Blockaden geplant

Öko-Bewegung „Extinction Rebellion“ will Berlin lahmlegen

„Extinction Rebellion“ kündigt für Berlin ab Montag Straßenblockaden an. Aktivisten werden in Trainingscamps vorbereitet.

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ blockierten im April die Oberbaumbrücke.

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ blockierten im April die Oberbaumbrücke.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Ab nächster Woche drohen Berlin Londoner Verhältnisse. Im April hatten Tausende Klimaaktivisten der Bewegung „Extinction Rebellion“ (zu Deutsch: Rebellion gegen das Aussterben) die britische Metropole mit Straßenblockaden und Protesten lahmgelegt. Ähnliches soll ab Montag, dem 7. Oktober, wieder passieren, und zwar in weltweit 60 Städten - von London über Paris, New York, Delhi, Buenos Aires bis Berlin, wie die radikalen Klimaschützer ankündigten.

Berlin wird eines der Zentren des Protests sein. Geplant ist eine Woche des „zivilen Ungehorsams“ mit der Blockade von Straßen und Plätzen. Die Bewegung will damit den Druck auf die Politik erhöhen. „Gemeinsam richten wir den Fokus auf die Klimakatastrophe und das Massenaussterben und kämpfen dafür, eine echte klimapolitische Wende herbeizuführen“, schreiben die Öko-Aktivisten auf ihrer Homepage.

Aktionen am Kurfürstendamm und an der Marschallbrücke

Bei den Aktionen in Berlin gehe es darum, „die Alltagsroutine der Hauptstadt zu unterbrechen“. Alles solle „gewaltfrei, aber definitiv nicht störungsfrei“ ablaufen. Ein Schwerpunkt der Aktion soll am Montag der Potsdamer Platz sein. Dort werde es ab dem Mittag Kundgebungen, Performances und Workshops geben, kündigte „Extinction Rebellion“ an. Außerdem soll am Montag das pinkfarbene Schiff „Arche Rebella“ in Berlin anlegen.

Ein weiterer Protestschwerpunkt in Berlin ist die Marschallbrücke in Mitte. Diese soll am Mittwoch blockiert werden. Für den selben Tag ist ab 16 Uhr unter dem Motto „Shut Down Kudamm“ auch eine große Aktion am Kurfürstendamm geplant. Der genaue Ort soll kurzfristig bekanntgegeben werden. Darüber hinaus haben die Klimaaktivisten weitere Blockaden im Berliner Stadtgebiet geplant. Unterstützer können sich in verschiedene WhatsApp- oder Telegram-Verteiler eintragen lassen und werden dann kurzfristig darüber informiert, wo die nächste Blockadeaktion stattfindet. „Wir empfehlen Autofahrern, das Auto stehen zu lassen“, hatte es am Freitag geheißen.

Bereits am Wochenende wurde ein Klimcamp in der Nähe des Kanzleramts aufgebaut. Dort soll es mehrere Tage lang Workshops und Arbeitsgruppen geben, wie die Organisation mitteilte.

Bei sogenannten „Aktionstrainings“ in Berlin schult „Extinction Rebellion“ zurzeit Aktivisten für verschiedene Aktions- und Blockadeformen. In den sechsstündigen Veranstaltungen gehe es nicht nur um verschiedene gewaltlose Protestformen, sondern auch um Entscheidungsfindung und rechtliche Fragen, wie es auf der Homepage von „Extinction Rebellion“ heißt.

Unterstützung von 90 Prominenten

In Berlin ist „Extinction Rebellion“ bisher nur vereinzelt in Erscheinung getreten. Mitte April besetzten Aktivisten die Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Im Juni ketteten sich etwa zwei Dutzend Aktivisten vor einem Zaun am Kanzleramt fest. Vergangenen Montag protestierten die Klimaschützer mit Protestplakaten in der Parteizentrale der Linken an der Kleinen Alexanderstraße in Mitte.

„Extinction Rebellion“ hat seine Ursprünge in Großbritannien, wo die Bewegung im Oktober 2018 gegründet wurde. Seitdem hat die radikale „Schwester“ der Fridays-for-Future-Bewegung nach eigenen Angaben weltweit mehr als 100.000 Mitglieder gewonnen. „Reguläre politische Mittel wie Demos und Wahlen reichen nicht aus“, heißt es in dem Manifest der Bewegung, weshalb die Mitglieder radikalere, aber gleichzeitig friedliche Aktionsformen bevorzugen.

Unterstützung von Anna Loos, Bela B. und Christian Ulmen

Zuletzt erhielt die Öko-Truppe Unterstützung von 90 Prominenten aus dem deutschen Kunst- und Kulturbetrieb. Schauspieler und Musiker wie Anna Loos, Christian Ulmen, Bela B. und Rocko Schamoni solidarisierten sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung, in dem „sofort drastische Maßnahmen gegen die sich verschärfende ökologische Krise“ gefordert wurden.