Gewobag

Berlin kauft 6000 Wohnungen von Immobilienkonzern zurück

Die Gewobag kauft ehemalige Sozialwohnungsbestände von einem Konzern aus Luxemburg zurück. Der Kaufpreis liegt bei 920 Millionen Euro.

Berliner Senat entschärft Mietendeckelung

Der neue Entwurf sieht weiterhin vor, die Mieten einzufrieren. Nun sind jedoch auch moderate Anhebungen möglich.

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Berlin. Nach dem Kauf von 6000 Wohnungen zum Preis von 920 Millionen Euro durch die landeseigene Gesellschaft Gewobag gibt es Kritik von der Opposition. „Das ist im Moment bei der Höhe der Immobilienpreise der völlig falsche Weg“, sagt Sibylle Meister, haushaltspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Der Markt werde weiter angeheizt und die Wohnungsnot nicht gelöst.

Am Donnerstagabend hatte die Gewobag bekannt gegeben, dass sie von der luxemburgischen Gesellschaft Ado Properties S.A. Wohnungen und 70 Gewerbeimmobilien in Reinickendorf und Spandau erworben hat. Es handelt sich um ehemalige Sozialwohnungsbestände des Unternehmens GSW, das mittlerweile zur Deutsche Wohnen Gruppe gehört.

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„Mit dem Erwerb von knapp 6000 Wohneinheiten schließen wir heute den größten Re-Kommunalisierungsankauf in der Geschichte Berlins ab“, sagte Lompscher (Linke) am Donnerstag. „Die Fehler, die in der Vergangenheit mit dem Verkauf dieser Bestände gemacht wurden, können wir nicht rückgängig machen, wohl aber den Mieterinnen und Mietern die Sicherheit zurückgeben, die sie durch die zwischenzeitliche Privatisierung verloren hatten“, so die Senatorin.

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Kritik von der CDU: "Billig verkauft, teuer zurückgekauft"

Christian Gräff, Sprecher für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion, kritisiert: „Billig verkauft, teuer zurückgekauft.“ SPD und Linke hätten sich im Jahr 2004 mit dem Verkauf der GSW aus der Verantwortung gestohlen, als sie 65.000 Wohnungen zum Schnäppchenpreis verhökert haben. „Wir werden sehr genau darauf achten und dafür kämpfen, dass die Mieter einen Mehrwert bei diesem Geschäft haben und sich ihre Wohnsituation verbessert“, sagte Gräff. Wichtig seien Verbesserungen im Wohnumfeld, bei der baulichen und energetischen Gebäudesubstanz, bei einem sozialausgeglichenen Mieter-Mix und der Miete.

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Auf Anfrage der Berliner Morgenpost antwortete Anne Grubert, Sprecherin der Gewobag, dass aktuell keine Modernisierungen geplant sind. Wie hoch der Sanierungsbedarf sein könnte, ließ sie offen. „Ob in den Objekten schadstoffhaltige Materialien verbaut worden sind, wird sich im Rahmen der konkreten Maßnahmenplanung und -ausführung zeigen“, so die Sprecherin. Es gibt Hinweise, dass es in Teilen der Wohnungen Asbest geben könnte.

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Finanziert hat die Gewobag den Ankauf nach eigenen Angaben durch Schuldscheindarlehen. „Insgesamt schaffen wir mit dieser günstigen Fremdfinanzierung die Grundlage für eine dauerhaft kostendeckende Bewirtschaftung“, so die Sprecherin. Als „riesige Geldverschwendung“ kritisiert der AfD-Wohnungsexperte Harald Laatsch den Kauf der 6000 Wohnungen.