BVG

U-Bahn hält ein Jahr lang nicht am Potsdamer Platz

Die U-Bahn fährt bis Oktober 2020 am Potsdamer Platz in Richtung Westen durch. Auch die U1 und U3 sind noch unterbrochen.

In Richtung Westen, also Fahrtziel Ruhleben oder Theodor-Heuss-Platz, fahren die Züge am Bahnhof Potsdamer Platz durch.

In Richtung Westen, also Fahrtziel Ruhleben oder Theodor-Heuss-Platz, fahren die Züge am Bahnhof Potsdamer Platz durch.

Foto: pa

Berlin. Wer in diesen Tagen vom Auto auf umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel umsteigen will, dem wird es in der Hauptstadt nicht gerade leicht gemacht. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Deutsche Bahn nutzen die Herbstferien für umfangreiche Bauarbeiten. Eines der Projekte, die Sanierung einer Bahnsteighälfte im U-Bahnhof Potsdamer Platz, dauert sogar bis Oktober 2020, also ein Jahr.

Bereits seit Montagmorgen ist bei der U-Bahn der Zugverkehr auf den wichtigen Innenstadtlinien U1 und U3 unterbrochen. Die U1 fährt bis voraussichtlich 24. Oktober nur zwischen Warschauer Straße und Wittenbergplatz sowie zwischen Uhlandstraße und Nollendorfplatz, die U3 verkehrt nur zwischen Krumme Lanke und Nollendorfplatz.

In der Vorwoche waren beide Linien bereits wegen eines Feuers unter dem Viadukt zwischen den Bahnhöfen Nollendorfplatz und Kottbusser Tor unterbrochen worden. Die BVG empfiehlt ihren Kunden, auf die U2 umzusteigen, die parallel zum gesperrten Abschnitt fährt. Einzig der U-Bahnhof Kurfürstenstraße kann während der knapp dreiwöchigen Sperrung nicht angefahren werden und bleibt geschlossen. Wer dennoch dorthin will, kann alternativ die Buslinien M19 und M29 nutzen.

Gesamte Brücke am Gleisdreieck muss erneuert werden

Die BVG nutzt die Ferienzeit, um auf der Brücke über dem Gleisdreieck-Park Schotter, Schienen und Schwellen zu erneuern. Die Strecke gehört zu den am stärksten frequentierten in der Berliner Innenstadt, dementsprechend hoch ist der Verschleiß. Eigentlich müsste die gesamte, mehr als 100 Jahre alte Stahlbrücke ersetzt werden.

„Das passiert aber voraussichtlich erst in zwei Jahren. So lange können wir mit der Gleiserneuerung aber nicht warten“, begründete BVG-Sprecher Markus Falkner die bereits seit Längerem geplanten Bauarbeiten. Der anstehende Brückenneubau, der auch noch denkmalgerecht sein soll, dürfte indes eine deutlich längere Sperrpause als die aktuelle zur Folge haben.

U-Bahn-Züge auf der U1 sollen länger werden

Umstellen müssen sich in den nächsten Tagen auch die Fahrgäste, die nur auf dem Kreuzberger Abschnitt der oberirdischen U-Bahnstrecke unterwegs sind. Dort verkehrt bis 24. Oktober zwar noch die U1, nicht jedoch die U3.

Die U1-Züge fahren tagsüber im Fünfminuten-Takt, üblich ist auf der stark genutzten Strecke allerdings ein Zugabstand von drei bis vier Minuten. Um dennoch ausreichend Plätze anbieten zu können, will die BVG in den kommenden Tagen Züge mit acht Wagen statt der sonst üblichen Sechswagen-Einheiten fahren lassen.

Bahnsteig muss komplett abgerissen und neu gebaut werden

Wer zur Umfahrung der Baustelle in die U2 umsteigt, muss allerdings aufpassen. Denn in Richtung Westen, also Fahrtziel Ruhleben oder Theodor-Heuss-Platz, fahren die Züge am Bahnhof Potsdamer Platz kurzerhand durch. Dort hat die BVG gleichfalls am Montag mit der Erneuerung des Bahnsteigs begonnen. Die Arbeiten sollen bis zum 12. Oktober 2020 dauern – also mehr als ein Jahr.

