Studie

Preisanstieg: So teuer werden WG-Zimmer für Studierende

Die Wohnungssuche für Studierende gestaltet sich immer schwieriger. Nun soll es einen erneuten Preisanstieg geben.

WG-Zimmer für Studenten sind nicht nur schwer zu finden. Sie werden bald auch deutlich teurer. (Symbolbild)

WG-Zimmer für Studenten sind nicht nur schwer zu finden. Sie werden bald auch deutlich teurer. (Symbolbild)

Foto: Wolfram Steinberg / dpa-tmn

Berlin. Kaum ein Student kann sich lediglich auf das Lernen konzentrieren. Sich einen Nebenjob zu suchen, ist unumgänglich. Miete, Strom, Lebensmittel, Bücher – das alles kostet viel Geld. Und davon werden Studenten künftig wohl noch mehr brauchen. Die Mieten in Berlin steigen um zehn Prozent.

WG-Zimmer für Studenten werden zehn Prozent teurer

Durchschnittlich kostet ein WG-Zimmer in Deutschland 363 Euro, künftig werden es 389 Euro sein. In Berlin ist eine Preissteigerung von 420 Euro im Vorjahr auf 480 Euro zu erwarten – 2015 waren es noch 380 Euro. Das sind mehr als zehn Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Moses Mendelssohns Institut (MMI) in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de bei einer Analyse aller 98 Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studierenden.

Berlin hat einen der fünf angespanntesten studentischen Wohnungsmärkte im Land. Schlimmer sei die Situation nur noch in Frankfurt am Main, Stuttgart, München und Hamburg. Zum Vergleich: In Frankfurt steigt die Miete von 480 Euro auf 530 Euro, in München von 600 Euro auf 650 Euro.

Auch Auszubildende, Trainees und Berufsanfänger suchen Wohnungen

„Einen solch deutlichen Aufwärtstrend bei den Kosten hatten wir nicht erwartet“, sagt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts: „Jetzt schlägt in solchen Städten nicht nur voll durch, dass diese bei jungen Menschen beliebt sind.

Auch die Nachfrage anderer Gruppen macht Studierenden die Wohnungssuche schwer. Neben Auszubildenden, Trainees und Berufsanfängern suchen dort auch Business-Reisende, ausländische Arbeitskräfte oder Touristen die klassische 1-2-Zimmer-Wohnung.“ Hinzu kommen viele Menschen mit einem Zweit-Domizil in der Stadt.

Seit sieben Jahren ermittelt das Moses Mendelssohn Institut für alle Standorte mit mindestens 5000 Studierenden einen Anspannungs-Index des studentischen Wohnungsmarktes. Im Bundesschnitt stellten die Wissenschaftler 2019 zwar einen kleinen Rückgang des Gesamt-Index fest, von 37,9 auf 37,6 Punkte – bei maximal möglichen 100 Punkten. Doch das liegt nach Angaben der Wissenschaftler vor allem daran, dass sich die Wohnsituation für junge Menschen in den weniger begehrten Studienorten relativ entspannt hat.

„Für etwa die Hälfte der Studierenden, die allein in den 25 begehrtesten Hochschulstädten wohnen, wird es hingegen deutlich schwieriger, eine günstige Bleibe zu finden“, erläutert Dr. Brauckmann. Hier steigt der Anspannungs-Index trotz des bereits hohen Niveaus deutlich weiter, von 59,6 auf 61 Punkte.

Wohnheime schaffen nur wenig Abhilfe

Auch Wohnheime der lokalen Studierendenwerke schaffen nur wenig Abhilfe. Für nicht einmal jeden zehnten Studierenden (9,6 Prozent, unverändert zum Vorjahr) steht eine subventionierte Unterkunft zur Verfügung.

Deutlich unterdurchschnittliche Werte gibt es sogar in Städten, in denen die Anspannung des studentischen Wohnungsmarktes mit am größten ist, zum Beispiel in Berlin mit 5,9 Prozent oder Frankfurt mit 6,9 Prozent. Brauckmann: „In diesen Städten leiden die Studierenden somit bei der Wohnungssuche doppelt.“

So entwickelt sich die Situation beim studentischen Wohnen auffallend auseinander. Dr. Brauckmann: „Je nach Hochschul-Standort erleben Wohnungssuchende zwei entgegengesetzte Welten.“ Dort wo die Wirtschaft gut laufe und viele Menschen zudem wegen der Attraktivität von Kultur- und Freizeitangebot in die Stadt ziehen, ist die Konkurrenz für die Studenten bei der Wohnungssuche extrem groß.

In den nur wenig gefragten Städten finden die jungen Leute die passende Bleibe sogar zu günstigen Preisen. So wie in Freiberg und Mittweida (Mittelsachsen). Dort kostet ein WG-Zimmer durchschnittlich 210 Euro.