend für ihren Deutschlandeinsatz noch umgerüstet und neu lackiert werden.

Auch der Flughafen BER soll angebunden werden

Ab 8. März 2020 soll es auf der neuen IC-Linie aber täglich 16 Zugfahrten – acht pro Richtung – geben. Damit könne tagsüber der versprochene Zweistundentakt gesichert werden, sagte Huber. Auf der Strecke Berlin–Dresden werde zudem das bestehende Eurocity-Angebot (zwischen Hamburg und Prag/Budapest) ergänzt, wodurch auf dieser Verbindung dann jede Stunde ein Fernzug fährt.

Anders als die Eurocity-Züge wird der IC ab Mai auch in Schönefeld halten, zunächst am alten Flughafen-Bahnhof, nach der für Oktober 2020 angekündigten Eröffnung des neuen Hauptstadtairports dann im unterirdischen BER-Bahnhof.

Von der neuen IC-Linie werden auch viele Brandenburger profitieren, betonte Huber. Denn sie müssten künftig nicht erst zum Berliner Hauptbahnhof fahren, sondern könnten bereits in Schönefeld oder Oranienburg in die Fernzüge nach Dresden oder Rostock einsteigen. Geprüft wird ein weiterer Halt in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster), wo auch zahlreiche Regionalzüge stoppen. Nach Testfahrten im November will die Bahn darüber entscheiden.

Neue Züge fahren als Nachtzug bis nach Nürnberg und Wien

Der Fernverkehrsvorstand der Bahn bestätigte zuvor bereits durchgesickerte Pläne, im Zusammenhang mit der IC-Linie auch eine neue Nachtzugverbindung von Berlin nach Wien einzurichten. Weil die Westbahnzüge vom Schweizer Hersteller Stadler weiter in der österreichischen Hauptstadt gewartet werden, soll jeweils der letzte Zug am Tag von Berlin nicht nach Dresden, sondern über Leipzig und Nürnberg nach Wien – sowie am nächsten Morgen wieder zurück fahren.

Weitere Zwischenstopps soll es in Jena und Regensburg geben. Die Züge verfügen allerdings über keine Schlaf- oder Liegenwagenabteile, sondern nur über Sitzplätze. Vor allem aber jüngere Menschen würden ein solches Angebot dennoch annehmen, hofft die Bahn.

Sparpreise ab 17,90 Euro – mit Bahncard weniger

Noch offen ist, ob auf der neuen IC-Strecke auch Nahverkehrstickets des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) anerkannt werden. Eine entsprechende Ausschreibung des VBB läuft noch, sagte Huber. Der DB-Personenverkehrsvorstand kündigte unabhängig davon attraktive Ticketpreise für die neue Verbindung an. „Wenn die Mehrwertsteuersenkung für Bahntickets wie von der Bundesregierung angekündigt kommt, werden die Sparpreise bereits bei 17,90 Euro beginnen.

Mit der Bahncard wird es für viele sogar noch günstiger“, versicherte Huber. Mit einem solchen Billigticket könne im günstigsten Fall die gesamte Strecke von Rostock (ab 17. Mai sogar ab Warnemünde) bis nach Dresden befahren werden.

Mehr Komfort, zwei Bistros, kostenloses Wlan

Die neuen zweistöckigen IC-Züge vom Stadler-Typ Kiss sollen den Reisenden spürbar mehr Komfort und Service bieten als ihre in die Jahre gekommenen Vorgänger. Angekündigt werden von der Bahn eine „abwechslungsreiche Sitzlandschaft“, Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme sowie zwei Bordbistros pro Zug. Jeder der bis zu 300 Sitzplätze an Bord soll zudem über eine Steckdose und einen kostenlosen Internetzugang verfügen. Gerade an solchen, heute für viele Reisende wichtigen Ausstattungsmerkmalen, mangelt es in den inzwischen völlig veralteten IC-Zügen der Bahn.

Trotz der Einschränkungen zum Start im Dezember begrüßte der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) das neue Angebot. „Trotzdem super, dass sich was tut. Auch wenn es nur ganz kleine Schritte sind“, twitterte der Lobbyverband am Dienstag.

Die neue IC-Linie wird jedoch nicht die einzige Verbesserung für Berliner Bahnkunden sein. Ab Dezember will die Bahn zwei zusätzliche ICE-Sprinter auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach München schicken. Seit der Eröffnung vor zwei Jahren haben sich auf der Verbindung die Fahrgastzahlen verdoppelt, vor allem dank einer Fahrzeit von teilweise unter vier Stunden. Vor Kurzem hatte die Bahn zudem die Wiederbelebung des legendären Vindobona bekanntgegeben. Der Zug ist ein gemeinsames Angebot mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der tschechischen Staatsbahn ČD und soll erstmals am 4. Mai 2020 von Graz nach Berlin fahren. In der Gegenrichtung fährt der Zug erstmals am 5. Mai. Abfahrt ist dann gegen 6 Uhr morgens in Berlin, um 8 Uhr soll der Zug in Dresden und um 10.30 Uhr in Prag sein.