BVG-Sprecher Falkner begründet die lange Bauzeit für ein vergleichsweise kleines Projekt mit der Notwendigkeit, den Bahnsteig aufgrund seines schlechten baulichen Zustands zunächst bis zur Gleisebene komplett abreißen und anschließend neu aufbauen zu müssen. Notwendig sei auch eine „statische Ertüchtigung“ „Natürlich könnte das alles viel schneller gehen, wenn wir die Arbeiten nicht bei laufendem Fahrbetrieb ausführen müssten.

Vom Mendelssohn-Bartholdy-Park zum Potsdamer Platz laufen

Doch so einen wichtigen Umsteigebahnhof in der City monatelang zu sperren, das können wir nicht machen“, sagte Falkner der Berliner Morgenpost. Zeitaufwendig sei auch die Baulogistik. Alle Baumaterialien würden auf der Schiene an- und abtransportiert, was in der Regel nur während der nächtlichen Betriebspausen geht.

Die BVG empfiehlt Fahrgästen in Richtung Ruhleben, bis zum U-Bahnhof Gleisdreieck weiter zu fahren. Dort könne ohne Bahnsteigwechsel der Zug in Gegenrichtung zurück zum Potsdamer Platz genommen werden. „Eine andere Möglichkeit ist, bis zur Station Mendelssohn-Bartholdy-Park zu fahren und von dort die paar Schritte bis zum Potsdamer Platz zu laufen“, sagte Falkner.

Auch auf der Linie U7 wird gebaut

Noch bis 20. Oktober ist bei der Berliner U-Bahn auf der Linie U7 auch der Zugverkehr zwischen den Bahnhöfen Rudow und Grenzallee unterbrochen. Auf den gesperrten Abschnitten sind barrierefreie Busse im Einsatz. Zwischen dem U-Bahnhof Grenzallee, der noch nicht über einen Aufzug verfügt, und dem S- und U-Bahnhof Neukölln kann als barrierefreie Umfahrung die BVG-Buslinie 171 genutzt werden.

Auch bei der S-Bahn heißt es Umsteigen. So hat die Deutsche Bahn am Wochenende mit umfangreichen Arbeiten am Bahnknoten Biesdorfer Kreuz begonnen. Ein neues elektronisches Stellwerk soll in Betrieb genommen werden, zudem werden auch dort Gleise erneuert. Betroffen von den Einschränkungen sind die Linien S5, S7 und S75, die auf ihren östlichen Streckenabschnitten nicht fahren können. Bis zum 14. November müssen bis zu 220.000 Fahrgäste am Tag auf die U-Bahn (Linie U5), die Straßenbahn oder die Regionalbahn umsteigen. Die S-Bahn hat zudem einen umfangreichen Ersatzverkehr (SEV) mit Bussen angekündigt.

Bus statt S-Bahn im Berliner Osten

„Der SEV ist gut angelaufen. Am Montag waren 79 Busse im Einsatz“, sagte ein Bahnsprecher. Als Problem könnte sich jedoch in den kommenden Tagen ein Engpass auf der Frankfurter Allee erweisen, über die Ersatzbusse für die S5 in Richtung Ostbahnhof rollen.

Aufgrund von Straßenschäden hat die Straßenverkehrsbehörde am Montag in Höhe Frankfurter Tor an einer Baustelle zusätzlich den linken Fahrstreifen gesperrt. „Es steht somit nur ein Fahrstreifen zur Verfügung!“, warnte die Verkehrsinformationszentrale am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Das könnte am Dienstag im Berufsverkehr auf für den SEV zur Problemen führen“, meinte auch der Bahnsprecher.

Die Bahn baut außerdem noch auf der Stadtbahntrasse. Dort können mindestens bis 14. Oktober keine Fern- und Regionalzüge zwischen Bahnhof Zoo und Hauptbahnhof fahren. Auch die Strecke nach Spandau ist aktuell unterbrochen. Es gibt umfangreiche Fahrplanänderungen.